OECD: Österreich muss Gesundheitssystem reformieren

In Österreich muss eine grundlegende Neustrukturierung des Gesundheitswesens stattfinden. Die OECD stellt gravierende Fehlentwicklungen durch zuviel Bürokratie fest. So kann das System nicht auf neue Volkskrankheiten wie Alkoholismus, Rauchen, Übergewicht reagieren.

Harte Kritik aus der Gesellschaft für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) an der Gesundheitspolitik der großen Koalition: In ihrem aktuellen Bericht zeigt die in Paris ansässige Organisation erhebliche Schwächen im der Struktur des österreichischen Gesundheitswesens auf und fordert dringend Reformen. Zuviele staatliche und halbstaatliche Institutionen seien in einem schwer ducrhschaubaren und kaum entscheidungsfähigen Geflecht miteinander verwoben. Durch die Länderstruktur sei die Struktur unverhältnismäßig komplex geworden.

Die OECD fordert, dass die österreichischen Bundesregierung das System vereinfachen müsse. Institutionen müssen zur Zusammenarbeit ermutigt werden, damit das System effizienter arbeiten könne. Dies sei vor allem vor der zunehmenden Überalterung der österreichischen Bevölkerung notwendig. Hinzu käme, dass die Österreicher auffallend ungesund leben.

Studien belegen, dass kein anderes OECD-Land so viele Leute in Krankenpflege hat wie Österreich: Mit 5,1% der Bevölkerung liegt das Land an der Spitze, gefolgt von der Schweiz und Norwegen mit 3,9%.

Das blühende System der Frühverrentung stellt nach Ansicht der Experten ebenfalls eine Herausforderung dar, der das bestehende Gesundheitssystem nicht gewachsen sein könnte. Der durchschnittliche Österreicher geht mit 58,9 Jahren in Rente – obwohl das gesetzliche Rentenalter bei 65 liegt. Bei den Frauen sieht es nur wenig besser aus: Durchschnitt 57.5, gesetzlich 60. Auffallend ist, dass laut jüngsten Studien immer mehr Menschen psychische Gründe wie Burnout oder Depression angeben, um früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Experten streiten über die Bedeutung dieser Entwicklung. Während einige glauben, dass es sioch nur um vorgeschobene, weil schwer überprüfbare Gründe handelt, sagen andere, dass Stress und unbezahlte Mehrarbeit tatsächlich eine Häufung dieser Erkrankungen zur Folge haben können.

Außerdem im Fokus der Kritik durch die OECD: Der ungesunde Lebensstil vieler Österreicher. Während in anderen Ländern Alkoholismus und Rauchen längst durch staatliche Initiativen eingedämmt werden sollen, gelten diese Themen in Österreich noch als Kavaliersdelikte. 36% der Österreicher bekennen sich zum Rauchen. Nach Nielsen und Eurostat-Statistiken konsumieren im ländlichen Raum 27% der Bevölkerung fünf bis zehn Päckchen Zigaretten wöchentlich. Der österreichische Durchschnittsraucher braucht 18 Zigaretten am Tag – vier mehr als der europäische Durchschnitt. Die OECD forderte Österreich auf, aktiv gegen Alkoholismus und Rauchen vor allem bei Jugendlichen vorzugehen. Nur so könne das Gesundheitssystem durch Vorbeugung entlastet werden.

Auch Übergewicht könnte das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren dramatisch belastet. 60% der österreichischen Männer und 40% der Frauen sind übergewichtig, stellte die OECD bereits vor einigen Monaten fest. Österreich entwickelt sich nach dem Urteil des Nutrition-Experten Hans Holdhaus “in eine kranke Gesellschaft”. Vor allem der rapide Anstieg übergewichtiger Kinder macht den Experten Sorge – nicht zuletzte, weil auch sie sich am Ende neben dem persönlichen Elend als eine handfesten Belastung für ein überfordertes Gesundheitssystem entpuppen werden.

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