Maschinen aus Deutschland in Russland ein Verkaufsschlager

Firmen in Russland investieren ihre Gewinne aus dem Handel mit Rohstoffen in Modernisierung. Vor allem Maschinen aus Deutschland sind dabei gefragt. Nun soll ein Fonds geschaffen werden, der diese Beziehung stärken soll.

In Russland bieten sich zurzeit außerordentlich gute Chancen für exportorientierte Mittelständler. Aber der russische Markt birgt Risiken in sich. – Für die deutschen Werkzeugbauer sieht es gut aus: Russische Firmen bestellen wieder mehr deutsche Werkzeugmaschinen. Vor allem aus der russischen Automobil-Branche, der Luft-, Raumfahrt-, Energieanlagen- und der Eisenbahnindustrie sowie von russischen Maschinenbauern kommen Aufträge.

Acht Prozent mehr Maschinen

Nach einem Bericht von Germany Trade and Invest (gtai), der auf Fakten des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) beruht, kauft die russische Industrie vor allem Dreh- und Fräsmaschinen sowie Stanz- und Biegemaschinen. VWD-Experten sagen für Russland für dieses Jahr ein Exportplus von acht Prozent voraus. In den zwei Jahren zuvor wurde ein deutlicher Absatzrückgang verzeichnet.
Experten sehen zwei Gründe: Zum einen haben russische Firmen mit Rohstoffen hohe Gewinne gemacht, die jetzt investiert werden. Zum anderen muss die russische Industrie aufrüsten, um international mithalten zu können.

Auch das politische System steht vor einer notwendigen Sanierung. Michail Egonowitsch Dmitriew, Wirtschaftswissenschaftler und Präsident der Stiftung “Zentrum für strategische Analysen” in Moskau zeichnet von Russland ein Bild des Umbruchs. Demnach könnte die jetzige russische Putin-Medwedew-Regierung nach den Wahlen 2011/2012 – falls sie wiedergewählt würde – zu wenig Unterstützung von der neuen, starken Mittelschicht bekommen. Das könnte laut Dmitriew “unpopuläre aber notwendige soziale und wirtschaftliche Reformen behindern”

Russland braucht Stabilität

In seinem Beitrag für die Russland-Analysen Nr. 224, die von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgeben werden, weist Dmitriew besonders auf die Gefahren für die russische Wirtschaft hin. So wäre der Verlust an politischer Stabilität das unangenehmste Szenario. Als weitere Gefahren nennt der Experte eine “Verstärkung der Abhängigkeit von Rohstoffkonjunkturen”, den “Verlust von Haushaltsstabilität” und “Probleme beim Übergang zu neuen Wachstumsmodellen unter Bedingungen eines Rückgangs der arbeitsfähigen Bevölkerung” sowie zum Schluss “die Verschlechterung der globalen Wettbewerbsfähigkeit.”
Die KfW will die wirtschaftliche Entwicklung des Finanz- und KMU-Sektors in Russland vorantreiben. Dazu plant die KfW, mit der staatlichen Förderbank der Russischen Föderation, der Vnesheconombank (VEB), einen 800 Millionen-Euro-Fonds aufzulegen.

Fonds für Mittelstand in Russland

KfW und VEB prüfen jetzt im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, wie der Fonds aufgelegt werden kann. Die KfW meldet, dass der Fonds außerhalb der Russischen Föderation gegründet werden soll. Laut KfW soll der Fonds internationale Investoren anziehen. Ziel des Fonds ist die Finanzierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Russland. Mit den Fondsgeldern können russische Banken ausgestattet werden. Diese sollen dann mittelständische Unternehmen vor Ort besser mit Krediten versorgen können.

Aus Kreisen des Ostausschuss’ der deutschen Wirtschaft hieß es, dass die Initiative der KfW zu unterstützen sei. Der Ausschuss setzt sich seit Jahren zum Beispiel bei deutsch-russischen Regierungskonsultationen dafür ein, dass kleinere und mittelständische Unternehmen sich in Russland besser entwickeln können. Die KfW betonte, dass ein starker russischer Mittelstand positive Effekte für deutsche exportorientierte Unternehmen habe.

Christoph Morisse

Kommentare

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  1. roma sagt:

    guten Abend

    bin zufällig auf den Artikel gestoßen.

    dass deutsche Maschinen ein Schlager sind ,, dazu fällt mir nicht viel ein, weil es eigentlich nie ein Gesprächsthema war.

    selbst wenn ich an die Zeiten von meinem Uropa denke, da waren die deutschen Maschinen ein Symbol und eine Messlatte und ein Ziel auf weitere 50 Jahre der restlichen Welt,

    das der Eine oder der Andere endlich sowas leisten kann, das ist eine andere Frage.

    zitat:
    „Auch das politische System steht vor einer notwendigen Sanierung“

    das sagt der M. Dmitriev, er lässt sich gerne bei Projekten Blicken, bleibt aber leider nicht länger als bis zur Ernte an einem Acker. Vielleicht sollte dieses mal eine wertvolle Prognose sein aber Sie sehen, wie sagt man in der Schule “ Thema verfehlt“

    und eine 5 dafür!

    und aus dem nichts hat der Mittelstand, nach den Bauchgefühl, seit 2003 plötzlich eine steigende Nachfrage nach Qualität – warum wohl?

    ich kann mich noch 1997 erinnern, als wir einem LKW Fahrer aus Russland geholfen haben. als sein LKW auf der Autobahn auseinander gefallen ist , und das war das Symbol zum russischen Geschäftsleuten damaliger Zeit:

    Ein uraltes LKW, beladen mit Schrott aus Nachlass der UDSSR. Dabei waren manchmal noch Lenin und Stalin aus Bronze. – das waren Geschäfte.
    Ich bezweifele nicht dass heute diese Geschäftsleute in der Politik wirken.
    Die Frage ist, zu was diese bereit sind?

    • mercedes sagt:

      Welch Frage. Gerade selbst erlebt. 18 Jahre Zusammenarbeit mit einer eigentlich gutsituierten Firma. Neue, aber nicht öffentlich, Eigner, ein russisches Konsortium. Zulieferer etc wird ersetzt, weil Material aus Russland billiger ist. Das heißt auch, was eigentlich mittelständischen Firmen in Deutschland die Existenz sichert wird eliminiert. Da alle zu Produktion wichtige Materialien nicht mehr hier bezogen werden, wird das Geld, was die Firma erwirtschaftet nicht mehr hier umgesetzt. Lediglich der Betriebsitz bleibt.