EU lockert Kontrollen von Paprika und Tomaten aus der Türkei

Türkisches Gemüse wurde in der Vergangenheit verschärft auf Belastung durch Pestizide kontrolliert. Nun geben die bulgarischen Behörden teilweise Entwarnung: Es gibt offenbar wenig Grund zur Beanstandung.

Die Kontrollen von türkischen LKW mit Gemüse werden an der
türkisch-bulgarischen Grenze ab Anfang Juli entschärft. Ab dem ersten Juli
2011 werden Kontrollen nur noch bei süßen Paprika und bei Tomaten aus der
Türkei durchgeführt, berichtet Nikola John von der Vertretung der
Europäische Kommission in Deutschland im Gespräch mit den Deutschen
Mittelstands Nachrichten.

Türkische Gemüseimporteure hatten die Grenzkontrollen an der
bulgarisch-türkischen EU-Außengrenze massiv kritisiert und von „Schikanen“
gesprochen. Die Kontrollen würden türkische Spediteure durch Zusatzkosten
und Wartezeiten belasten.

Die Kontrollen der bulgarischen Behörden beruhen auf einer EU-Verordnung.
Demnach müssen bestimmte Lebensmittelimporte vor der Einfuhr in
die EU stichprobenartig kontrolliert werden.

Grund für die Kontrollen der Gemüselieferungen aus der Türkei ist, laut
Nikola John, dass Paprika und Tomaten die zulässigen Grenzwerte
von Pestiziden, Schwermetallen und Aflatoxinen (Pilzgiften) überschreiten
könnten. Die Kontrollen sind ein Ergebnis einer gemeinsamen Entscheidung der
EU-Kommission und der Mitgliedstaaten. Die Entscheidung beruht auf
Informationen aus dem Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und
Futtermittel (RASFF).

Paprika und Tomaten aus der Türkei sind aufgrund der großen Zahl von
Meldungen im europäischen RASFF-System durch die Mitgliedstaaten in den
Jahren 2010 und 2011 in Verdacht gekommen. Bei Paprika, wurden 29 Fälle im Jahr 2010 und 52 Fälle in diesem Jahr 2011
durch Mitgliedstaaten gemeldet, berichtet die EU. Als die Verordnung am 25.
Januar 2010 in Kraft trat, waren vier türkische Warengruppen unter ständiger
Kontrolle: Paprika, Tomaten, Zucchini und Birnen. Zucchini und Birnen wurden
im Mai dieses Jahres von der Liste genommen, da die Ergebnisse der
Kontrollen zufriedenstellend waren.

Die EU-Liste mit zu kontrollierenden Lebensmitteln wird vierteljährlich
überarbeitet. Sobald die Kontrollen Ergebnisse erreichen würden, die im
Einklang mit der EU-Verordnung stehen, könnte die EU-Kommission die Waren
von der Liste nehmen, erklärte Nikola John.

Laut EU-Verordnung können die Mitgliedsstaaten selbst entscheiden, ob sie die zu testenden Ladungen zurückhalten. Sie können die Lieferanten auch zum Zielort weiterfahren lassen, während die Resultate noch ausstehen, erklärt Nikola John. „Gemäß den Informationen der bulgarischen Behörden darf die
Mehrheit der importierten Waren – 80 Prozent, die die bulgarische Grenze
passieren und die für Labortests ausgewählt wurden, dürfen weitertransportiert
werden“, sagte Nikola John.

Die Überprüfung am Grenzkontrollpunkt Kapitan Andreevo würde von
Mitarbeitern der bulgarischen Agentur für Lebensmittelsicherheit
durchgeführt, berichtet Borjana Terzieva von der Botschaft der Republik
Bulgarien in Berlin. Es würden vorwiegend Kontrollen der Papiere und nur in
bestimmten Fällen Kontrollen des Transportguts durchgeführt.

„Wenn die bulgarische Agentur für Lebensmittelsicherheit eine Probe für
Laboruntersuchung entnimmt, wird der LKW mit der Lieferung sofort verzollt
und fährt zu seinem Bestimmungsort weiter. Die Probe wird per Kurier in
ein vom Minister für die Landwirtschaft und Ernährung zertifiziertes Labor
gesandt. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden innerhalb von zwei,
spätestens drei Tagen ausgestellt und per Kurierdienst an den
Bestimmungsort der Lieferung – in Ihrem Fall nach Deutschland – gesandt“,
erklärte Borjana Terzieva.

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