Griechenland: Neue Hilfs-Milliarden verzögern notwendige Insolvenz

Es ist keine Frage mehr, ob Griechenland zahlungsunfähig ist. Das wird von führenden Ökonomen längst mit ja beantwortet. Die Bemühungen der Politik, Griechenland mit immer neuen Steuer-Milliarden helfen zu wollen, stehen einem Neuanfang durch Insolvenz im Weg.

„Es traut sich nur niemand laut zu sagen“, diesen Satz liest und hört man in diesen Tagen ständig, wenn es um die drohende Pleite Griechenlands geht. Dazu passt die Einschätzung von Hans-Werner Sinn, dem Präsidentes des ifo – Instituts für Wirtschaftsforschung: „Machen wir uns nichts vor. Die Katastrophe ist da, Griechenland ist pleite – nichts anderes bedeutet diese Abstufung. Je eher man das akzeptiert, desto eher wird man eine Lösung finden“, sagte er in einem Interview mit derStandard.at.

Alle führenden Ratingagenturen degradierten Griechenland auf die untersten Stufen der Kreditwürdigkeit. Die Analysten der Agenturen gehen eindeutig davon aus, dass Griechenland keinen Zahlungsverpflichtungen mehr nachkommen kann. Auch eine freiwillige Umschuldung wird von den Rating-Profis als Pleite gewertet.

Warnung vor weiterer Griechenland-Hilfe

Schon vor Wochen meinte der FDP-Finanzexpeerte Frank Schäffler, dass Griechenland längst insolvent sei. „Dennoch hat man nicht den Mut, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen“, sagte Schäffler dem Handelsblatt online. Schäffler warnt vor weiteren Hilfsmilliarden für den Mittelmeer-Staat.

Die Frage stellt sich, was die Politik eigentlich mit den Manövern rund um neue Hilfsmilliarden, die Griechenland wieder zahlungsfähig machen sollen, bezweckt? Laut vieler Ökonomen müsste Griechenland schnell eine Art Schulden-Moratorium erklären, um größeren Schaden von der Eurozone abzuhalten. Es müsste deutlich gemacht werden, dass Gläubiger nur wenig Geld zurückbekommen – wenn überhaupt.

Die Zeit drängt. Der Chef der US-Notenbank (Fed), Ben Bernanke, warnte vor den Folgen einer Pleite Griechenlands. Sollte die Rettung Griechenlands scheitern, sei auch das globale Finanzsystem bedroht. Der designierte Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zog bereits Vergleiche zwischen Griechenland und Lehman und sagte laut Nachrichtenagenturen: „Wir möchten diese Erfahrung nicht wiederholen.“

Christoph Morisse

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