Auch der Kampf gegen Fliegen und Motten erfordert Innovation

Thomas Updike, Geschäftsführer der Aeroxon Insect Control GmbH, gibt Einblick in seine hochinnovative Branche der Insektizide. Eine Marksättigung sei längst noch nicht erreicht.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Zum typischen Bauernhof gehört auch heute noch ein Fliegenfänger in der Küche, wie ihn Aeroxon schon seit 1909 produziert. Im deutschen Haushalt hängen aber immer weniger Fliegenfänger von der Decke. Was hat sich geändert? Stört die Deutschen die Fliege nicht mehr?

Thomas Updike: Die Fliege stört, wenn sie vorhanden ist, heute mindestens so stark wie vor 100 Jahren. Grundlegend geändert haben sich in diesem Zeitraum die Wohnverhältnisse. Während Fliegenfänger in modernen städtischen Wohnungen heute relativ selten sind, wird das Produkt in den klassischen Anwendungsgebieten, vorzugsweise im ländlichen Bereich, weiterhin intensiv eingesetzt. Es kommen auch immer wieder neue Käufer hinzu, die nicht mehr auf die angebotenen Chemielösungen zum Bekämpfen von Fliegen (z.B. Sprays) zurückgreifen wollen, so dass der Absatz seit Jahren konstant ist.

Neben dem Fliegenfänger produzieren Sie heute rund 40 Produkte gegen fliegende und kriechende Insekten sowie gegen Motten, immer wieder launchen Sie neue, innovative Produktlinien. Ist es in Ihrer Branche überhaupt möglich, sich ständig selbst neu zu erfinden? Ist Ihrer Meinung nach eine Marktsättigung erreicht?

In der Branche ist es möglich, mit neuen innovativen Produkten neue Verwender zu erreichen. Dies wird sich auch zukünftig nicht ändern. Wichtig sind erlebbare Produktvorteile wie Duft, Wirkdauer usw. Eine Marktsättigung ist noch nicht erreicht – die Branche hat gute Aussichten, in den nächsten Jahren zu wachsen.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges setze Aeroxon bereits 73 Millionen Stück ab. Wie viel Stück verkaufen Sie heute ungefähr?

Die Verkaufsmenge schwankt zwischen 40-70 Millionen Stück Fliegenfängern /Jahr, je nach Wetterlage in Deutschland und dem Rest der Welt.

Wie stark sind Sie und Ihre Branche von den Jahreszeiten abhängig, wie verläuft die Produktion innerhalb eines Jahres?

Die Produktion läuft bei vielen Produkten ganzjährig. Beim Verkauf spielen die Jahreszeiten und die Wetterlage allerdings eine große Rolle.

Mehr als 80 Prozent der Jahresabsatzmenge werden innerhalb der Hauptsaison von April bis Oktober umgesetzt und der größte Teil dieser Menge muss vorab produziert werden, um während der Saison flexibel auf Nachfragespitzen reagieren zu können.

Welche Tests für die Verträglichkeit müssen Ihre Produkte durchlaufen, bevor diese auf den Markt kommen?

Je nach Einsatzzweck gibt es unterschiedliche Tests für neue Produkte. Im Mittelpunkt steht die Wirksamkeit der Produkte, die durch Fangtests belegt wird. Hinzu kommen Lagertests (wie lange ist ein Produkt ohne Leistungsverlust lagerfähig) und Spezialtests (mit welchen Mitteln lässt sich der Klebstoff einer Leimfalle entfernen usw.). Ebenso wird auf einfache und sichere Anwendung geachtet.

Ihre Käufer sind vor allem Endkonsumenten. Einige wenige Konzerne beherrschen die deutsche Supermarktbranche und können durch geballte Einkaufsmacht die Preise und das Sortiment kontrollieren und mit Eigenmarken etablierte Markenhersteller unter Druck setzen. Wie gehen Sie damit um? Sehen Sie die Branche in Veränderung?

Das Thema Eigenmarken ist in der Branche der „Insektizide“ angekommen und die Veränderungen durch neue Eigenmarken sind noch nicht abgeschlossen. Das beste Argument für eine Koexistenz zwischen Markenartikeln und den Eigenmarken der Handelsketten ist eine hohe Nachfrage nach Markenartikeln. Aeroxon arbeitet ständig daran, dass aus den Käufern auch Wiederkäufer werden.

Aeroxon (damals noch Aeroplan) macht bereits seit 1910 Werbung für die eigenen Produkte und konnte schon im frühen 20. Jahrhundert große Erfolge erzielen. Was hat sich geändert um den Endkonsumenten erreichen zu können?

Die Endkonsumenten werden heute in erster Linie am POS erreicht, wenn gezielt ein Produkt zur Problemlösung gesucht wird. Wichtig ist deshalb neben der Distribution auch das Produkt selber. Kann der Kunde am Regal erkennen, welches Produkt am besten zur Lösung seines Problems geeignet ist? Hierfür müssen die Artikel die relevanten Informationen (gegen welches Insekt wirkt das Produkt, Inhalt, Art der Anwendung etc.) deutlich sichtbar machen.

Aeroxon wird als Familienunternehmen in der vierten Generation geführt, Sie feiern 2011 das 100jährige Jubiläum des Firmennamens. Treffen Sie unternehmerische Entscheidungen im Sinne der Tradition des Unternehmens oder haben Sie nur die Zukunft im Blickfeld? Welche besonderen Herausforderungen bringt das Konzept des Familienunternehmens mit sich?

Unternehmerische Entscheidungen werden im Blickfeld der Zukunft getroffen. Dabei spielen die Werte, die in den vergangenen 100 Jahren gelebt wurden, eine große Rolle. Neben der sozialen Verantwortung, die im Unternehmen immer eine große Rolle gespielt hat, werden die Grundsätze, die für den Erfolg der Marke Aeroxon verantwortlich sind (Stichworte: Herstellung von Qualitätsprodukten, verlässlicher Partner, Innovationen, Kompetenz), weitergeführt und fortentwickelt. Die Unternehmensform „Familienunternehmen“ bringt für Aeroxon einige Vorteile (Unabhängigkeit von Investoren, die damit verbundene schnelle Entscheidungsfähigkeit und eine überschaubare interne Bürokratie).

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