Konjunktur Schweiz: „Die Situation ist im Moment sehr labil“

Die Konjunkturforscher der ETH Zürich erwarten eine Verlangsamung des Wachstums. Der neue aktuelle Beschäftigungsindex KOF zeigt eine Abkühlung bei der Zahl der Beschäftigten.

Als ein Indikator für eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums werden die aktuellen Zahlen des Beschäftigungsindikators der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) gesehen. Der KOF ist im Juli gegenüber dem letzten veröffentlichten Wert vom Mai 2011 um 2.6 Zähler gesunken. Er liegt nun bei 5.2 Punkten. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich geht zwar davon aus, dass es im kommenden Quartal wieder zu einem leichten Anstieg der Beschäftigung kommen wird. Allerdings werde der Anstieg nicht so hoch sein wie noch zu Anfang des Jahres erwartet.

Die Gründe für eine die eher verhaltene Einschätzung liegen nach Aussage von Roland Aeppli von der ETH Zürich vor allem in der ständigen Aufwertung des Franken. Dieser hinterlasse in der Industrie Spuren – so habe sich „die Industrieproduktion in den letzten Monaten verlangsamt“. Aeppli zu den Schweizer Mittelstands Nachrichten: „Die Produktion steigt zwar noch an, aber nicht mehr so kräftig wie vor einem halben Jahr. Zum andern verläuft das Geschäft im Gastgewerbe schleppend, weil die Frankenaufwertung für ausländische Gäste den Aufenthalt in der Schweiz verteuert. Zudem stagnieren die realen Detailhandelsumsätze seit längerem, was mit dem zunehmenden Einkaufstourismus ins nahe Ausland zusammenhängen könnte. Industrie, Gastgewerbe und Detailhandel gehören zu den beschäftigungsmässig wichtigsten Sektoren. Mit der Wachstumsverlangsamung in der Produktion lässt auch der Beschäftigungsanstieg nach.“ Neben diesem fatalen Kreislauf verlaufe „die Konjunktur auch in einigen wichtigen Abnehmerländern für die Schweizer Exporteure nicht mehr so günstig“.

Zwar will Aeppli noch nicht so weit gehen eine nächste Rezession im Anmarsch zu sehen, aber: „Die Situation ist im Moment sehr labil. Man kann wohl eine Wachstumsverlangsamung erwarten.“ Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Erst wenn es gelinge, „die Unsicherheit im Zusammenhang mit der internationalen Verschuldensproblematik zu reduzieren oder zu beheben, werden die Erwartungen allgemein wieder optimistischer“. Und erst dann werde sich auch der Kurs des Franken wieder erholen. Aeppli: „Der Save-Haven-Effekt verliert dann an Relevanz.“

Dass die Schweizer Unternehmen diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen liegt auf der Hand. Viele Unternehmer sagen, dass sie in diesem Umfeld Investitionen verschieben. Ein weiterer Trend ist die Verlängerung der Arbeitszeit. Besonders Findige sind dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter in Euro zu bezahlen.

Vor allem aber haben bereits etliche Unternehmen begonnen, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Diese „Tendenz zu einer Auslagerung von Arbeitsplätzen besteht schon seit langem“ sagt Aeppli. Sie sei nicht in erster Linie eine Konsequenz der Frankenaufwertung, sondern eine Folge des hohen Lohnniveaus in der Schweiz. Aeppli: „Dies betrifft vor allem Arbeitskräfte der niedrigeren Qualifikationsstufen. Diese Arbeitsplätze werden aber nicht nur in die EU-Länder verschoben. Ob die Frankenaufwertung diese Tendenz verstärkt oder beschleunigt, kann vermutet werden, einschlägige Untersuchungen gibt es aber meines Wissens nicht.“

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