Keine Verschnaufpause für den Euro

Experten mahnen, die Griechenland-Krise muss nachhaltig gelöst werden. Doch es gibt mehrere verschiedene Ansätze, wie das bewerkstelligt werden soll.

Finanzexperten fordern dringend Maßnahmen und Strategien in der Eurozone, um die derzeitige Krise meistern zu können. An eine Rettung Griechenlands glaubt niemand. Der Wirtschaftsmagnat George Soros sagte bei einer Diskussion in Wien, die europäische Politik habe Schuld an der Krise, weil für einen Fall wie Griechenland keine Vorkehrungen getroffen wurden. Es sei nun endlich Zeit, Entscheidungen zu treffen, anstatt am Status Quo festzuhalten, sonst drohe ein Kollaps des gesamten Wirtschaftssystems. Hier fordert er ein stärkeres Engagement der Bürger, sie sollten die Politik endlich zu Lösungen zwingen.

Schuldenerlass, Staatsbankrott oder Bürgschaft?

Der ehemalige deutsche Bundesbankdirektor Axel Weber fordert in einem Wall Street Journal Interview ebenfalls dringend Entscheidungen der Politik ein. Die derzeitigen Maßnahmen würden nur Geld kosten und keiner Strategie folgen. Die unklare Linie, mit der Europa auf die Krise in Griechenland reagiert, schade den Griechen mehr als sie ihnen helfe. Er sieht für Griechenland drei Möglichkeiten: Einen Schuldenerlass, einen Staatsbankrott oder eine umfassende Bürgschaft für griechische Staatsschulden. Sowohl Schuldenerlass als auch Staatsbankrott hätten allerdings unabsehbare Folgen für die anderen Krisenländer in der Eurozone.

Bei einem unkontrollierten Schuldenerlass bestehe eine Ansteckungsgefahr auf andere Länder, die das europäische Bankensystem stark belasten würde, meint Lars P. Feld, Mitglied des Sachverständigenrats der deutschen Bundesregierung im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.  An irgendeiner Form der Umschuldung werde Griechenland aber nicht vorbeikommen. „Griechenland wird es nicht aus eigener Kraft schaffen, den Schuldenberg abzutragen. Dazu sind die Verschuldung und die Zinsbelastung zu hoch”, sagt Feld. Komme es zu einer kontrollierten und kooperativen Umschuldung, hätte Griechenland eine höhere Chance die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen.

Derzeit profitieren Hedgefonds und Banken

„Griechenland hat weder ökonomisch noch politisch die Möglichkeit, sich zu sanieren“, sagt Stefan Homburg, Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Universität Hannover, in einem Spiegel-Interview. Nur eine Insolvenz des maroden Staates wäre sinnvoll, denn derzeit würden die Helfer nur gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen. Von den derzeitigen Hilfszahlungen würden nur Banken und Hedgefonds profitieren, weil diese hohe Zinserträge aus besicherten Staatspapieren erhalten. Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit durch die EU und den IWF werde, laut Homburg, die Profiteure nur dazu animieren, neue Krisen auszulösen.

Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit könnte doch Sinn haben, sagt Valentin Hofstätter, Anleihen-Experte der Raiffeisen Bank International (RBI), in einem Gespräch mit  APA-Journalisten. Die erkaufte Zeit habe zwar für Griechenland keinen Sinn, weil eine Umschuldung unausweichlich sei. Ein Zeitgewinn wäre jedoch für andere Euro-Staaten sinnvoll. Für Irland und Portugal bleibe auf diese Weise Zeit, ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Entsprechend dem internationalen Hilfsplan, sollten sich beide Länder bis zum Herbst des Jahres 2012 ohne Hilfszahlungen wieder auf den Kapitalmarkt refinanzieren können. Das hält der Experte für unrealistisch, frühestens im Jahr 2013 könnten die beiden Länder wieder auf ihren eigenen Beinen stehen. Diese Ziele seien natürlich nur zu erreichen, wenn Europa nicht in eine neue Rezession rutschen sollte.

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