Automobilindustrie: Strukturwandel muss kommen

Die Automobilbranche hat sich dank Kurzarbeitergeld und Umweltprämie ganz gut von der Weltwirtschaftskrise erholt, doch ein Strukturwandel ist nötig.

Der Ansporn für die Automobilindustrie kommt von der Politik: Die EU fordert, bis 2015 die durchschnittlichen CO2-Emissionen bei neu zugelassenen PKWs auf 120g CO2/km zu senken und bis 2020 sogar auf nur 95g CO2/km. Ab Herbst 2011 soll es zudem eine farbige CO2-Effizienzskala geben. Berechnet wird die ausgewiesene Effizienz auf Grundlage der CO2-Emissionen unter Berücksichtigung der Fahrzeugmasse. Die drohende Ressourcenknappheit und der Klimawandel, aber auch die Globalisierung zwingen die Automobilbranche somit zu einer Umstrukturierung.

Mit rund 8% Anteil an der gesamten industriellen Wirtschaft Deutschlands ist die Automobilbranche im internationalen Vergleich führend. Über 780000 Menschen sind in diesem Industriezweig beschäftigt – allein 5,5 Millionen PKWs wurden im vergangenen Jahr von deutschen Automarken produziert. Das ist eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, wie auch in der Nutzfahrzeugsherstellung.

Elektromobilität und Hybride

Der Anteil von PKWs mit Elektro- und Hybridantrieben an allen neu zugelassenen Fahrzeugen belief sich laut dem Monatsbericht vom August 2011 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Jahr 2010 nur auf rund 1% Prozent. Das macht deutlich, dass sowohl Benzin- als auch Dieselmotoren in den nächsten Jahren weiterhin eine große Rolle spielen werden. Um die geplante CO2-Reduzierung zu erreichen, gilt es daher, die traditionellen Verbrennungsmotoren Diesel und Benzin noch effizienter werden zu lassen.

Um weiterhin eine große Rolle am Weltwirtschaftsmarkt zu spielen, ist die deutsche Automobilbranche gezwungen, die neuen Technologien hinsichtlich des Biokraftstoffs aus nachhaltiger Biomasse, des Wasserstoffs und der Elektromobilität weiter zu entwickeln und die Kunden zu überzeugen. Gerade der Elektromobilität, die momentan als die vielversprechendste Technik gilt, ist jedoch stark von der Entwicklung leistungsfähiger und zugleich bezahlbarer Batterien abhängig. Das Hybridauto scheint indes eine funktionierende Übergangslösung zu sein, da sie den herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem elektrischen Antrieb verbindet.

Schwerpunkt Forschung und Entwicklung

Umstrukturierungen in der Automobilbranche wird es laut dem Bericht des BMWi vor allem in den Bereichen der Qualifizierung von Arbeitskräften, in der Infrastruktur zur Speicherung, Umwandlung und Versorgung mit gewonnener Energie, aber auch in einer noch größeren Investition in Forschung und Entwicklung geben. Hinzu kommt die mit den neuen Technologien einhergehende zunehmende Rolle der Energie und Informationswirtschaft in der Automobilbranche.

Unabhängig davon darf nicht vergessen werden, dass drei Viertel der in Deutschland produzierten PKWs derzeit in die Schwellenländer exportiert werden. Dort setzt man allerdings immer mehr auf die lokale Produktion. So dürfen ausländische Firmen in China nur in Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen produzieren und sollen nach Möglichkeit nur bei der Entwicklung und Etablierung einheimischer Marken mitwirken. Will die deutsche Automobilbranche weiterhin steigende Wachstumszahlen erreichen, ist sie gezwungen, sich in umweltfreundlichen Produkten an die Spitze zu setzen und die Konsumenten von diesem Strukturwandel zu überzeugen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.