Wird der deutsche Maschinenbau Opfer seines eigenen Erfolgs?

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau zeigt nach wie vor Stärke. Doch das Blatt droht sich zu wenden China als Konkurrent und der real existierende Fachkräftemangel eine Doppelmühle aufmachen.

Mit einem Umsatz von 173 Milliarden Euro, der einer Steigerung zum Vorjahr von mehr als 7% entspricht, ist Deutschland nach wie vor Weltmarktführer im Maschinen- und Anlagenbau. Im Vergleich sind die USA und Japan abgeschlagen. Dies ergeben die Fakten für den August, wie sie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erhoben wurden. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) erwartet für 2011 sogar ein noch deutlicheres Plus.

Der Grund für die guten Zahlen sind die Exporte. Mehr als ein Drittel der europäischen Maschinen und Anlagen werden in Deutschland produziert und neben den USA wächst die Anfrage nach deutschen Produkten besonders im asiatischen Raum. Hier ist ein Wachstum von 22,5% zu verbuchen. Doch eben genau diese Region könnte in den nächsten Jahren zu einer gravierenden Veränderung auf dem Weltmarkt führen.

Zwar hoffen die Maschinenbauer auf die neuen Themen Ressourcen- und Energieeffizienz. Dem VDMA zufolge verstehen sich die deutschen Maschinenbauer als die „Enabler Industrie“. So sagte der Präsident des Verbandes, Lindner, auf dem Schweizer Industrietag im Juni: „Wir stellen Investitionsgüter zur Verfügung, die den Fortschritt auf diesen Zukunftsfeldern erst ermöglichen. Wir bieten die Technik für Menschen – weltweit.“

Im globalen Wettbewerb wollen das jedoch viele. Und gerade in den Schwellenländer könnte die Konzentration auf den Maschinen- und Anlagenbau dazu führen, dass der Export deutscher Produkte nach und nach sinken und China die führende Rolle übernehmen könnte. Schließlich haben die Chinesen den Deutschen genau zugesehen. Sie haben von ihnen gelernt, wie man Maschinen solide und technisch ausgefeilt baut. Heute wissen sie, wie es geht – und dass sich die Chinesen im asiatischen Markt leichter tun als die Deutschen ist logisch.

Verschärft wird die Lage durch den Fachkräftemangel. Deutschland könnte die Wettbewerbsfähigkeit verloren gehen, wenn wichtige Stellen vor allem in Ingenieursbereich nicht neu besetzt werden können.

Im Juni 2011 erreichte die Nichtbesetzung von ca. 76400 Ingenieursstellen nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure e. V. (VDI) ihren Höchststand seit dem Beginn der Berechnungen im Jahr 2000. Neben sinkendem Interesse bei jungen Menschen, sind die hohe Zahl der Studienabbrecher und der erschreckend geringe Anteil von 7,1% Frauen in dieser Branche als Ursache anzuführen. Ein fairer Zugang zu Masterstudiengängen, die frühe Heranführung an Technik bereits im Kindesalter und ein überarbeitetes Zuwanderungsgesetz solle Abhilfe schaffen.

Dies ist besonders notwendig. Denn auch das BMWi nennt als die wichtigsten Perspektiven für den Maschinen- und Anlagenbau die Bereiche Forschung und Innovation. Im vergangenen Jahr wurden rund 5,2 Milliarden Euro allein für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Eine Zahl, die dank der staatlichen Förderung durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) möglich wurde und weiter gesteigert werden soll. Hier könnten die Forderung der Kunden nach materialschonender und energieeffizienterer Fertigung- und Verfahrenstechnologie eine entscheidende Rolle spielen. So kann beispielsweise die Elektromobilität in Zeiten einer drohenden Ölknappheit für die Branche eine große Chance darstellen. Innovationen in diesem Bereich könnten Deutschland bis zum Jahr 2020 zu einem Leitmarktführer werden lassen.

Der Maschinen- und Anlagenbau zählt in Deutschland mit mehr als 6200 Unternehmen zu den führenden Industriezweigen und ist mit über 900000 Beschäftigten auch der beschäftigungsstärkste. Überwiegend ist die Branche geprägt von Einzel- und Kleinserienfertigungen, aber auch Großserien wie Walzlager werden produziert. Allein ein Drittel entfällt auf die Herstellung von so genannten Vorprodukten für Abnehmer wie der Fahrzeugbau und Elektrotechniker.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.