Deutlich weniger Aufträge für die deutsche Industrie

Das Wachstum der deutschen Industrie verlangsamte sich markant und fiel so schwach aus wie zuletzt im September 2010. Die Abkühlung steht im Zusammenhang mit dem deutlich verringerten Zuwachs an Neu- und Folgeaufträgen.

Der entsprechende Gesamt-Index von Markit wies das niedrigste Plus seit Juli des Jahres 2009 aus, das Auslandsneugeschäft fiel sogar so schwach aus wie nie seit Beginn der anziehenden Exportbestellungen im Oktober des Jahres 2009. In Folge nahmen auch die Auftragsbestände und die Einkaufsmenge in der Industrie langsamer zu, und die Bestände an Fertigwaren sanken zum zweiten Mal hintereinander. Die durchschnittlichen Lieferzeiten verlängerten sich in so geringem Ausmaß wie zuletzt im Januar des Jahres 2010. Weiteres Zeichen für einen Abwärtstrend: In der Industrie wurden weniger neue Stellen geschaffen als in den zurückliegenden fünf Monaten, berichtet Markit.

Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert: „Die markante Abkühlung in der Industrie hat die deutliche Wachstumsbeschleunigung im Servicesektor im Juni in den Schatten gestellt. Die Industrieproduktion fiel so gedämpft aus wie zuletzt während der kleinen Delle im Herbst 2010, was in direktem Zusammenhang mit den spürbar nachlassenden Exportbestellungen stand. Insgesamt hat die globale Konjunktur an Fahrt verloren, was jedoch den Vorteil hatte, dass es bei den Lieferzeiten zur deutlichsten Entspannung seit Januar 2010 gekommen ist.”

Entgegen der negativen Entwicklung im Industriesektor legte der Servicesektors zu. Das belegt der Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion, der binnen Monatsfrist 0.2 Zähler auf 57.3 kletterte und damit den 23. Monat in Folge Wachstum signalisiert. Der Langzeit-Durchschnittswert liegt bei 53.3 Punkten.

Die hervorragende Servicekonjunktur begünstigte im Juni die aggregierten Daten zum Auftragseingang und zum Beschäftigungswachstum in Deutschland gleichermaßen. So verbuchte die Privatwirtschaft abermals ein hohes Plus an Neu- und Folgeaufträgen, wenngleich der entsprechende Index tiefer notierte als in den letzten sieben Monaten. Der Jobaufbau fiel insgesamt wieder stärker aus als im April und Mai, hauptsächlich wegen des höchsten Zuwachses bei den Dienstleistern seit Oktober 2007.

Der Anstieg der Einkaufspreise blieb auf dem 6-Monatstief von Mai, doch auch dahinter verbergen sich auseinanderlaufende Trends in den beiden Sektoren. Während der Preisauftrieb in der Industrie so schwach war wie zuletzt im Oktober 2010, legten die Kosten im Servicesektor wieder stärker zu als in den beiden Vormonaten. Preistreibend wirkten sich im Juni vor allem die Verteuerung von Energie und Kraftstoffen aus.

Um die gestiegenen Kosten wenigstens teilweise wieder wettzumachen, wurden die Verkaufs- bzw. Angebotspreise in den beiden Sektoren kräftiger angehoben als im Mai. Die Industriefirmen setzten ihre Verkaufspreise sogar mit der zweithöchsten Rate seit Beginn der Erhebung dieser Daten im September 2002 nach oben.

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