Fed-Entscheidung: Deutschland durch Inflation ausbremsen

Die Beschluss der Fed, den Leitzins dauerhaft niedrig zu halten, soll den USA helfen, die Schuldenkrise geldpolitisch zu meistern. Deutschland dagegen wird die Entscheidung Kopfzerbrechen bereiten – nicht nur der Politik, sondern dem kleinen Sparer und dem soliden Mittelstand.

Berlin wird immer mehr in die Ecke gedrängt. Das Ziel der Amerikaner, welches sich in der Entscheidung von Bernard Bernanke offenbart: Durch eine Inflation einfach die Schulden „wegfluten“.

Was sich gestern in mehreren angelsächsischen Medien ankündigte (mehr dazu hier), findet heute seine konkrete Form in der Entscheidung der amerikanischen Notenbank, den Leitzins bis 2013 niedrig zu halten. Zwar ist die Federal Reserve (Fed) nicht so weit gegangen, die Zinsen zu senken. Aber auch so wird der Markt weiter mit Geld überflutet, damit die Amerikaner im globalen Wettbewerb nicht zu sehr ins Hintertreffen geraten.

Die Folgen einer Inflation sind einfach beschrieben: Schulden werden weniger drückend, Vermögen weniger wert. Am Ende entscheiden nicht mehr Wirtschaftsleistung und Wettbewerbsfähigkeit, sondern der längere Atem. Zwar wird dadurch auch Deutschland ein Stück weit von seiner Schuldenlast befreit. Aber die Deutschen sind Sparweltmeister, und auch die Unternehmen im Mittelstand halten nichts von Finanzakrobatik, sondern vertrauen auf sichere Werte. Keine andere Nation würde doch eine Inflation so getroffen wie die Deutschen, deren sozialpolitisches Konzept auf einem möglichst breiten Wohlstand für alle beruht.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass auch die Franzosen ein Interesse an einer Inflation haben. Sie sind bei weitem nicht so exportstark die die Deutschen. Ihre Binnenkonjunktur kurbeln sie mit einer starken staatlichen Beteiligung an wichtigen Industrien an. Beobachter verweisen daher mit Unbehagen auf die Tatsache, dass mit dem italienischen Trichet-Freund Draghi demnächst ein Mann an der Spitze der EZB sitzen wird, der wegen der desolaten Lage Italiens ein massives Interesse am „Wegfluten“ der aufgehäuften Schulden hat.

Denn dass Italien seinen Schuldenberg durch starkes Wachstum wieder aufholen soll glaubt kein Mensch.

Und auch von China ist – anderes als 2008 – keine Hilfe zu erwarten: Just heute meldet die Zeitung „China Daily“, dass die Inflation in China ein unerwartetes, neues Hoch erreicht hat. Die Spielräume der Chinesen sind bei weitem nicht mehr so groß wie vor drei Jahren, als das Reich der Mitte antrat, um am globalen Bailout nach der Lehman-Pleite mitzuwirken.

Einziger Trost für die Deutschen: Durch die Niedrigzins-Entwicklung bleibt auch der Dollar weich. Damit werden Rohstoffe tendenziell billiger. Dies wiederum ermöglicht es dem exportorientierten deutschen Mittelstand, noch wettbewerbsfähigere Preise zu erzielen. Vielleicht hilft den Deutschen in dieser verzwickten Lage das türkische Sprichwort, dass der Profit immer eher beim Einkauf denn beim Verkauf gemacht wird.

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