Leerverkäufe: Das Problem heißt Frankreich

Das Verbot von Leerverkäufen an mehreren europäischen Aktienmärkten ist purer Aktionismus. Das Problem sind nicht spekulative Attacken gegen Banken die Societé Générale. Der Grund für die Hektik sind die substantiellen Probleme, die Frankreich hat.

Die Daten, die am Freitag veröffentlicht wurden, sind ziemlich besorgniserregend. Die französische Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2011 kein Wachstum mehr produziert. Grund: Die Konsumenten haben die Reißleine beim Geldausgeben gezogen. Der private Konsum ging um 0,7 Prozent zurück – so stark wie noch nie seit 15 Jahren.

Die substantiellen Probleme der franzöischen Wirtschaft werden mit dieser Entwicklung verschärft. Denn die Franzosen haben bisher in der Schuldenkrise kaum Maßnahmen ergriffen, um ihre eigenen Schulden zu sanieren. Der Haushalt ist aufgebläht, die soziale Gerechtigkeit im Land dennoch nicht krisenfest. Es ist nicht auszuschließen, dass ein energisches Sparprogramm zu ähnlichen Reaktionen wie in London führen könnte. Die Integration von Emigranten ist ist Frankreich noch schlechter als in Großbritannien. Es braucht nicht viel, um die Schuldenkrise auch in Paris auf die Straße zu tragen.

Wenn aber weder auf der Ausgabenseite noch auf beim Wachstum die Tendenz in die richtige Richtung deutet, dann wird Frankreich zum Problem für die ganze Euro-Zone. Sollte Frankreichs Bonität ähnlich der der USA herabgestuft werden, käme auf Deutschland eine zusätzliche Belastung von 100 Milliarden Euro zu – nur, um den Euro-Rettungsschirm in der beschlossenen erweiterten Form zu finanzieren. Die “Rettung” Frankreichs wurde vorerst noch gar nicht berechnet. In jedem Fall kann Angela Merkel diese Aufgabe nicht allein schultern – schon dewegen, weil sie die Größenordnung weder den deutschen Steuerzahlern noch den Unternehmen im Mittelstand aufbürden kann.

Die franzöisische Wirtschaft exisitiert jedoch nicht in einem Vakuum – ebensowenig wie der französische Staat. Beide sind eng miteinande verflochten. Das Bindeglied sind die französischen Banken. Deren Kurse sind abgestürzt. Spanische Banken und die Mailänder Banco Popolare stehen unter noch größerem Druck, wie das Wall Street Journal treffend analysiert.

Gemeinsam mit den Konsumenten, die in ihrer Konsumverweigerung ein unbestechlicher Frühindikator für einen Abschwung sind, haben offenbar Anleger und Händler kein Vertrauen in die französischen Banken. Nichts anderes ist die Botschaft der Leerverkäufe.

Sie nun zu verbieten ist unlogisch und halbherzig. Wenn, dann muss man es so machen wie Deutschland und sagen: Leerverkäufe lehnen wir grundsätzlich ab. Vor allem ungedeckte Leerverkäufe können die Realität schaffen, gegen die sie spekulieren. Mitten im Prozess sind Leerverkäufe jedoch auch ein Indikator für den Wert, den der Markt einem Produkt – sei es ein Land, sei es ein Unternehmen – gibt. Der Markt hat in dieser Woche eine klare Botschaft abgegeben: Das Vertrauen in Frankreich und die Banken des Landes sinkt, und zwar rapide.

Das grundlegende Problemm ist in der aktuellen Lage weniger Nicola Sarkozy. Die französische Volkswirtschaft hat erhebliche strukturelle Probleme. Zuviele große Unternehmen sind mit dem Staat verwoben. Das gilt auch für die Banken. Es ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar, wer da wen aus dem Sumpf ziehen kann.

Mehr zu:

Bonität Frankreichs (hier)

100 Milliarden Belastung für Deutschland (hier)

Kommentare

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  1. Albert Albern sagt:

    Naiv – wer keine französischen Aktien besitzt, muss sie doch nicht Hals über Kopf verkaufen…

    Frankreichs Bonität ist ein Problem, Leerverkäufe sind ein anderes. Problem!!!

  2. Albert Albern sagt:

    Naiv – wer keine französischen Aktien besitzt, muss sie doch nicht Hals über Kopf verkaufen…

    Frankreichs Bonität ist ein Problem, Leerverkäufe sind ein anderes. Problem!!!

  3. Albert Albern sagt:

    Naiv – wer keine französischen Aktien besitzt, muss sie doch nicht Hals über Kopf verkaufen…

    Frankreichs Bonität ist ein Problem, Leerverkäufe sind ein anderes. Problem!!!

  4. Albert Albern sagt:

    Naiv – wer keine französischen Aktien besitzt, muss sie doch nicht Hals über Kopf verkaufen…

    Frankreichs Bonität ist ein Problem, Leerverkäufe sind ein anderes. Problem!!!