Vietnam: Wenn Kommunismus auf Globalisierung trifft

Immer selbstbewusster tritt Vietnam als regionale Macht in Südostasien auf. Aber die wirtschaftlichen Interessen reichen bis nach Neuseeland und Venezuela.

Von der breiten Öffentlichkeit wenig bemerkt, hat sich Vietnam zu einem wichtigen wirtschaftlichen Player in Südostasien entwickelt. Wie der aktuelle Bericht der Germany Tade And Invest (Gtai) zeigt, beginnen immer mehr vietnamesische Unternehmen mit Auslandsaktivitäten.

Wird Vietnam aus westlicher Sicht immer noch in erster Linie als Mekka der Direktinvestitionen gesehen wird, bekommt vor allem das benachbarte Laos den Expansionsdrang der Vietnamesen zu spüren: Hier hat Vietnam bereits die VR China und Thailand überholt und ist nun der wichtigsten Auslandsinvestor in Laos. Bergbau und Wasserkraft stehen im Fokus der jüngsten Projekte – aber auch ein Golfplatz.

Ob dieser zur Erholung für die vietnamesischen Polit-Funktionäre dient ist nicht überliefert. Tatsache ist jedoch, dass der Drang ins Ausland auch in Vietnam selbst auf Kritik stößt. Sogar die zuständige staatliche Agentur FIA (Foreign Investment Agency) kritisiert etliche Projekte. Ihre Profitabilität sei nicht ausreichend, ein effizienter Einsatz der Mittel sei sicherzustellen. Die FIA will ein Monitoring einführen, damit die mehrheitlich von Staatsunternehmen durchgeführten Auslandsengagements unter Kontrolle gehalten werden. Auch in Vietnam sind die staatlichen Kassen leer, wächst das Haushaltsdefizit. Eskapaden von politischen Funktionären kann da keiner gebrauchen.

So hat auch das vietnamesische Parlament seine Einwände gegen ein Mammut-Projekt vorgebracht. Für ein Erdölförderprojekt der Vietnam Oil and Gas Corporation (PetroVietnam) in Venezuela will der staatliche Erdölriese 3,2 Mrd. $ in das Gemeinschaftsvorhaben mit der venezolanischen Corporacion Venezolana del Petroleo S.A. stecken. Es geht um die Erschließung des Orinoco-Ölgürtels. Woher der vietnamesische Beitrag kommen soll, ist unklar. Der vietnamesische Präsident Nguyen Tan Dung hat die Bedenken bisher vom Tisch gewischt. Die Partei habe das Vorhaben genehmigt, das müsse reichen. Schon heute gibt es enge Kooperationen im Energiebereich mit Malaysia und Rußland.

Die Fixierung auf Rohstoffe ist Teil einer gezielten vietnamesischen Strategie: Langfrsitig möchte das Land auf Ressourcen in aller Welt zugreifen, um den Eigenbedarf zu decken. Dazu passt auch das Engagement bei einer Molkerei in Neuseeland. Die staatliche Molkerei Vinamilk beteiligt sich mit 19,3% an dem lokalen Milchpulverhersteller Miraka ein. In einer neuen Fabrik soll Milchpulver produziert werden. Ein Teil davon wird gewiß auch an die Weltmärkte gehen. Das Projekt ist aber von allem für Vietnam selbst wichtig. Die Prognose für die Nachfrage nach Milch liegt bei 1,3 Milliarden Litern in den kommenden Jahren. Gerade mal 200 Millionen kann Vietnam heute selbst herstellen.

Immerhin: Es gibt auch einen Bereich, in dem die Vietnamesen nicht ausschließlich an sich selbst denken: Der militäreigene Mobilfunkanbieter Viettel ist zum führenden Mobilfunkanbieter in Laos und Kambodscha aufgestiegen und plant, in den nächsten Jahren mehrere 100 Millionen Dollar in Afrika, Asien und Lateinamerika zu investieren. Dass das Interesse an Deutschland in einem solchen Kontext gering ist braucht nicht zu verwundern. In drei Neuprojekte wurden gerade mal 4 Millionen USD investiert.

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