Crash droht: Weltbank warnt vor Überhitzung und Inflation

Die Industrieländer leiden noch stark unter den Folgen der Krise. Asien und Lateinamerika droht der Kollaps.

Die Volkswirtschaften der Schwellenländer werden in den kommenden Jahren mehr als doppelt so stark wachsen, wie die der Industrieländer, das berichtet die Weltbank in ihrem Weltwirtschaftsausblick. Gleichzeitig warnten die Weltbank-Analysten vor Inflation und Überhitzung in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Sollten die Preise für Öl- und Nahrungsmittel noch weitersteigen, würde das den Aufschwung der Weltwirtschaft stoppen. Die armen Länder wären davon besonders stark betroffen.

„Viele Entwicklungsländer operieren derzeit oberhalb ihrer Kapazitätsgrenze, und damit besteht das Risiko einer Überhitzung – namentlich in Asien und Lateinamerika“, sagte Hans Timmer, der zuständige Experte der Weltbank vor Journalisten. Zwar habe die Geldpolitik darauf schon reagiert, doch müsse die Fiskal- und Wechselkurspolitik eine stärkere Rolle spielen, um die Inflationsgefahr einzudämmen.

Gefahr für ärmere Länder: Antieg der Lebensmittelpreise

In den Entwicklungsländern erreichte die Jahresteuerung im März eine Rate von fast sieben Prozent. Auch in den Industrieländern habe sie, laut Weltbank, zuletzt auf rund 2,8 Prozent im April 2011 angezogen. Am stärksten sei der Anstieg in Ostasien, im Mittleren Osten und in Nordafrika ausgefallen. Eine besondere Gefahr gerade für die ärmeren Ländern stelle der Anstieg der Nahrungsmittelpreise dar. Die Weltbank forderte die Entwicklungsländer zum Gegenlenken auf.

Zugleich hob die Weltbank ihre Wachstumsprognose für die Entwicklungsländer an. Deren Wirtschaftsleistung werde in den Jahren 2011 bis 2013 um rund 6,3 Prozent pro Jahr zulegen. Im Jahr 2010 wurde ein größeres Plus von 7,3 Prozent gemessen.

Die Industrieländer werden nach Einschätzung der Weltbank im laufenden Jahr um 2,2 Prozent nach 2,7 Prozent im Jahr 2010 zulegen. Für 2012 wird ein Zuwachs von 2,7 Prozent und für 2013 von 2,6 Prozent erwartet.

Japan und Nordafrika haben keine schwerwiegenden Folgen für die Welt-Konjunktur

Die gesamte Weltwirtschaft wird in diesem Jahr um 3,2 Prozent sowie im Jahr 2012 und 2013 um 3,6 Prozent wachsen, sagen die Experten der Weltbank voraus. Die Auswirkungen des Tsunamis und seine Folgen in Japan sowie die politischen Umwälzungen in Nordafrika haben die Wirtschaften der betroffenen Länder zwar kurzzeitig getroffen. Aber die Katastrophen und Ereignisse hätten keine großen weltwirtschaftlichen Folgen nach sich gezogen.

Die wirtschaftlichen Probleme in den aufstrebenden Ländern unterscheiden sich stark von denen der Industrieländern. Die Entwicklungsländer haben die Finanzkrise und ihre Folgen, von denen sie ohnehin weniger direkt betroffen waren, endgültig hinter sich gelassen, schreiben die Weltbanker in ihrer Analyse. Aber die europäischen Industrieländer leiden weiterhin unter den Folgen der Krise. Vor allem im Bankenbereich und bei der Verschuldung der öffentlichen Haushalte müssen noch viele Hürden aus dem Weg geräumt werden.

Für das Entwicklungsland Südsudan will die Weltbank einen Fonds über 75 Millionen Dollar zur Unterstützung einrichten, melden Nachrichtenagenturen. Mit den Geldern sollen die Gesundheitsfürsorge, die Infrastruktur und der Arbeitsmarkt gefördert werden. Der jüngste Staat Afrikas will am 9. Juli dieses Jahres seine Unabhängigkeit erklären. Bei einer Volksabstimmung zu Beginn des Jahres hatten fast 99 Prozent der Südsudanesen für die Loslösung vom Norden des Landes gestimmt.

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