FIMA: „Wir haben auch in Krisenzeiten weiter investiert“

Stephan Jakob, Geschäftsführer der FIMA Maschinenbau GmbH, verrät, wie seine Firma es geschafft hat, auch in den Jahren der Krise weiter zu investieren, wie seine Investitionspläne für die nahe Zukunft aussehen und wie er der Konkurrenz aus den Schwellenländern trotzen will.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: FIMA bezeichnet sich selbst als „Weltmarktführer bei explosionsgeschützten Ventilatoren für Zone 0 und Radialverdichter für kleine Fördermengen“. Können Sie den Lesern der Deutschen Mittelstands Nachrichten bitte in zwei Sätzen erklären, um was es hier genau geht?

Stephan Jakob: Explosionsgeschützte Ventilatoren für Zone 0 werden für die Förderung ständig explosiver Medien eingesetzt, also beispielsweise bei der Tankabsaugung in Tanklagern oder bei Abgasanlagen in pharmazeutischen Betrieben, die häufig explosive Medien, wie Aceton oder ähnliches einsetzen. Verdichter für kleine Fördermengen befinden sich oftmals in Polymeranlagen oder in Raffinerien, die einen Teil des Abgases wieder dem Prozess zuführen.

FIMA hat ihren Stammsitz in der 5.000 Einwohner-Gemeinde Obersontheim in Schwäbisch Hall. Was spricht Ihrer Meinung nach für und was spricht gegen eine ländliche Lage als Industriebetrieb?

Um genauer zu sein, befindet sich die FIMA in dem 250-Seelen-Ort Oberfischach, der inzwischen zur Gemeinde Obersontheim gehört. Für diesen Standort sprechen die Historie und der günstige Raum für baumaßnahmliche Erweiterungen. Gegen den ländlichen Standort sprechen die zunehmende Problematik der Mitarbeitergewinnung, aber auch einfach Dinge, wie beispielsweise die Internetanbindung oder die Anbindung unseres Prüffelds an ein Hochleistungsstromnetz.

FIMA wird seit dem Jahr 2002 vom Private-Equity-Haus Schaeff Beteiligungen & Management GmbH geleitet, Alexander Schaeff selbst ist einer der Geschäftsführer von FIMA. Was waren die Beweggründe für den damaligen Unternehmensverkauf? Was hat sich geändert, seitdem FIMA von einem institutionellen Investor geführt wird?

2002 geriet die FIMA in finanzielle Schwierigkeiten, was letztendlich der Grund für die damalige Übernahme durch die Schaeff Beteiligungs & Management GmbH und der Südkapital, einer Tochter der LBBW, war. Seit 2005 gehört die FIMA zu 100 Prozent zur Schaeff Beteiligungs & Management GmbH. Die Veränderungen sind sehr positiv und durch flexible und schnelle Entscheidungswege gekennzeichnet.

Die Private Equity-Branche hat sich nach der Krise gut erholt und wächst wieder stark. Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile und was die Nachteile, wenn man sich als Mittelständler einen Investor ins Haus holt?

Mit der Schaeff Beteiligungs & Management GmbH betrachten wir uns als inhabergeführtes Familienunternehmen. Somit kann diese Frage nicht beantwortet werden.

Im Jahr 2005 hat FIMA 50 Prozent an der Heikel AG übernommen, im Krisenjahr 2008 haben Sie die Anteile an der Heinkel Process Technology GmbH veräußert. Was waren Ihre Beweggründe? Können Sie den Deutschen Mittelstands Nachrichten erklären, inwieweit die Transaktion ein Erfolg für FIMA war?

Die Übernahme der Heinkel Process Technology war strategischer Natur und zielte auf unseren Bereich Verfahrenstechnik. Wir gingen davon aus, uns damit einen besseren Zugang zur Pharmaindustrie für den Verkauf von unseren Zentrifugentrocknern und Bodenventilen schaffen zu können. Leider ist dies nicht gelungen, da Heinkel selbst direkte Wettbewerbsprodukte fertigte und diese vornehmlich am Markt platzierte. Der verlustfreie Verkauf in 2008 war dann nur die logische Konsequenz.

FIMA exportiert 80 Prozent der Produkte. Seit dem Jahr 2004 ist Ihr Unternehmen mit einem eigenen Standort in Shanghai auch in China vertreten und arbeitet mit internationalen Distributionspartnern. Gibt es Ihrer Meinung nach sprachliche und kulturelle Herausforderungen? Wie meistert FIMA diese Unterschiede?

Natürlich hat jedes Land seine sprachlichen und kulturellen Herausforderungen. Wir meistern diese, indem wir in unseren Niederlassungen einheimische Mitarbeiter beschäftigen, die mit den Gegebenheiten vor Ort bestens vertraut sind. Diese Mitarbeiter werden bei FIMA über mehrere Monate ausgebildet. Bei unseren eigenen Mitarbeitern hier in Oberfischach schulen wir intensiv Englisch, um die Kommunikation zu optimieren.

Der Maschinenbau ist nach der Krise auf Erholungskurs. Aber noch wird mit angezogener Handbremse investiert. Wie sehen Ihre Investitionspläne aus?

FIMA hat auch in den Krisenjahren nicht aufgehört zu investieren. Nach dem Ausbau des Radbaus wurde in 2008 ein modernes Prüffeld gebaut, um den Kundenanforderungen im Verdichterbereich gerecht zu werden. Zurzeit investieren wir in den Ausbau und der Erweiterung unserer Büroräume, sowie punktuell in die Optimierung der Fertigung.

Inwieweit haben die westlichen Maschinenbauer gegenüber der Konkurrenz aus den Schwellenländern langfristig eine Chance? Wie sieht Ihr Plan aus?

Indem wir uns weiterhin den technischen und qualitativen Vorsprung erhalten. Diesbezüglich haben wir unsere Entwicklungsabteilung stark aufgestockt und sind ständig bemüht unsere Produkte zu optimieren. Außerdem ziehen wir in interessanten Märkten den Aufbau einer eigenen Fertigung in Betracht.

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