Warum mögen die Deutschen keine Schokolade mehr?

Die deutsche Süßwarenbranche verbuchte im ersten Halbjahr 2011 einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent. Nur Markenschokolade scheint von einer Stagnation im Markt noch nicht betroffen.

Der aktuelle Süßwarenmonitor der Nielsen Company zeigte für die ersten sechs Monate im Jahr 2011 einen Rückgang von 88 Millionen Euro auf nur noch 5,641 Milliarden Euro. Vor allem die Schokoladenwaren, die noch immer den größten Anteil an der Süßwarenproduktion ausmachen, verbuchten ein Minus von 1,7 Prozent im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010. Hierzu gehören Produkte wie Schokoriegel, Pralinen, Tafelschokolade oder auch Überraschungseier. Nur die zweitgrößte Warengruppe, die salzigen Snacks wie Chips, Cracker und Salzstangen konnte ein Plus von 1, 3 Prozent verbuchen, wohingegen das Gebäck und auch die Zuckerwaren (Kaugummi, Bonbons, Brausepulver etc.) ebenfalls weniger umsetzen konnten.

Jedoch scheint nicht die ganze Süßwarenbranche den Umsatzrückgang am eigenen Leib zu erfahren. Ritter Sport beispielsweise konnte im ersten Halbjahr 2011 seinen Umsatz um 10 Prozent auf 140 Millionen Euro noch steigern. Auf das gesamte Jahr gesehen rechnet Alfred T. Ritter sogar mit einem Erlösplus im einstelligen Prozentbereich.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) führt den Umsatzrückgang im gesamten Süßwarenmarkt für das erste Halbjahr vor allem auf den Schokoladenumsatz in den besonders warmen Monate April und Mai 2011 zurück. In wärmeren Monaten werde weniger zu Schokolade gegriffen. Das zeigte sich auch im deutlich kühleren Monat Juni, wo der Absatz wieder angezogen habe. So konnte der Juni 2011 im Vergleich zum Vorjahr bei den Schokoladenwaren ein Umsatzplus von 8,2 Millionen Euro zu verbuchen. Wurden im Juni 2010 65000 Tonnen Schokoladenwaren verzehrt, waren es im Juni 2011 ganze 72600 Tonnen.

Auch die Nielsen Company bestätigt den Wetterzusammenhang beim Süßwarenkauf. Gebäck habe beispielsweise im Sommer Hochkonjunktur, weil man es auch sehr gern außer Haus konsumiere und es nicht schmelze. Salzige Snacks und Schokoladenwaren erfreuen sich jedoch eher im Winter hoher Beliebtheit. Weihnachtsartikel lassen hier den Umsatz noch einmal besonders stark ansteigen.

Hinzu komme jedoch laut der Nielsen Company, dass der Süßwarenmarkt, der mit 10 Prozent Umsatz in der Ernährungsindustrie den drittgrößten Bereich ausmacht, über die letzten Jahre gewachsen sei. Die geringe, negative Veränderung zum Vorjahr weise eher auf eine Stagnation in dieser Branche hin. Positiv kann sich in diesem Fall vielleicht die gestiegene Beliebtheit deutscher Schokolade im Ausland in den nächsten Jahren auswirken. Das Statistische Bundesamt im Januar 2011 gab bekannt, dass bereits im Jahr 2010 12,9 Prozent mehr ins Ausland exportiert wurde als noch 2009. Größter Abnehmer waren hier Frankreich, Großbritannien und Österreich. Allerdings stand den Exporten auch ein Import von schweizer, niederländischer und österreichischer Schokolade im Wert von 310 Millionen Euro gegenüber.

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