Führungskräfte kritisieren sich selbst

Einer Studie zufolge schätzen sich Führungskräfte selbst als "schwach" ein. Doch Experten sind sich nicht ganz einig, wie Manager in Deutschland zu bewerten sind.

Antworten auf die Frage nach dem Befinden der Führungskräfte sollten klare Zeichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sein. Aber Management-Experten sind sich nicht einig. So berichten die Führungskräfte-Spezialisten von Development Dimensions International (DDI) von einem „besorgniserregenden Bild von der Führungskompetenz in Unternehmen“. Laut DDI würden sich die Top-Manager selbst als „schwach“ einschätzen. DDI stützt sich auf eine eigene große weltweite Umfrage unter Führungskräften aus verschiedenen Branchen.

Kritik an Strategie und Kompetenz

Ganz anders beschreibt der Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA) die Befindlichkeit der Manager in Deutschland: „Zwar wird immer wieder Kritik laut, gerade in Sachen Führungsstrategie und Führungskompetenz, jedoch keineswegs flächendeckend“, meint Gerhard Kronisch, Hauptgeschäftsführer des VAA im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des Berufsverbandes „Die Führungskräfte“, verweist auf die herausragende Leistung der Top-Manager während der Krise. „Deutschlands Führungskräfte können so schlecht nicht sein. Immerhin haben sie in den Zeiten der Wirtschaftskrise bewiesen, was in ihnen steckt. Sie haben hervorragendes geleistet und die Unternehmen und damit unser Land aus der Krise herausgeführt. Mit Führungskräften, die ihr Geschäft nicht verstehen, wäre das sicher nicht gelungen“, sagte Goldschmidt im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„Stille Genugtuung“

VAA-Geschäftsführer Kronisch stößt ins selbe Horn und berichtet von Freude und Anerkennung über das Geleistete: „Insgesamt überwiegt bei den Führungskräften der Stolz auf die gemeinsame Bewältigung der Krise. Mittlerweile hat die Chemie in Sachen Produktionsauslastung bereits das Vorkrisenniveau übertroffen. Stille Genugtuung über die geleistete Arbeit überwiegt bei den Führungskräften.“

Wolfgang Doerfler, Geschäftsführer DDI Deutschland GmbH, verteidigt die Ergebnisse seines DDI-„Global Leadership Forecast“ im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Die Ergebnisse unserer Studie basieren auf globalen Daten, wobei Deutschland insgesamt nur einen geringen Anteil ausmacht. Wir beziehen uns mit unserer Studie auch nicht auf spezielle Branchen, somit sind unsere Ergebnisse eher breit ausgelegt. Interessanterweise liegen jedoch unsere aktuelle Global-Leadership-Forecast-Studie und die Befindlichkeitsstudie des Führungskräfteverbandes Chemie VAA bezüglich der Bewertung der Führungskräfteentwicklung sehr nah beieinander.“

Demnach würden laut DDI-Studie nur 35 Prozent der Führungskräfte die Führungskräfteentwicklung in ihren Unternehmen als „gut“ oder „sehr gut“ bezeichnen, erklärt Doerfler das Zustandekommen des DDI-Studienergebnisses. Ein großer Teil der Befragten (40 Prozent) urteile mit einem „Mittelmäßig“.

„,Ungenügend´, das wären in unserer Studie wohl die Antwortmöglichkeiten „schlecht“ und „sehr schlecht“, finden insgesamt 25 Prozent die Entwicklung der Führungskräfte im eigenen Haus. Umgerechnet in ein Notensystem von 1-5 ergibt sich somit für unsere Studie eine Durchschnittsnote von 2,91. Da die Studie des Verbands der Führungskräfte in der chemischen Industrie in einem sechsstufigen Notensystem eine Durchschnittsnote von 3,3 aufweist, scheinen mir unsere Ergebnisse sehr nah beieinander zu liegen“, meint Doerfler.

Christoph Morisse

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