Wird der Schweizer Franken schon bald an den Euro gekoppelt?

Die Schweizer Nationalbank will angesichts des harten Schweizer Franken alle Maßnahmen ergreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sicherzustellen. Sogar das bislang Undenkbare wird auch auf einmal denkbar.

Die Sorgen um die anhaltende Stärke des Franken machen der Schweizer Exportwirtschaft weiter zu schaffen. Die Schweizer Nationalbank (SNB) versucht, durch verschiedene Maßnahmen gegenzusteuern. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge könnte eine der Maßnahmen sogar die vorübergehende Koppelung des Schweizer Franken an den Euro sein. Auch die Schweizer „Handelszeitung“ hält diese Maßnahme für denkbar. Beide Blätter interpretieren Aussagen der SNB-Direktoriumsmitglieder Thomas Jordan und Jean-Pierre Danthine, die beide in Interviews auf die Dramatik der Lage hingewiesen hatten. Beide hatten, wenngleich nicht direkt auf eine Koppelung an den Euro zielend, davon gesprochen, dass alle Maßnahmen in Erwägung gezogen werden müssten, die dem Franken helfen können. So lange dies mit der Preisstabilität auf lange Sicht vereinbar sei, sei auch die Koppelung an den Euro denkbar, wird spekuliert.

Die SNB vergleicht die aktuelle Franken-Stärke mit dem Höhenflug Ende der 70er Jahre. Die Bezeichnungen der aktuellen Entwicklung der Schweizer Währung als „überwertet“, „massiv“ und „extrem“ seien keinesfalls übertriebene Stimmungsmache der Medien, sondern träfen tatsächlich auf die derzeitige Situation zu. Man erwarte definitiv, dass die Wirtschaft deutlich abgebremst werde und denkt bereits über weitere Maßnahmen nach.

Die SNB verweist darauf, dass die Stärke des Franken nicht die wirtschaftliche Realität abbilde, sondern Ergebnis einer massiven Flucht der Anleger in die Schweizer Währung im Zuge der Euro-Krise. Die Menschen legen nicht an, um sehr kleine Renditen zu erhalten, sondern aus reinem Sicherheitsgedanken – es geht um den sogenannten „save haven“ (sicherer Hafen).

Experten sehen schon, wo das hinführt: „Ich vermute, dass die Blase, die sich um den Schweizer Franken gebildet hat, bald einmal aufgestochen wird. Dann werden jene, die erst in den letzten Wochen Schweizer Franken gegen Euro gekauft haben, 10 Prozent oder mehr verlieren“, gibt Martin Janssen, Professor für Finanzmarktökonomie am Institute for Banking and Finance der Universität Zürich, jedoch zu bedenken.

Um die Liquidität zu beschleunigen könnte sich die SNB sogar erstmals seit 2008 wieder Devisenswap-Geschäfte, ein gleichzeitiger Kauf von Devisen am Kassamarkt und Verkauf am Terminmarkt und auch umgekehrt, vorstellen. Welche weiteren Szenarien noch denkbar seien und welche letzten Maßnahmen die SNB noch in Petto hätte wollten die Schweizer Nationalbank jedoch nicht bekanntgeben. Für Prof. Janssen wäre eine wirklich schlimme Situation, wenn der Versuch der SNB, eine Untergrenze zu verteidigen, fehlschlagen würde. Dies hätte eine weitere Verteuerung des Franken und einen fortschreitenden Verlust der Glaubwürdigkeit der SNB zur Folge.

Seit Beginn des Jahres konnte der Schweizer Franken im Vergleich zum Euro 20 Prozent an Wert gewinnen. Selbst die Senkung des Leitzinses vor vier Wochen ’gen null und auch die Ankündigung die Liquidität durch eine Anhebung des Sichtguthabens, also die Einlage von Girokonten, der Banken bei der SNB von 80 Milliarden auf 120 Milliarden Schweizer Franken zu erhöhen, erzielte bislang keine Wirkung. Gestern, am 10.08.2011, lag der Schlusskurs bei 1,0299 Euro.

Im Gegensatz zu den meisten Euro-Ländern und den USA ist die Schweiz viel weniger verschuldet und weist eine bessere Wachstumsrate auf. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes wächst stetig. Zuletzt im ersten Quartal 2011 um 0,3 Prozent auf 2,4 Prozent. Im Jahr 2012 müsse man jedoch von einem Rückgang des BIP-Wachstums auf 1,5 Prozent ausgehen. Schon länger spürt vor allem die Wirtschaft die Folgen des starken Franken. Besonders im Export sehen die Unternehmen eine Bedrohung ihrer Wettbewerbsfähigkeit, ihre Waren werden immer teurer.

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