Die Wüste bleibt: Wachstumsrückgang im deutschen Servicesektor

Trübe Zeiten für den deutschen Dienstleistungsbereich: Im Juli wurde die niedrigste Wachstumsrate seit 17 Monaten verzeichnet.

Die finalen Daten des Markit Dienstleistungsindex Deutschland, für den im Juli mehr als 500 Firmen an einer Umfrage zur Service-Konjunktur befragt wurden, werfen kein optimistisches Licht auf den deutschen Servicesektor. Im Juli 2011 fiel der saisonbereinigte Service-Index Geschäftstätigkeit um 3,8 Punkte auf 52,9 Zähler und war so deutlich niedriger als im Vormonat (56,3). Damit wurde selbst der Langzeit Durchschnittswert von 53,1 Punkten unterboten. Zwar wächst der Servicesektor in Deutschland weiter, jedoch machen die Zahlen deutlich, dass sich das Wachstum verringert.

Am positivsten fällt die Geschäftstätigkeit im deutschen Dienstleistungssektor in den Bereichen Post & Telekommunikation sowie Vermietung & unternehmerische Dienstleistung aus. Wohingegen der Hotel & Gaststätten-Bereich und die Vermittlung von Finanzdienstleistungen am stärksten mit dem Rückgang sowohl in der Geschäftstätigkeit als auch in den Neu- und Folgeaufträgen zu kämpfen haben. Letzteres ist vor allem auf die niedrige Ausgabenbereitschaft der Kunden zurückzuführen. „Hinzu kommt, dass die zunehmende Nervosität an den Finanzmärkten den Investitionsentscheidungen auf Kundenseite massiv geschadet hat“, kommentiert Tim Moore, Ökonom bei Markit. Lediglich der Bereich Transport & Lagerhaltung konnte hier ein zufrieden stellendes Plus vorlegen.

Entsprechend düster sind die Geschäftsaussichten, die zuletzt im Dezember 2009 so pessimistisch ausfielen. Besonders aufgrund der schlechten Auftragslage blickt hier der Sektor Vermittlung von Finanzdienstleistungen sehr verhalten auf die kommenden Monate. Wie unsicher die Dienstleistungsbranche ist, zeigt sich auch in der Unausgeglichenheit der Preise: Trotz des niedrigsten Wertes beim Kostenanstieg seit Oktober 2010 sind die Angebotspreise in diesem Monat stark gestiegen.

Das schrumpfende Wachstum und die trüben Aussichten im deutschen Dienstleistungsbereich spiegeln sich auch in der Mitarbeiteranzahl wieder. Abgesehen von dem Bereich Vermietung & unternehmensnahe Dienstleistung, die weiterhin gut einstellen, sind im deutschen Servicesektor insgesamt weniger neue Beschäftigte hinzugekommen als den vergangenen vier Monaten.

Der zusätzlich errechnete finale Composite Index Produktion, der sich aus dem Index Industrieproduktion und dem Index Geschäftstätigkeit des Service-Sektors zusammensetzt, zeigt indes, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland grundsätzlich an Fahrt verliert: Die 56,3 Punkte vom Juni 2011 fielen im Juli auf ganze 52,5 Zähler. Der niedrigste Wert seit Oktober 2009. Betrachtet man hinsichtlich dessen die schlechten Geschäftsaussichten der Dienstleistungsbranche, werden der finale Markit Dienstleistungsindex Deutschland und der finale Composite Index Produktion auch in den kommenden Monaten keine großen Sprünge machen.

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