Ausländische Fachkräfte: Scheitern an Deutschland

Nach Berechnungen des Instituts zur Zukunft der Arbeit fehlen bis 2020 rund 240.000 Ingenieure in Deutschland. Und doch schaffen es viele, die gekommen sind nicht. Nicht selten führt der Weg von der Bewebung als Ingenieur zu nichts anderem als Frust - und einem Job in einer Reinigungsfirma.

Als Alexander Michaelis sich 1996 entschloss nach Deutschland zu ziehen, war er getrieben von Angst vor dem Tschetschenien Krieg, wirtschaftlichen Problemen und dem Wunsch, im selben Land wie seine Mutter zu leben. Sie war bereits vor ihm ausgewandert. Im Nordkaukasus hatte der Deutsch-Russe einen Universitätsabschluss als Maschinenbauingenieur absolviert und arbeitete in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb als Chefingenieur. Doch Deutschland schien seine Ausbildung und Fähigkeiten nicht zu benötigen.

Am 22. Juni 2011 verabschiedete das Bundeskabinett das so genannte Konzept zur Fachkräftesicherung. Im Zuge des drohenden Fachkräftemangels soll dieses den Arbeitgebern die Anwerbung von ausländischen Ingenieuren erleichtern. Sie sind so in der Lage, ab sofort Arbeitnehmer aus Staaten außerhalb der EU anzuwerben, ohne vorher nachweisen zu müssen, dass es im Inland selbst keinen geeigneten Bewerber gibt.

Wie schwierig der Weg zu einer Anstellung im erlernten Fachbereich sein kann, erfuhr der heute 53-jährige Alexander Michaelis am eigenen Leib. Seit fünf Jahren arbeitet er nun bei einer Reinigungsfirma in Berlin. Die letzte Bewerbung als Ingenieur schrieb er vor einem Jahr. Alexander Michaelis ist ein gewissenhafter Arbeitnehmer, freundlich und spricht Deutsch mit leichtem russischem Akzent. Als er vor elf Jahren nach Deutschland kam, wertete man seinen Universitätsabschluss nur als Fachhochschulniveau und nach einem halben Jahr Sprachkurs sagte ihm das damalige Arbeitsamt, dass es in Deutschland zu viele Ingenieure gebe und er sich besser im Computerbereich versuchen sollte.

Er schrieb dennoch unzählige Bewerbungen, um als Ingenieur in Deutschland eine Anstellung zu kriegen, doch die meisten Unternehmen antworteten nicht einmal. Währenddessen schlug ihm das Arbeitsamt vor, eine 21-monatige Fortbildung als mathematisch-technischer Assistent zu absolvieren. Eine Arbeit fand er danach dennoch nicht in diesem Bereich. Erst durch die Vermittlung des Sozialamtes konnte er eineinhalb Jahre über eine Zeitarbeitsfirma eine Stelle finden. Der später angebotene 1-Jahresvertrag wurde jedoch nicht verlängert.

Eine Weiterbildung als Internet-Producer und eine gescheiterte Ich-AG führten ihn zu einer 6-monatigen Arbeitslosigkeit und letztlich zur Anstellung in der Reinigungsfirma. Mittlerweile hat er es aufgegeben, sich Ingenieur zu bewerben. Nach 15 Jahre ohne Weiterbildung auf diesem Feld, wüsste er gar nicht, ob er überhaupt noch den Ansprüchen genügen würde.

Einen Lichtblick jedoch hat er: Seine drei Kinder besuchen eine Universität. Die 31- und 28-jährigen Töchter studieren Wirtschaft und Mathematik und der 23-jährige Sohn hat gerade an der Technischen Universität in Berlin sein erstes Semester hinter sich gebracht. Er will Maschinenbauingenieur werden – wie sein Vater früher.

Kommentare

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  1. Dr. Jens Romba sagt:

    Ich wünsche diesem Ingenieur von ganzem Herzen, daß dieser doch noch eine adäquate Anstellung bekommt. Genauso wünsche ich auch seinen Kindern, daß sich deren Studium für Sie auch lohnt. In der europäischen und somit auch in der deutschen Realität befürchte ich für diesen Ingenieur sowie für seine Kinder allerdings das Schlimmste.

    Der Grund für diese Befürchtung sind zum einen eigene leidvolle Erfahrungen. Zum anderen aber auch ein offener Brief, den ich vor kurzem erst unter anderem an das Bundesarbeitsministerium geschrieben und auf den ich von diesem auch eine Antwort erhalten habe.

    Mittlerweile ist der offene Brief ans Ministerium veröffentlicht worden. Und zwar unter

    http://www.readers-edition.de/2011/08/03/offener-brief-zum-thema-fachkraeftemangel-an-die-dafuer-zustaendigen-personen

    sowie unter

    http://www.mister-wong.de/user/DrJensRomba/

    Das Antwortschreiben ist im Link zum Kopp-Verlag hin zu finden. Sich diese sowie die Folgelinks einmal gründlich durchzuarbeiten, würde sich für weitere Einwanderer und angehende Akademiker durchaus lohnen.

