Volkswirtschaften in Schwellenländern gefährdet

Unter bestimmten Vorraussetzungen können Volkswirtschaften überhitzen. Besonders Schwellenländer sind gefährdet.

Der Economist hat einen Index zur Messung der Überhitzungsgefahr einer Volkswirtschaft eingeführt. Sechs Indikatoren messen das Gefahrenpotenzial einer bevorstehenden Rezession.
Ein exzessives Kreditwachstum ist eines der signifikantesten Anzeichen einer Überhitzung. Denn das Kreditwachstum kann sowohl zu einer Blasenbildung führen als auch zu einer hohen Inflation. Zur Messung wird die Differenz aus dem Wachstum der Bankkredite und des BIPs errechnet. Die errechneten Werte für Argentinien, Brasilien, Hongkong und die Türkei sind alarmierend. Das Kreditwachstum in Russland, Südafrika, Ägypten oder Chile liegt dagegen unter dem BIP-Wachstum.

Hohe Zinsen, keine Überhitzung

Niedrige Zinsen beziehungsweise sogar eine negative Realverzinsung führen zu verstärktem Kreditwachstum und Inflation. In mehr als der Hälfte der Schwellenländer ist die Realverzinsung negativ, dazu zählen Argentinien, Indien und Hongkong. In China liegen die Zinsen im leicht positiven Bereich, allerdings kam es hier sogar zu Engpässen bei der Finanzierung. In Brasilien liegen die Zinsen derzeit bei sechs Prozent, was die Gefahr der Überhitzung abschwächt.

Die Inflation in Argentinien und Vietnam liegt aktuell über 20 Prozent und damit dreimal höher als der Durchschnitt der Schwellenländer. Auch in Indien ist die Inflation mit acht Prozent besorgniserregend. Brasilien liegt mit 5,5 Prozent zwar hoch aber unter dem Durchschnitt. In China, das oft in Zusammenhang mit einer Überhitzung genannt wird, liegt sie lediglich bei 2,4 Prozent (ohne Lebensmittel und Energie).

 

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit dem Jahr 2007 im Vergleich zu den zehn Jahren davor, wird als zweites Überhitzungsmerkmal gewertet. China, Russland und europäische Schwellenländer zeigen hier ein gesundes Wachstum. Argentinien, Brasilien, Indien und Indonesien liegen deutlich über dem Wachstum der Vergangenheit.

Arbeitskräfte und Handelsbilanz

Niedrige Arbeitslosigkeit beziehungsweise Arbeitskräftemangel sind ein dritter Indikator für eine zu schnell wachsende Wirtschaft. In Brasilien beschleunigt ein Beschäftigungsrekord, im Zusammenspiel mit steigenden Löhnen, diesen Trend. Auch in Argentinien, Indonesien und Hongkong ist die Arbeitslosenrate deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Eine wachsende Verschlechterung der Handelsbilanz ist der letzte Indikator des Überhitzungsindex. Dieser Wert weißt darauf hin, dass die Binnennachfrage schneller wächst als Inlandsproduktion. Das Handelsbilanzdefizit in Brasilien und Indien deutet auf zu schnell wachsende Nachfrage hin. In der Türkei stieg das Defizit innerhalb eines Jahres von zwei auf acht Prozent.

China gehört nicht zu den akut gefährdeten Ländern. Schwellenländer in Europa sowie Russland, Mexico oder Südafrika weisen ein gesundes Wachstum auf, für diese Volkswirtschaft besteht, laut Economist-Analyse, kaum Gefahr. Die wirklich gefährdeten Länder sind Vietnam, Türkei, Indonesien, Indien, Hongkong, Brasilien und vor allem Argentinien. Die Argentinier sind Spitzenreiter und erreichen einen Wert von Hundert, was maximales Risiko bedeutet.

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