„Die USA sind für Schweizer KMU kein easy going“

Nach der Einigung im amerikanischen Schuldenstreit wird es nun zu Einschnitten kommen. Dies wird Auswirkungen auf die Konsumenten haben - und damit auf die europäischen Unternehmen, die in die USA exportieren. Das Beispiel der Schweiz zeigt: Was in den USA geschieht geht Europa sehr wohl etwas an.

Nicht nur der Schulden-Streit belastet die US-Wirtschaft. Den neuesten Zahlen des Census Bureau zufolge ist ein überraschender Rückgang des Auftragseingangs für langlebige Güter zu verzeichnen. Flugzeugbau, Automobilindustrie, Maschinenbau – überall sind die Bestellungen rückläufig. Einzig die metallverarbeitende und metallerzeugende Industrie kann sich von diesem Trend abkoppeln. Dies bedeutet, dass die Amerikaner offenbar ein Stück von ihrer Wegwerf-Kultur Abstand nehmen und langlebige Güter auch tatsächlich länger nutzen. Damit sinkt die Nachfrage nach neuen Gütern in diesen Bereichen. Diese negative Gesamt-Entwicklung hat auch Konsequenzen für die Geschäfte der Schweizer KMU.

Die USA sind einer der wichtigsten Absatz- und Investitionsmärkte für die Schweiz. Sie werden nur noch von der EU überboten, in manchen Segmenten auch noch von Asien. Ob Maschinenbau, Uhren oder Pharmaindustrie – die Schweizer Wirtschaft ist sehr eng mit der US-amerikanischen verflochten. Daher betrachten die Schweizer Unternehmen die Entwicklung mit Sorge, wie Thomas Pletscher, Mitglied der Geschäftsführung bei economiesuisse bestätigt. Allerdings sind diese Sorgen nicht neu. Pletscher, der bei economiesuisse auch für die bilateralen schweizerisch-amerikanischen Themen zuständig ist, zu den Schweizer Mittelstands Nachrichten: „Der amerikanische Markt war noch nie ein easy going. Da müssen die Schweizer KMU immer besonders auf der Hut sein.“ Die zu erwartenden Schwierigkeiten der Amerikaner werden sich auf die Schweizer Unternehmen auswirken – und dies auch, wenn es zu einem Kompromiss zwischen Obama und den Republikanern kommt.

Pletscher erwartet auch nach der Einigung im Schuldenstreit langfristige Probleme: „Die USA müssen ihre Defizite in der Substanz abbauen. Das Schuldenlimit ist ein politisches Thema. Der reale Abbau der Schulden muss erfolgen, ob nach demokratischem oder republikanischem Muster. Und das bedeutet, dass der Staat seine Ausgaben senken muss. Dies wiederum wird sich auf den Konsum der Amerikaner niederschlagen. Die daraus folgende sinkende Nachfrage werden auch die Unternehmen zu spüren bekommen.“ Zwar seien viele Schweizer Unternehmen in Spezial- oder Nischenmärkten tätig. Bestes Beispiel: Die Kaffeemaschinen von Starbucks werden von der Firma Thermoplan in Weggis in der Nähe von Luzern hergestellt. Diese und ähnliche Marktsegmente reagieren nicht so elastisch auf politische Entscheidungen. Aber das Thema Staatsverschuldung habe eben vor allem psychologische Wirkungen, und diese bekämen am Ende alle Marktteilnehmer in der einen oder anderen Weise zu spüren.

Die zu erwartende schwache Entwicklung der US-Wirtschaft wird den Schweizern auch weiter einen starken Franken erhalten. Pletscher: „Die Schweizer KMU müssen mit einem anhaltend schwachen US-Dollar rechnen. Durch die Unsicherheiten in den USA wird eine fällige Korrektur des Franken nach unten auf sich warten lassen.“ Die Stärke des Franken werde auch durch die Schwierigkeiten in der Euro-Zone begünstigt. Auch wenn der rasante Anstieg nach oben gebremst zu sein scheint, so geht Pletscher davon aus, dass der Franken mindestens ein bis zwei Quartale nicht signifikant gegenüber dem Dollar und dem Euro verlieren werde.

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