Bonität Frankreichs: Muss Deutschland mehr zahlen?

Wenn die Franzosen ihr Triple A verlieren, müsste Deutschland 100 Milliarden Euro mehr in den Euro-Rettungsfonds einzahlen. Keine schöne Aussicht.

Auch wenn sich die Gerüchte am Mittwoch dementiert wurden, dass die Société Générale als eine der größten französischen Banken knapp vor der Zahlungsunfähigkeit stehe: Die heftige Reaktion an den Märkten belegt, wie verunsichert alle Marktteilnehmer sind. Eine englische Boulevard-Zeitung hatte die Ente verbreitet – und schon ging es an den Börsen steil abwärts. Auch andere Banken hatten heftige Verluste zu verkraften, und das, obwohl die Schwankungen von Bank-Aktien normalerweise nicht so heftig ausfallen.

Die Sorgen um die Bonität Frankreichs dagegen werden anhalten (mehr hier). Zwar kehrte Präsident Nicolas Sarkozy aus dem Urlaub zurück. Sein Finanzminister betonte, dass die Regierung am Sparkurs nicht nur festhalten, sondern ihn sogar verschärfen wolle. Dazu plant Sarkozy sogar eine Verfassungsänderung, in der eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild eingezogen werden soll. Das ist zwar ein honoriges Bekenntnis, aber politisch muss Sarkozy das Programm erst mal durchsetzen. Die Rechten scharren schon. Im bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf muss sich erst zeigen, wie viel Einschnitte die französische Öffentlichkeit verträgt kann. Die Krawalle von London zeigen, dass sich die Schuldenkrise nun auch auf die Straße verlagert hat. In den armen Gegenden von Paris genügt bekanntlich ein Funken, und dann wird auch dort wieder randaliert.

Das Wirtschaftswachstum in Frankreich ist bescheiden und von vielen globalen Unbekannten abhängig. Sollte es jedoch nicht gelingen, den Haushalt auf der Ausgabenseite zu sanieren, könnte eine Herabstufung Frankreichs durch die Ratingagenturen erfolgen. Diese agieren seit neuestem nicht mehr nur nach Berechnungen, sondern argumentieren auch mit politischen Einschätzungen.

Sollte Frankreich im Zuge der Schuldenkrise tatsächlich herabgestuft werden, ist auch der Euro-Rettungsfonds in Gefahr. Das „Wall Street Journal“ hat diesen Fall einmal analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Wenn Frankreich ausfällt, ist Deutschland wieder einmal als Zahlmeister gefragt. Statt jetzt 211 Milliarden Euro müsste Deutschland dann satte 325 Milliarden Euro vorhalten – vorausgesetzt, die EZB bleibt bei ihren strengen formalen Vorgaben. Neben Deutschland müssten auch Österreich, die Niederlande, Luxemburg und Finnland signifikant mehr Geld locker machen. (Tabelle hier)

Das dürfte politisch in keinem der Länder einfach durchzusetzen sein – schon gar nicht für Angela Merkel in Deutschland. Die Achse Berlin-Paris wird in den kommenden Wochen also auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Die Alternativen sind einfach und schmerzhaft: Entweder wird die Euro-Zone zu einer echten Transferunion. Die Volkswirtschaften der Länder müssten dann noch mehr verschmelzen, als dies ohnehin schon der Fall ist. Voraussetzung dazu ist eine ehrliche, gerechte und transparente gemeinsame Wirtschaftsordnung. Oder aber es kommt in Kerneuropa zum alten Kampf jeder gegen jeden. Genau das wollte die Idee des Euro als einer gemeinsamen Währung allerdings genau verhindern.

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