„Schwellenländer sind der absolute Fokus in der Textilindustrie“

Der österreichische Faserkonzern Lenzing ist ein globaler Player. Indien, China oder die Türkei spielen eine wesentliche Rolle für das Unternehmen. Zu den wichtigsten Werten zählen dennoch Nachhaltigkeit und Ökologie. Der Vorstandsvorsitzende Peter Untersperger im Interview.

Schwellenländer gewinnen rasant an Bedeutung und werden immer wichtiger als Exportländer. Wie schätzen Sie die zukünftigen Chancen in den Emerging Markets ein?

Die Lenzing Gruppe erwirtschaftet mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in Asien. Unter Hinzurechnung weiterer Schwellenländer wie Türkei und Brasilien sind diese Länder heute schon im absoluten Fokus unserer Gruppe. Dabei exportieren wir große Mengen unserer Spezialfasern TENCEL  und Lenzing Modal von Europa aus in diese Länder, aber wir produzieren auch vor Ort. Unser Investitionsprogramm sieht den Ausbau unserer bestehenden Produktionen in China und Indonesien sowie die Errichtung eines Green Field-Standortes in Indien vor.

Vor allem in der Textilbranche ist ein großer Teil der Produktion in Billiglohn-Länder abgewandert, wie kann man sich gegen Druck wehren?

Diese Aussage ist teilweise schon wieder überholt. Es werden zwar mehr als die Hälfte aller Textilprodukte heute schon in China produziert, die europäische Textilindustrie hat nach einem sehr schmerzhaften Restrukturierungsprozess letztlich aber ihren Platz in einer globalisierten Welt wieder  gefunden. Lenzing beliefert seine Kunden auf globaler Basis – sowohl in Asien als auch in Europa. Wir folgen unseren Kunden.

Wer im Export bestehen will, muss technologisch immer einen Vorsprung zur Konkurrenz haben und auf Qualität setzen. Wie wird der Fortschritt bei Ihnen sichergestellt?

Lenzing ist Weltmarktführer bei Man-made Cellulosefasern. Alle Cellulosefaserinnovationen der vergangenen Jahrzehnte stammen aus der Lenzing Gruppe. Mit einer F&E-Quote von rund 1,5% des Umsatzes liegen wir weit über dem Branchenschnitt. Durch kontinuierliche Innovation ist es uns gelungen, immer neue Marktsegmente für Man-made Cellulosefasern zu erobern. Diesen Weg werden wir auch in den kommenden Jahren sehr konsequent weiter gehen.

Wie hat sich Rolle der Textilindustrie in den letzten Jahren verändert und wie wird diese Veränderung in der Zukunft aussehen?

Durch die Globalisierung der Warenströme und durch den Einsatz modernster Technologie wurden in der Textilindustrie in den vergangenen Jahren unglaubliche Produktivitätsfortschritte erzielt. Bevölkerungswachstum und der Wohlstandszuwachs in den Emerging Marktes werden auch in den kommenden Jahren die wichtigsten Marktreiber für die Textilindustrie sein. Der Effekt der vergangenen Jahre, wonach Textilien bei guter Qualität immer billiger werden, wird aber zu Ende gehen. In Zukunft werden andere Themen wie die Rohstoffproblematik und Nachhaltigkeitsthemen auch in der Textilindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Die Krise ist vorbei, wie haben Sie die Rezession erlebt, welche Lehren hat Lenzing aus dieser Periode gezogen?

Lenzing hat auf die Krise antizyklisch reagiert. Wir waren uns bewusst, dass Metathemen wie die Binnen-Nachfrage in den Schwellenländern sehr rasch wieder die Oberhand gewinnen werden. Wir haben daher 2009 unsere Kunden auch in schwierigen Zeiten weiter mit Fasern beliefert und sehr konsequent unser Investitionsprogramm  weiter verfolgt. Dadurch waren wir in der Lage, den Aufschwung vom ersten Moment an optimal nutzen zu können. Die Lehren aus der Krise: Sich nicht von kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen in seiner langfristigen Strategie beeinflussen zu lassen.

Die Rohstoffmärkte geraten immer schneller in Bewegung und werden immer weniger kalkulierbar, welche Strategien kann man als Unternehmen dagegen entwickeln?

Die Absicherung der eigenen Rohstoffbasis ist das einzige Mittel gegen diese Trends. Durch den Ausbau seiner Zellstoffkapazitäten verfolgt Lenzing genau diese Strategie.

Sie haben gerade eine intensive Werbekampagne gestartet, ist jetzt die richtige Zeit für Werbung?

Unsere jüngste Werbekampagne war auf den Kapitalmarkt fokussiert. Ziel war aber nicht nur die Bewerbung unseres „Re-IPO“, das zwischen 31. Mai und am 15. Juni erfolgreich abgewickelt wurde, sondern auch die Positionierung von Lenzing als innovatives, nachhaltig orientiertes und erfolgreiches österreichisches Industrieunternehmen.

Wie hat sich Ihr Werbeverhalten geändert, speziell im Bereich neue Medien?

Wir haben für die Online-Werbung ein eigenes Video produziert. Für uns ist Online eine wichtige Ergänzung zu Print. Im Marketing ist Social Media ein topaktuelles Thema – insbesondere in China.

Österreich setzt immer stärker auf Exporte, wie schätzen Sie die Lage des Exportlands Österreich ein?

Österreichs Industrie ist seit Jahrzehnten bereits äußerst erfolgreich im Export. Hätten wir uns nur auf den Binnenmarkt verlassen, wäre Österreich wohl nur mehr ein reines Fremdenverkehrsland. Ein Großteil des wirtschaftlichen Erfolges Österreichs und unseres Wohlstandes haben wir ausschließlich der Exportindustrie zu verdanken. Lenzing beispielsweise weist seit Jahrzehnten eine Exportquote von über 90 Prozent auf.

Was sind die großen Trends in der Textilbranche?

Nachhaltigkeit, Ökologie, Funktionalität.

Wie stellen Sie sich darauf ein?

Wir gestalten genau diese Trends aktiv mit, indem wir die Textilindustrie mit innovativen Ideen zu diesen Themen laufend überraschen.

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