USA: Obama muss Insolvenz schnell abwehren

Deutsche sehen in der ernsten Lage des US-Staatshaushaltes eine Gefahr für ihre Unternehmen. Schon bald könnten die USA Griechenland als Sorgenkind ablösen.

Schon ein Fünftel der deutschen Top-Manager sehen die wirtschaftliche und politische Entwicklung in den USA als eines der größten Risiken für die deutsche Wirtschaft an. Auf den ersten drei Plätzen der Risiken für deutsche Unternehmen kommen zwar die Antworten “Instabile Finanzmärkte”, “Unsichere Energieversorgung” und “Fachkräftemangel”. Aber schon auf Platz sechs sind die Sorgen um die US-Wirtschaft vorzufinden – noch vor der Furcht vor der Verknappung der weltweiten Ressourcen. Das sind Kernergebnisse einer LAB & Company-Umfrage unter deutschen Top-Managern.

Das Interesse der Öffentlichkeit ist momentan auf die Eurokrise mit dem Fokus Griechenland gerichtet. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass die politische und wirtschaftliche Entwicklung der USA die Sorgen um Griechenland schlagartig ablösen kann, wenn US-Präsident Barack Obama es nicht in Kürze schafft, einen tragfähigen Plan für den Schuldenabbau vorzulegen.

IWF und Rating-Agenturen warnen

Die Warnungen in Richtung US-Politik gewinnen an Dringlichkeit: Der IWF rät zu einer schnellen Anhebung der Verschuldungsobergrenze per Gesetz. Die IWF-Ökonomen sehen die Gefahr eines zeitnahen Schocks für die US-Wirtschaft, der ein Erdbeben auf den globalen Finanzmärkten zur Folge hätte. Zuerst würden – wenn sich die US-Politiker nicht über Sparmaßnahmen und Verschuldungsgrenzen einigen – die Zinsen plötzlich steigen und Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA herabstufen.

Die Ratingagentur S&P hat angekündigt, dass sie ihr USA-Rating radikal von AAA auf D absenken würde. Die Note werde im Falle einer Zahlungsunfähigkeit ohne Zeitaufschub nach unten verändert. S&P hatte schon im April dieses Jahr davor gewarnt, dass die USA ihre Top-Bonitätsnote „AAA“ verlieren könnte. Trotz der Drohung sagte S&P-Geschäftsführer John Chambers der Nachrichtenagentur Reuters, dass eine Zahlungsunfähigkeit der USA „extrem unwahrscheinlich“ sei.

Situation besser als letztes Jahr

Im Mai dieses Jahres hatten die Staaten die gesetzlich festgelegte Schuldengrenze erreicht. Die USA dürfen demnach kein Geld mehr an den Finanzmärkten aufnehmen. Das US-Finanzministerium erklärte, dass es nur noch bis Anfang August genügend Geld habe, um laufende Verbindlichkeiten zu bezahlen.

Die UBS schlägt in ihrem Ausblick für die Weltwirtschaft optimistischere Töne an und lenkt den Blick auf die gute Wirtschaftskraft der USA. UBS-Analysten vergleichen die Situation der USA in diesem Sommer mit der im vorherigen. Damals gab es, nach Meinung der UBS-Banker, mehr Gründe für Sorgen um einen Double-Dip in den USA.

So seien die Märkte zwar enttäuscht, dass das US-Wachstum im ersten Quartal dieses Jahres nur auf 1,8 Prozent kam – zum Vergleich: in Deutschland waren es sechs Prozent – und pessimistische Analysten sagen sogar ein noch schlechteres US-Wachstum im zweiten Quartal voraus. Aber die UBS ist sich sicher, dass die niedrigen Wachstumsraten in der jetzigen Schuldenmisere der USA eine normale Entwicklung darstellen.

USA müssen sich erholen

Die Schweizer Banker sagen ihren Anlegern voraus, dass das US-Wachstum der letzten Dekaden in den nächsten Jahren nicht mehr erreicht werden wird. Die Staaten brauchen Zeit, um die Staatsschulden in den Griff zu bekommen.

Laut den USA-Experten der UBS gibt es Signale, die auf ein solide wirtschaftliche Entwicklung der USA in der nächsten Zeit hindeuten: Dazu gehört das positive Wachstum der Kredite für US-Gewerbe- und Industriebetriebe, eine bessere Beschäftigungslage, die gute Stimmung in den Etagen der Führungskräfte und das Vierjahreshoch der Unternehmensgewinne.

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