Fachkräftemangel in der Medizintechnik gefährdet Innovation

Im Bereich Medizintechnik spitzt sich der Fachkräftemangel zu. Auf der suche nach Fachkräften schicken Firmen mittlerweile sogar Headhunter nach Indien und Australien.

Die Medizintechnik-Branche schlägt Alarm: In kurzer Zeit werden zu viele Ingenieure fehlen. Durch den drohenden Mangel an Fachkräften könnten die deutschen Unternehmen ihre Stellung auf den Weltmärkten verlieren.

Vizepräsident des BioSciences Department von Fresenius Medical Care Deutschland, Professor Jörg Vienken, warnte auf der siebten Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock vor den Folgen des Fachkräftemangels. Das berichtet medica.de unter Berufung auf die Ärzte Zeitung. Demnach sagte Vienken, dass der Branche schon in wenigen Jahren rund 100.000 Ingenieure fehlen würden. Er sprach für die gut 11.000 Firmen der Medizintechnik-Branche in Deutschland. Auf dem Weltmarkt hätten die deutschen Medizintechnik-Unternehmen einen Anteil von 15 Prozent. Diesen Marktanteil gelte es zu verteidigen, meinte Vienken.

Fachkräftemangel gefährdet Innovation

Die deutsche Medizintechnik hätte aktuell rund 400.000 Produkte im Sortiment. Rund 30 Prozent wären noch nicht älter als drei Jahre. Die hohe Geschwindigkeit an Innovationen der Branche sei stark vom Fachpersonal abhängig. Vienken stellte in Aussicht, dass die Innovationen der Medizintechnik, Versorgungskosten senken können. Die Telemedizin wäre das beste Beispiel.

Auch in der Elektrotechnik-Branche spitzt sich das von der Politik viel zu stiefmütterlich behandelte Problem Fachkräftemangel zu: Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) meldet, dass es in diesem Jahr insgesamt 14.000 bis 16.000 offene Stellen für Elektroingenieure gibt. Aber nur rund 9.000 Ingenieure kommen frisch von den Unis nach.

Die Bundesarbeitsagentur meldet andere Zahlen: Sie registriert 3.000 unbesetzte Stellen für Elektroingenieure. Das seien mehr als je zuvor, so Sprecher der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Fachkräfte aus Indien und Australien

Die Aussichten sind düster: Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wird bis zum Jahre 2020 noch weiter auseinander gehen. Der Fachkräftemangel wird zur Existenzbedrohung für Firmen der Branche. Schon jetzt würden laut VDE Unternehmer Headhunter bezahlen, die in Indien oder Australien nach geeigneten Kräften suchen.

Derweil wehrt sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) gegen Vorwürfe, dass sie den größer werdenden Bedarf an Fachkräften in erster Linie durch das Anwerben von Arbeitnehmern im Ausland decken will.

Kritik war laut geworden, nachdem die Agentur verkündet hatte, dass jetzt auch auch Nicht-EU-Bürger aus besonders nachgefragten Berufsgruppen ohne Vorrangprüfung eingestellt werden könnten.

Nicht genügend Fachkräfte in Deutschland

Die BA bestätigt den großen Fachkräftemangel bei den Ingenieuren: Laut der BA suchen ihre Arbeitsvermittler zurzeit dringend vor allem nach Ärzten und Ingenieuren. Einen besonders starken Mangel gibt es bei den Ingenieuren der Fachrichtungen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektrotechnik.

Die Bundesagentur betont, dass “das mit Abstand größte Potenzial im Inland liege”. Doch die Sprecher der Agentur erklärten auch, dass auf jeden Fall eine Lücke entstehen werde – auch wenn alle inländischen Potenziale genutzt werden. Die Lücke könnte nur mit Hilfe der Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland geschlossen werden, so die BA.

Das Vorhaben der BA, auf Top-Arbeitskräfte im Inland zu bauen, könnte schwierig werden. Das zeigen Ergebnisse einer Allensbach-Studie. Demnach wollen die höchstqualifizierten Köpfe nicht in Deutschland arbeiten. Grund: Die deutschen High Potentials sehen im Ausland bessere Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten.

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