Schwache Konsumnachfrage belastet US-Automarkt

Die Experten rechnen mit einer rechtzeitigen Lösung des amerikanischen Haushaltsstreits. Dennoch bereitet die US-Wirtschaft Sorgen – auch in Bereichen, die für den deutschen Mittelstand von großer Bedeutung sind. Christoph Schroeter, Analyst bei der BayernLB, im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Folgen hat der US-Schuldenstreit für den deutschen Mittelstand?

Christoph Schroeter: Wir rechnen weiter mit einer rechtzeitigen Lösung des Haushaltsstreits. Insofern dürfte der Haushaltsstreit den deutschen Mittelstand kaum beeinflussen. Wird das Schuldenlimit nicht rechtzeitig angehoben, könnte es in Folge von Treasury-Verkäufen ausländischer Investoren zu einer Dollar-Abwertung kommen, was Exporte in die USA erschweren würde. Allerdings haben die ausländischen Gläubiger wenig Alternativen zu US-Staatsanleihen und zum Teil ein Interesse an stabilen Anleihekursen, etwa aus China, so dass ein großer „Abverkauf“ am Treasury-Markt eher unwahrscheinlich ist. Die deutsche Industrie ist insgesamt stark exportabhängig, über 50% des Umsatzes wurde im vergangenen Jahr im Ausland erwirtschaftet. Besonders sind Autoindustrie, Maschinenbau sowie die Chemie- und Pharmabranche im Ausland engagiert – diese Branchen trifft also eine Abkühlung der Weltkonjunktur am stärksten.

Der Auftragseingang bei den langlebigen Gütern war in den USA im Juni enttäuschend. Welche Rückschlüsse lassen sich aus der Entwicklung auf die Konjunktur ziehen?

In der ersten Jahreshälfte haben die Konjunkturdaten mehrheitlich negativ überrascht. Die Wirtschaft expandierte auf Jahr gerechnet um lediglich etwa 2%. Dabei minderten gestiegene Energiepreise die Kaufkraft der Verbraucher, außerdem kam es im Nachgang des Erdbebens in Japan zu Produktionsstörungen in der Automobilindustrie. Diese Faktoren verlieren im zweiten Halbjahr an Einfluss. Die Konjunktur dürfte daher wieder etwas Fahrt aufnehmen. Darüber hinaus belasten aber strukturelle Faktoren wie Überschuldung der privaten Haushalte und hohe Arbeitslosigkeit die Erholung, so dass der konjunkturelle Aufschwung auch 2012, gemessen an früheren Erholungen, nur langsam vorankommen dürfte.

Daneben sind Auftragseingangs-Daten sind sehr volatil. Aus monatlichen Veränderungen lassen sich also noch keine Rückschlüsse auf Trends ziehen. In den Branchen Maschinenbau, Metallverarbeitung und Metallerzeugung liegen die Auftragseingänge aber noch unter dem Hochpunkt vor der Rezession.

Auch der Automobilmarkt bleibt hinter den Erwartungen zurück. Worauf müssen sich die deutschen Zulieferer einstellen?

Das Problem der Automobilbranche ist weniger auf der Nachfrageseite, als vielmehr auf der Angebotsseite zu suchen. Im Nachgang der Katastrophen in Japan litten insbesondere die US-Werke japanischer Autohersteller unter Engpässen bei Zulieferungen. Dieses Problem dürfte im zweiten Halbjahr weiter nachlassen – insofern sind keine Einbrüche zu befürchten. Längerfristig lastet allerdings die strukturell geschwächte Konsumnachfrage auch auf dem Automobilmarkt. Jedoch dürften hohe Benzinpreise die Nachfrage nach energieeffizienten Fahrzeugen unterstützen.

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