Barroso spricht Klartext: Lügen der Schuldenländer fliegen auf

Die Kritik aus Berlin an Barroso ist nicht berechtigt: Die meisten europäischen Staaten haben ihre Zahlen geschönt, um an billiges Geld zu kommen. Der Preis könnte der Euro sein - mit sehr negativen Folgen für den deutschen Mittelstand.

Es ist schmerzhaft – aber Jose Manuel Barroso hat Recht. Die Reaktion der asiatischen Märkte gibt ihm Recht. Europa hat sich bei den Rettungsversuchen überhoben. Bail Outs für weitere Staaten werden sehr schwierig. Ob der Euro zu retten sein wird ist mehr als offene Frage.

Europa hat ein Vertrauensproblem: Die Staaten haben gelogen, dass sich die Balken biegen. Nicht nur die Griechen – alle haben ihre Zahlen geschönt, und verschiedene Staaten ganz besonders unverschämt. Alle wollten an die Gelder von Brüssel, alle wollten an das billige Geld der Märkte. Deshalb hat diesem nicht der Markt, sondern die Politik versagt. Nun bricht das Gebäude zusammen.

Die Fakten: Die Lage in Italien ist verheerend. Berlusconi, bisher der Europameister im Verdrehen von Wahrheiten, versucht sich im Beschwichtigen. Das wird ihm nicht gelingen: Man braucht keinerlei volkswirtschaftliche Vorkenntnisse, um zu sehen: Die Chancen, dass Italien seine Schuldenprobleme meistert, sind minimal. Die Italiener werden von der Schuldenlast erdrückt.

Spanien steht ebenfalls unter enormen Druck. Für die Spanier stellt sich die Frage: Schaffen sie es, die Märkte zu überzeugen, dass sie genug Wachstum aufbringen können, um die Schulden abzubauen. Sparen allein wird nicht reichen.

Belgien ist der nächste Krisenherd: Die Briten haben am Donnerstag ihre Banken angewiesen, ihre Risiken in Belgien zu überprüfen. Solchen Maßnahmen haftet der Geruch von Panik an. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft plötzlich wieder Staatsanleihen an Krisenstaaten. Das tut sie nicht, weil sie nichts Besseres mit ihrem/unserem Geld anzufangen weiss.

All diese Entwicklungen hat Barroso in seinem Brief zusammengefasst. Er folgert daraus, dass Handlungsbedarf besteht. Der bisherige Rettungsschirm ist obsolet. Er ist zu klein, weil es sich nicht um einen maritimen Schauer, sondern um ein europäisches Sturmtief handelt.

Die EU steht nach Barrosos Weckruf vor der Frage: Wird sie zur Transferunion oder nimmt sie lieber ein Zerbrechen in Kauf?

Beide Wege würden zu gravierenden Veränderungen führen: Barroso hat darauf hingewiesen, dass das Schuldenthema nicht mehr nur eines der europäischen Ränder ist. Eine Neuordnung Europas würde quer durch die Kontinent laufen.

Das Ende des Euro hätte vor allem für den deutschen Mittelstand die Folge, dass die Währung, der die Deutschen angehören, steinhart würde. Japan, die Türkei und die Schweiz zeigen, wie brutal das sein kann. Alle versuchen verzweifelt, abzuwerten – um ihr Exportfähigkeit nicht zu verlieren.

Kommt heute der nächste „schwarze Freitag“? Möglich. Aber tatsächlich ist die Entwicklung keine Überraschung. Nun werden die Lügengebäude jener Staaten aufgedeckt, die durch ihr Handeln ein Ende mit Schrecken leichtfertig in Kauf genommen haben.

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