    Dr. Jens Romba

  2. Dr. Jens Romba sagt:

    Ich wünsche diesem Ingenieur von ganzem Herzen, daß dieser doch noch eine adäquate Anstellung bekommt. Genauso wünsche ich auch seinen Kindern, daß sich deren Studium für Sie auch lohnt. In der europäischen und somit auch in der deutschen Realität befürchte ich für diesen Ingenieur sowie für seine Kinder allerdings das Schlimmste.

    Der Grund für diese Befürchtung sind zum einen eigene leidvolle Erfahrungen. Zum anderen aber auch ein offener Brief, den ich vor kurzem erst unter anderem an das Bundesarbeitsministerium geschrieben und auf den ich von diesem auch eine Antwort erhalten habe.

    Mittlerweile ist der offene Brief ans Ministerium veröffentlicht worden. Und zwar unter

    http://www.readers-edition.de/2011/08/03/offener-brief-zum-thema-fachkraeftemangel-an-die-dafuer-zustaendigen-personen

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    Das Antwortschreiben ist im Link zum Kopp-Verlag hin zu finden. Sich diese sowie die Folgelinks einmal gründlich durchzuarbeiten, würde sich für weitere Einwanderer und angehende Akademiker durchaus lohnen.

    Dr. Jens Romba

  3. Dr. Jens Romba sagt:

    Ich wünsche diesem Ingenieur von ganzem Herzen, daß dieser doch noch eine adäquate Anstellung bekommt. Genauso wünsche ich auch seinen Kindern, daß sich deren Studium für Sie auch lohnt. In der europäischen und somit auch in der deutschen Realität befürchte ich für diesen Ingenieur sowie für seine Kinder allerdings das Schlimmste.

    Der Grund für diese Befürchtung sind zum einen eigene leidvolle Erfahrungen. Zum anderen aber auch ein offener Brief, den ich vor kurzem erst unter anderem an das Bundesarbeitsministerium geschrieben und auf den ich von diesem auch eine Antwort erhalten habe.

    Mittlerweile ist der offene Brief ans Ministerium veröffentlicht worden. Und zwar unter

    http://www.readers-edition.de/2011/08/03/offener-brief-zum-thema-fachkraeftemangel-an-die-dafuer-zustaendigen-personen

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    Das Antwortschreiben ist im Link zum Kopp-Verlag hin zu finden. Sich diese sowie die Folgelinks einmal gründlich durchzuarbeiten, würde sich für weitere Einwanderer und angehende Akademiker durchaus lohnen.

    Dr. Jens Romba

  4. Dr. Jens Romba sagt:

    Ich wünsche diesem Ingenieur von ganzem Herzen, daß dieser doch noch eine adäquate Anstellung bekommt. Genauso wünsche ich auch seinen Kindern, daß sich deren Studium für Sie auch lohnt. In der europäischen und somit auch in der deutschen Realität befürchte ich für diesen Ingenieur sowie für seine Kinder allerdings das Schlimmste.

    Der Grund für diese Befürchtung sind zum einen eigene leidvolle Erfahrungen. Zum anderen aber auch ein offener Brief, den ich vor kurzem erst unter anderem an das Bundesarbeitsministerium geschrieben und auf den ich von diesem auch eine Antwort erhalten habe.

    Mittlerweile ist der offene Brief ans Ministerium veröffentlicht worden. Und zwar unter

    http://www.readers-edition.de/2011/08/03/offener-brief-zum-thema-fachkraeftemangel-an-die-dafuer-zustaendigen-personen

    sowie unter

    http://www.mister-wong.de/user/DrJensRomba/

    Das Antwortschreiben ist im Link zum Kopp-Verlag hin zu finden. Sich diese sowie die Folgelinks einmal gründlich durchzuarbeiten, würde sich für weitere Einwanderer und angehende Akademiker durchaus lohnen.

    Dr. Jens Romba

  5. Albert Albern sagt:

    Tja, die „Globalisierung“ scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken. Über die Qualität der Bildung in entfernteren Ländern haben wir immer noch keine Ahnung…

    Liegt das an unserem eigenen Wissen und damit an der „Bildung“???

  6. Albert Albern sagt:

    Tja, die „Globalisierung“ scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken. Über die Qualität der Bildung in entfernteren Ländern haben wir immer noch keine Ahnung…

    Liegt das an unserem eigenen Wissen und damit an der „Bildung“???

  7. Albert Albern sagt:

    Tja, die „Globalisierung“ scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken. Über die Qualität der Bildung in entfernteren Ländern haben wir immer noch keine Ahnung…

    Liegt das an unserem eigenen Wissen und damit an der „Bildung“???

  8. Albert Albern sagt:

    Tja, die „Globalisierung“ scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken. Über die Qualität der Bildung in entfernteren Ländern haben wir immer noch keine Ahnung…

    Liegt das an unserem eigenen Wissen und damit an der „Bildung“???