Indien pumpt Milliarden in Textilindustrie

Indische Unternehmen müssen sich gegen Konkurrenz aus Vietnam, Bangladesch und China behaupten. Die Textilindustrie auf dem Subkontinent profitiert indirekt von den Revolutionen in Tunesien und Ägypten.

Die indische Textil- und Bekleidungsindustrie wird ihren Umsatz bis zum Jahr 2020 auf 220 Milliarden US-Dollar verdreifachen, berichtet Germany Trade & Invest. Nach drei eher durchwachsenen Jahren verzeichnete die indische Textilbranche zuletzt ein Umsatzplus von 23 Prozent.

Die indische Textilindustrie ist einer der wichtigsten Teile der Wirtschaft auf dem Subkontinent. Um langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können, müssen die indischen Unternehmen ihre Maschinenparks rasch modernisieren und Kapazitäten ausbauen. Experten der Unternehmensberatung Technopak haben errechnet, dass die Branche in den kommenden zehn Jahren Investitionen in einer Größenordnung von 68 Milliarden US-Dollar tätigen muss, um der Konkurrenz aus Vietnam, Bangladesch und China entgegen treten zu können.

Die Prognosen für die Exporte sind durchgängig positiv. Nach Angaben des Apparel Export Promotion Council (AEPC) dürften die Ausfuhren von Bekleidung im Jahr 2010 um rund drei Prozent auf elf Milliarden US-Dollar zugelegt haben. Im Februar des Jahres 2011 verzeichnete die Branche einen Exportzuwachs von 24 Prozent.

Laut AEPC haben Lohnerhöhungen und Kapazitätsengpässe in der chinesischen Bekleidungsindustrie Absatzchancen für indische Betriebe eröffnet.

In Folge der Aufstände in Tunesien und Ägypten haben viele internationale Einkäufer ihre Strategien korrigiert und größere Aufträge an indische Textil- und Bekleidungsfirmen vergeben.

Indien möchte seinen Anteil am Weltmarkt bis zum Jahr 2020 auf acht Prozent verdoppeln, so die Pläne des Ministry of Textile. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss der Textil- und Bekleidungssektor international wettbewerbsfähiger werden, so die Einschätzung der Confederation of Indian Textile Industry (CITI).

Der Sektor wird in Indien von kleinen und Kleinstbetrieben dominiert, für die es zunehmend schwierig wird, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten. Während in China Textilfabriken mit fünf bis sieben Millionen Spindeln inzwischen die Regel sind, produzieren die rund 1.800 Betriebe des organisierten Sektors auf dem Subkontinent mit durchschnittlich 22.000, die Klein- und Kleinstbetriebe sogar nur mit 3.100 Spindeln.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken, möchte die indische Regierung weitere Industrieparks für die Textil- und Bekleidungsbranche errichten. Inzwischen wurden 40 solcher Einrichtungen im Rahmen des staatlichen Programmes „Scheme for Integrated Textile Parks“ (SITP) genehmigt. Davon haben 17 die Produktion aufgenommen. Es wurde außerdem angekündigt, das Programm auszuweiten und hierfür weitere 312 Millionen US-Dollar bereit zu stellen. Zudem werden zusätzliche Gelder für die Ausbildung von Fachkräften zur Verfügung gestellt. Bis zum Jahr 2015 sollen insgesamt drei Millionen Menschen aus- und weitergebildet werden.

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