US-Konsumenten versagen als Motor der Weltwirtschaft

Die Lösung des Schuldenstreits in den USA verhindert nur das Ende mit Schrecken – die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika bleibt unerfreulich.

Die Freude über eine Einigung im amerikanischen Schuldenstreit hat sich nach der Verkündigung des Kompromisses in engen Grenzen gehalten. Die Reaktion von Beobachtern und Märkten ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass die zwischen Republikanern und Demokraten ausgehandelte Lösung im Schuldenstreit das Problem eben nicht löst, sondern nur verschiebt. Die größte Sorge kommt von den amerikanischen Wirtschaftdaten. Neben den Zahlen des Census Bureau über den negativen Auftragseingang bei langlebigen Wirtschaftsgütern kam am Montag der nächste Schlag: Der vom Institute for Supply Management (ISM) erhobene Einkaufsmanagerindex ging erschreckend deutlich zurück.

Was sollen Japan und Deutschland ohne  die USA?

Im Klartext bedeutet dies: Die Konsumenten kaufen weniger und behalten das Gekaufte länger als früher. Dem Handel bleiben immer mehr Produkte in den Lagern, weshalb nicht nachgekauft wird. Wenn vom Handel weniger nachgefragt wird, reduzieren die Hersteller die Produktion. Am Ende werden dann die Mitarbeiter entlassen. Diese können weniger kaufen – und so sind wir in der gefürchteten Spirale nach unten.

Für die Weltwirtschaft ist diese Entwicklung trotz Beilegung des Schuldenstreits besorgniserregend. Denn die amerikanischen Konsumenten waren in der Vergangenheit der heimliche Motor der Weltwirtschaft. Sie konnten neue Produkte gar nicht schnell genug kaufen. Während der deutsche Konsument immer erst die dritte Generation eines Handys kauft, will der Amerikaner das neueste Gerät haben. Er hat es – bisher wenigstens – nicht für die Ewigkeit gekauft. War etwas kaputt, wurde es weggeworfen. Zugleich haben die Amerikaner mit dieser Einstellung den Weltmärkten geholfen, Produkte auch tatsächlich marktfähig zu machen. Während Japaner oder Deutsche etwas austüfteln, machen es die Amerikaner marktfähig – nicht zuletzt durch die Wegwerfmentalität, mit der die Hersteller zur ständigen Verbesserung von Produkten angespornt wurden.

Wenn jedoch das amerikanische Konsumverhalten nun jene Pionierfunktion verliert, die es bisher für die Weltwirtschaft ausgeübt hat, hat das zwei Folgen: Mangelnder Konsum wirkt sich negativ auf das Bruttoinlandsprodukt aus. Das haben wir nun durch die ebenfalls aktuellsten Zahlen gesehen: Es wächst “anämisch”, wie ein Kommentator süffisant feststellte. Blutleere ist in der Tat das richtige Bild für die mickrigen 0,8%, die die Amerikaner für das erste Halbjahr 2011 ermittelt haben.

Ende des Schuldenstreits – kein Ende der Sorgen

Wenn jedoch das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft in den vier Segmenten Konsum, Investitionen, Öffentliche Ausgaben und Handel nicht mehr dieselbe Dymanik aufweist wie in den vergangenen Jahren, dann wird auch die Staatsverschuldung auf einmal zum existentiellen Problem. Bisher waren die Amerikaner so locker im Schuldenmachen waren, weil sie wussten: Mit unserer volkswirtschaftlichen Potenz ist das alles doch kein Thema! Das kann sich nun fundamental ändern. Schon heute gehört Amerika eigentlich den Chinesen. Das ist kurzfristig beruhigend, weil China kein Interesse an einer Panik bei den Staatsanleihen hat. Langfristig dürfte kein Stein auf dem anderen bleiben. Um wie bei jedem Umbruch wird es auch in diesem Fall Sieger und Verlierer geben.

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