EZB: Kein Kompromiss sondern Draghi

Mario Draghi ist am Freitag als EZB-Präsident bekanntgegeben worden, eigentlich hätte die Bekanntgabe schon am Donnerstag erfolgen sollen. Wie so oft verzögerte ein Streit um nationale Interessen die notwendige Personalbesetzung. Doch am Ende setzte sich dieses Mal der beste Kandidat durch.

Mario Draghi gilt weder als Anhänger einer harten Währungspolitik, noch als jemand, der die Zügel schleifen lässt. Der stille Italiener scheut nicht den Kompromiss, kann aber auch hart durchgreifen, wenn es die Lage erfordert. The Economist analysierte die Qualifikation aller möglichen Kandidaten für Posten des EZB-Präsidenten. Das Ergebnis war eindeutig, würde man alle vergleichen, es würde in ihrer Mitte nur einer herausragen, Mario Draghi. Niemand sonst hätte eine so umfassende Erfahrung wie der gebürtige Römer. Er studierte in Rom und Bosten, arbeitete für die Weltbank, hatte einen Lehrstuhl in Florenz inne, war Vize-Präsident von Goldman Sachs in London und ist seit 2005 Präsident der Italienischen Nationalbank.

Seinen derzeitigen Job wird er allerdings frühzeitig abgeben. Ab 1. November wird er der Europäischen Zentralbank vorstehen. Die Verkündung, die bereits am Donnerstag hätte erfolgen sollen, wurde durch einen Streit Zwischen Italien und Frankreich verzögert. Nach dem Ausscheiden Trichets als Präsident wäre Frankreich nicht mehr im Direktorium der EZB vertreten gewesen. Italien hätte zwei Posten besetzt. Italiens derzeitiger Vertreter Bini Smaghi tritt nun doch freiwillig Ende des Jahres zurück. Damit ist der Weg für Draghi endgültig frei.

Verkündung über Twitter

Der Präsident des Europäischen Rats, Herman Van Rompuy gab die Bestellung über Twitter bekannt. „The European Council has just agreed on the appointment of Mario Draghi as new President of the European Central Bank“, schrieb Van Rompuy Freitagmittag.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.