Versicherer kämpfen gegen zu viel EU-Bürokratie

Die Reformierung der EU-Regeln für Versicherer bringt viel Mehraufwand mit sich. Versicherer wünschen sich deshalb weniger Bürokratie auch nach Solvency II.

Die Versicherungsbranche befindet sich nach der Krise im Umbruch. Einerseits bescheinigen Stresstests, dass die Versicherer „robust“ sind. Auf der anderen Seite ist noch ungewiss, ob vor allem kleine und mittlere Versicherungsunternehmen die geplanten neuen EU-Regeln (Solvency II) erfüllen können.

Eine Studie der Unternehmensberatung Bain stellt fest, dass deutsche und britische Versicherungsunternehmen schlecht auf die geplante EU-Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa (Solvency II) vorbereitet sind. Demnach fallen besonders deutsche Lebensversicherer auf, weil ihre Solvenzquoten zu gering sind. Das würde bedeuten, dass viele Versicherungsunternehmen bis zur Einführung von Solvency II (anvisierter Einführungstermin: Anfang des Jahres 2013) nacharbeiten müssten. Viele werden aber nicht genug Kapital auftreiben können, meinen Branchenkenner.

Rentenversicherungen machen Probleme

Grund für das schlechte Ergebnis der deutschen und britischen Versicherer ist, laut Bain-Experten, der hohe Anteil von Rentenversicherungen mit langen Laufzeiten. So ist jede vierte deutsche Lebensversicherung als Rentenversicherung ausgestaltet. Anders sieht das in Frankreich und Italien aus. Hier beträgt der Anteil von Lebensversicherungen als Rentenversicherung weniger als zehn Prozent.

Die Schlussfolgerung von Bain: Deutsche und britische Lebensversicherungen mit langen Laufzeiten und hoher Garantie-Verzinsung müssen für Solvency II mit einer höheren Kapitaldeckung ausgestattet werden. Hier stellen die zu geringen Solvenzquoten vor allem kleine und mittelständische  Versicherungsunternehmen vor Probleme.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht die Bain-Studie kritisch. Laut GDV basiere die Studie auf den Daten des Probelaufs zu Solvency II im vergangen Jahr. Hier wurde bereits festgestellt, dass das Gesetzespaket verbessert werden müsse. Insofern sei die Bain-Studie veraltet, weil schon längst an neuen Vorschlägen zu Solvency II gearbeitet würde. Es würde sich abzeichnen, das das Ergebnis, „dass deutsche Lebensversicherer unter Solvency II einen deutlichen Kapitalbedarf haben werden, nicht mehr zutreffend sein wird“, so GDV-Vertreter im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Solvency II bringt viel Aufwand mit sich

Der GDV fordert vor allem, dass „die zwischenzeitlich erreichte Komplexität des Regelwerks Solvency II  auf ein beherrschbares Maß zurückgefahren wird.“ Das derzeit vorgesehene Regelwerk würde vor allem kleine und mittlere Versicherer stark belasten. Insbesondere die „ausufernden“ Berichtspflichten seien von den Unternehmen kaum zu erfüllen. Als Beispiel führen die GDV-Experten die Berichterstattung an. So wären die Versicherer zurzeit – wenn nicht nachgebessert werden würde – „zu einer vollständigen, vierteljährlichen Berichterstattung verpflichtet – unabhängig davon, ob sich bei ihnen die Rahmenbedingungen von Quartal zu Quartal überhaupt verändern.“ Der Aufwand würde sich nicht lohnen. Zum Beispiel würde eine vierteljährliche Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen für die Aufsichtsbehörden zu keinem wesentlichen Erkenntnisgewinn führen. Rückstellungen werden vor allem bei kleineren Unternehmen über einen Zeitraum von mehreren Jahren geplant.

Niemand bezweifelt aber, dass die Aufsichtsregeln strenger werden müssen, um neue Krisen zu verhindern. Das belegt, der in Branchenkreisen als „zu lasch“ bezeichnete, Stresstest der europäischen Aufsicht über Versicherungen und die betriebliche Altersvorsorge (Eiopa). Dabei ist jede zehnte Versicherung durchgefallen. Bei einem Einbruch der Wirtschaft hätten sie, die ab dem Jahr 2013 voraussichtlich geltenden, verschärften Eigenkapitalanforderungen verfehlt.

Christoph Morisse

Kommentare

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  1. R. Fischer sagt:

    Däd scho au saga.

  2. R. Fischer sagt:

    Däd scho au saga.

  3. R. Fischer sagt:

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  4. R. Fischer sagt:

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