US-Bonität: Deutschland kann profitieren

Die Herabsetzung der US-Bonität kann für Deutschland kurzfristig von Vorteil sein: Anders als in Amerika ist die Gesellschaft nicht so extrem in Reich und Arm gespalten.

Amerika verliert sein Triple-A: Am Freitag nach Börsenschluss stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die USA um einen Punkt herunter – ein in der Geschichte noch nie dagewesener Vorgang. Der Aktion war ein heftiger Streit mit der Regierung vorangegangen. Die Obama Administration sagte kurz vor der Entscheidung, S&P habe einen gravierdenden Rechenfehler gemacht. Die Ratingagentur liess sich jedoch nicht beirren und gab die Entscheidung vier Stunden nach Börsenschluss bekannt. S&P begründete die Entscheidung damit, dass die von Kongress und Senat eingeleiteten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung nicht ausreichend seien. Damit befinden sich die USA auf einem Level mit Belgien und Neuseeland, was die Bonität anlangt.

Für die Weltwirtschaft kann diese Entscheidung weitgehende Folgen haben: Wie schon bei Griechenland gesehen, werden mit Rückstufungen die Kredite teurer, die die Amerikaner aufnehmen müssen. Bei der schon bestehenden gigantischen Staatsverschuldung stellt sich nun vor allem die Frage, was die Gläubiger der USA machen werden, allen voran China: Wenn die Chinesen für ihre Staatsanleihen höhere Zinsen verlangen, kann das zu einer Abwärtsspirale für die amerikanische Wirtschaft führen. Nachdem die ausgabefreudigen amerikanischen Konsumenten bisher stets auch der Motor der Weltwirtschaft waren, wären die Auswirkungen auch für Deutschland spürbar: Weniger Nachfrage und ein Markt, der an Attraktivität verliert.

Das größte Problem liegt im schwachen Wirtschafswachstum der USA. Schon ist die Rede von einem „Double Dip“, also einer zweiten Rezessionswelle. Bisher konnten die Amerikaner ihre hohe Verschuldung immer mit ihrer wirtschaftlichen Potenz rechtfertigen. Dieses Argument zieht nicht mehr. Märkte und Experten haben zu einem erheblichen Teil das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft verloren.

Für den deutschen Mittelstand könnte die Entwicklung zu einer weiteren Veränderung führen: Wenn der Dollar im Zuge der Entwicklung schwächelt, könnte der Euro wieder an Härte gewinnen. So absurd es klingt: Für die deutsche Exportwirtschaft ist es ein Glück, dass die Europäer ausgerechnet jetzt durch ihre eigene Schuldenkrise derzeit den deutschen Unternehmen eine weiche Währung bescheren. Die Beispiel der Türkei, der Schweiz oder Japans zeigen, wie brutal das Leben außerhalb der Eurozone sein kann.

Die deutsche Politik indes muss auf der Hut sein: Der Haushalt muss konsolidiert werden, weil es mittlerweile zu viele Unbekannte im globalen Wirtschaftskreislauf gibt. Zugleich muss der Sozialstaat auf vertretbarem Niveau erhalten werden. Das Desaster der Amerikaner ist nicht zuletzt eine Folge einer immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich. Weil es in den USA einen sichtbaren Prozess der Verelendung gibt, kollabiert die Wirtschaft. Dieses Menetekel müssen sich im übrigen auch die Schwellenländer genau ansehen: China, Rußland, Brasilien, Indien – überall gibt es wenige Superreiche und Massenarmut. Ein Konzept, das nicht funktioniert – wie jetzt von S&P bestätigt wurde.

English summary: German economy is successful because of a balanced social system. Of course we benefit from the weak euro. But consumption is rather stable, and growth still pretty bold. Emerging markets should look rather at the German Mittelstand model. Like the US, China, Russia, India or Brazil have to narrow the gap between rich and poor in their societies.

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