Spanien muss auf Reformkurs bleiben

Wie lange hält Spanien in der Euro Schuldenkrise noch durch? Die Signale, dass das Euro-Land nicht mehr lange Kredit haben wird, häufen sich. Beunruhigender ist, dass sich viele Analysten großer deutscher Banken jetzt nicht zu den Aussichten Spaniens äußern möchten.

Banksprecher baten die Deutschen Mittelstands Nachrichten um Verständnis, dass sie sich aufgrund der anhaltenden Marktturbulenzen nicht zu Spaniens Kreditwürdigkeit äußern möchten. Nur Dirk Schlotböller, Konjunkturexperte der DIHK, wagte eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Spaniens. Schlotböller zeigte die verschiedenen Faktoren auf, die Spanien in Bedrängnis bringen würden.

Nach Schlotböller gibt es drei Gründe für den immer größeren Vertrauensverlust der Finanzmärkte hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit Spaniens: Zum einen leide der industrielle Kern der spanischen Wirtschaft unter Wettbewerbsproblemen. Zweitens habe die Kopplung der Lohnentwicklung an die Verbraucherpreise die Löhne nach oben getrieben, was die internationale Konkurrenzfähigkeit verschlechtert. Drittes Problem: Spanien leide unter einer geplatzten Immobilienblase, die von niedrigen Zinsen herrührt.

Angesichts des Bündels an Problemen stellt sich die Frage nach Lösungen. Der DIHK-Experte ist optimistisch: „Die jüngsten Reformen sind sinnvoll, wirken aber erst allmählich. Das vor der Krise hochdefizitäre Leistungsbilanzdefizit ist inzwischen schon deutlich zusammengeschmolzen“, sagte Dirk Schlotböller im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Spanien kann eine Insolvenz aus eigenen Kräften abwehren

Schlotböller unterstreicht seine positive Einschätzung. Der spanische Reformkurs helfe, aus der fatalen Wettbewerbsschwäche herauszufinden. „Mit der Arbeitsmarktflexibilisierung werden alte Strukturen aufgebrochen. Die spanische Wirtschaft wächst seit einem Jahr zumindest langsam. Die Staatsverschuldung ist mit gut 60% sogar noch immer niedriger als die deutsche. Wenn Spanien den Spar- und Reformkurs beibehält, sind die Aussichten gut, sich selbst aus der Krise zu kämpfen“, sagte Schlotböller.

Unterdessen scheint es so, als wolle Spaniens Finanzministerin Elena Salgado von den Problemen Spaniens ablenken. Es habe nichts mit Spanien oder Italien zu tun, dass die Risikoprämien für spanische und italienische Anleihen gestiegen seien, sagte Salgado in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „In keinem der beiden Länder war etwas passiert“, wird sie zitiert. Salgado schiebt die Schuld auf die volatilen Märkte und den Fall Griechenland. Die Ministerin betonte aber, dass eine Insolvenz Griechenlands unbedingt zu vermeiden sei. Dahinter könnte die Sorge stehen, dass Spanien im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands im Sog der Euro-Schuldenkrise mit gerissen werden könnte. Salgado kritisierte im SZ-Interview zudem die deutsche Regierung. Deutschland habe keine klare Haltung und die von den Deutschen geforderte Beteiligung des Privatsektors sei eine schlechte Idee.

Christoph Morisse

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