Wird das Elektroauto in Deutschland ein Flop?

Nur 16 Prozent der Deutschen überlegen sich ernsthaft, bei ihrem nächsten Autokauf zu einem Elektroauto zu greifen. Die traurige Bilanz einer Studie.

Laut einer Studie der Gartner Inc., ein Forschungs- und Beratungsunternehmen für Informationstechnologie, stehe sich das Elektroautomobil in Deutschland vor einer schwierigen Aufgabe: die Akzeptanz bei den Verbrauchern ist in weiter Ferne. Verglichen mit anderen Antriebstechnologien stehen die Deutschen derzeit dem voll batteriebetriebenen Fahrzeugen sehr skeptisch gegenüber. „Obwohl die Mehrheit der deutschen Verbraucher weiterhin die positiven Auswirkungen der neuen Technologie in ökologischer und sozioökonomischer Hinsicht sieht, wird die breite Akzeptanz der Elektroautos weiterhin so gering ausfallen so lange die aktuellen Angebote nicht dem praktischen Nutzen der Fahrer und den Anforderungen hinsichtlich von Kostenersparnissen entsprehcen“, kommentiert Thilo Koslowski, Vizepräsident und anerkannter Analyst der Gartner Inc., die Studie.

Die Mehrheit der deutschen Verbraucher bevorzuge bei einem neuen Autokauf den Benzinmotor, gefolgt von Autos mit Hybridtechnologie. Bei letzterem sei das Interesse gegenüber dem Jahr 2010 sogar gestiegen. An dritter Position der möglichen Autoneukäufe steht der Dieselantrieb und an nächster Stelle Erdgas. Mit nur 16 Prozent der Deutschen, die sich wirklich vorstellen können, in Zukunft ein Elektroauto zu fahren, bildet diese Antriebsart das Schlusslicht. Unter denjenigen, die sich für ein Elektroauto interessieren, ist zudem fast ein Fünftel nicht einmal gewillt, die stolzen Preise für ein solches Fahrzeug mit Elektroantrieb zu zahlen, die sie für ein vergleichbares Auto mit traditionellem Motor ausgeben würden. Nur sogar 8 Prozent wären bereit, 8000€ und mehr zu investieren.

Die Anforderungen der deutschen Verbraucher an Elektrofahrzeuge beispielsweise hinsichtlich der Kostenersparnis sind hoch und können momentan von der Industrie nicht erfüllt werden. Der Studie zufolge erwartet nahezu die Hälfte der potentiellen Käufer, dass sie, wenn sie sich zum Kauf eines Elektroautos entschließen sollten, im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto 30 bis 40 Prozent der Betriebskosten einsparen. „Um von vereinzelten Käufen zu einer breiten Akzeptanz der Elektroautos, die sich im Kauf niederschlägt, zu gelangen, müssen die Hersteller sich auf technische Innovationen konzentrieren, neue Preisstrategien anwenden und verschiedenen Modelle für die jüngere Zielgruppe entwickeln“, erklärt Koslowski. Gerade in dieser Zielgruppe scheint das Interesse an der neuen Technologie zu wachsen.

Hinzu kommt jedoch, dass vor allem die Bundesregierung mit ihrem hehren Ziel, eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutschen Straßen sehen zu wollen, viel größere Finanzierungsmöglichkeiten für die Forschung und Weiterentwicklung der batteriebetriebenen Fahrzeuge anbieten muss und auch die Idee der Heimladestationen weiter verfolgen sollte. Zumal die positiven Reaktionen des deutschen Marktes auf die Hybridtechnologien zeigen, dass nicht das Elektroauto allein im Fokus stehen darf.

Für die Studie der Gartner Inc. wurden im ersten und zweiten Viertel des Jahres 2011 über 3000 Erwachsenen aus den USA, Deutschland und China befragt, die ein Auto besitzen oder leasen. Bereits 2009 hatte das Unternehmen prognostiziert, dass bis 2020 unter allen neu verkauften Autos die voll Batterie betriebenen und über einen Hybridantrieb verfügenden Autos nur 5 bis 8 Prozent ausmachen würden und bis 2030 zwischen 15 und 20 Prozent.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.