Modelle gegen den Mangel an Fachkräften

Bis zum Jahr 2030 könnten alleine in Niedersachsen eine halbe Million Fachkräfte fehlen. Der Grund dafür ist die demographische Entwicklung. Ein höheres Rentenalter und mehr Frauen könnten das Problem lindern.

Die Zahl der erwerbstätigen Menschen könnte innerhalb der nächsten 20 Jahre um 14 Prozent zurückgehen. Wird nichts gegen die Auswirkungen des demographischen Wandels getan, so würden im Jahr 2030 alleine in Niedersachsen über 500.000 Fachkräfte fehlen. Damit würde jeder siebte Arbeitsplatz in Niedersachsen nicht mehr zu besetzen sein. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen im Auftrag der Landesstelle des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (NIHK).

Später in Rente

In verschiedenen Modellen ließ der NIHK auch Lösungsansätze für den drohenden Fachkräftemangel ausarbeiten. Dabei wurden vor allem zwei Maßnahmen überprüft. Zum einen könnte das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben werden. Zum anderen würde sich eine bessere Kinderbetreuung und familienfreundlichere Unternehmen positiv auswirken.

Das höhere Antrittsalter für die Rente könnte in Niedersachsen etwa zwei Drittel der Arbeitskräfte erhalten, die durch den demographischen Wandel verloren gehen würden. Hierbei würde es sich um eine besonders wirkungsvolle Maßnahme handeln. In Gegenden, wie Oldenburg und Osnabrück, wo die Bevölkerung noch überdurchschnittlich jung ist, könnte die Rente mit 67 Jahren die demographische Entwicklung sogar vollständig ausgleichen. So würden über 350.000 Erwerbspersonen hinzukommen.

Derzeit stehen zwei Drittel der Männer für den Arbeitsmarkt bereit. Bei den Frauen ist es nur gut die Hälfte. Hier ortet der NIHK weiteres Potential, um den Fachkräftemangel zu lindern. Die Differenz zwischen Männern und Frauen auf die Erwerbstätigkeit soll halbiert werden. Dies soll durch einen besseren Ausbau der Kinderbetreuung und familienfreundlichere Unternehmen geschafft werden. Gelingt es, bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen, könnten im Jahr 2030 etwa 200.000 Frauen mehr als Fachkräfte eingesetzt werden.

Früherer Einstieg ins Arbeitsleben

Geht es nach dem Hauptgeschäftsführer des NIHK, Michael Zeinert, sollten die beiden Maßnahmen -Anhebung des Rentenalters und bessere Voraussetzungen für Frauen – kombiniert werden. Zusätzlich sollen Jugendliche früher in das Berufsleben einsteigen und Fachkräfte aus dem Ausland besser integriert werden. So könne laut Zeinert, die Fachkräftelücke, die durch den demographischen Wandel entstehen würde, nicht nur kompensiert werden, es könnten darüber hinaus noch mehr Fachkräfte bereitgestellt werden. Die ersten Schritte für einen früheren Berufseinstieg wurden im Bildungssystem bereits durchgesetzt. Die Gymnasialzeit wurde auf acht Jahre verkürzt. Die Umstellung an den Hochschulen auf Bachelor- und Mastersystem ermöglicht ebenfalls einen früheren Arbeitseinstieg. Alleine der doppelte Abiturjahrgang dieses Jahr hat 20.000 Erwerbspersonen mehr gebracht. Auf Dauer könnten so neun Prozent des Rückganges an Erwerbspersonen ausgeglichen werden.

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