Frankreichs Fall hätte gravierende Folgen für Deutschland

Wird Frankreich wegen der Schuldenkrise herabgestuft, muss sich der deutsche Mittelstand Sorgen machen. 10% der deutschen Exporte gehen nach Frankreich.

Jedes zehnte deutsche Unternehmen ist in internationale Kooperationen eingebunden. Eine Herabstufung Frankreichs könnte auch hierzulande zu einem Problem führen, fürchten Experten. 350.000 Unternehmen aus Deutschland exportieren nach Frankreich.  98% dieser Unternehmen kommen aus dem Mittelstand. Besonders der Maschinenbau, die Automobilzulieferer und die Chemieindustrie könnten von einer Verschärfung der Krise betroffen sein, immerhin macht der EU-Raum fast 60% des Im- und Exports aus.

Hinzu kommt, dass Frankreich Deutschlands wichtigster Exportpartner ist. Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) gehen rund 10 Prozent der deutschen Exporte ins Nachbarland: „Sollte die Nachfrage deutscher Produkte nachlassen, würde sich das in den Auftragsbüchern vieler Mittelständler bemerkbar machen“, sagt Marc Evers, Leiter des Referates Mittelstand und Existenzgründung der DIHK.

Die ersten Auswirkungen der Krisensituation spüren laut einer Unternehmensumfrage der IW-Consult besonders die großen Unternehmen mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Diese sind schon zu 32,3 Prozent „sehr negativ“ beziehungsweise „eher negativ“ von den Turbulenzen betroffen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Lobbyisten-Organisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die mit der WirtschaftsWoche die Umfrage in Auftrag gegeben hat, versucht jedoch zu beruhigen: „Die Umfrage zeigt, dass sich die Schulden-Krise zwar auf die Unternehmen niederschlägt, die gegenwärtige Unsicherheit an den Finanzmärkten scheint aber übertrieben.“

Ähnlich sieht es auch Jürgen Matthes, Senior Economist am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln): „Die ganze Panik, die gemacht wird, ist eine Panik, die weitgehend überzogen ist. Das Problem ist, dass alle Länder jetzt gerade auch durch die letzte Finanzkrise Konjunkturprogramme schnüren und so einen starken Anstieg der Staatsverschuldung hinnehmen mussten.“

Auch Marc Evers versucht der Lage noch eine beruhigende Seite abzugewinnen: „Ursache des Stillstands beim BIP-Wachstum ist das sparsame Verhalten der französischen Verbraucher. Deutsche Mittelständler liefern jedoch vor allem industrielle Vorprodukte.“

Jürgen Matthes vom IW Köln kann jedenfalls nicht nachvollziehen, dass nun nach Italien und Spanien alle auf Frankreich schauen und dramatische Szenarien entwerfen. „Was wir gegenwärtig in Frankreich sehen, ist ein leichter, geringfügiger Anstieg der Renditereferenzen. Die französischen Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen liegen aktuell bei 2,95 Prozent, also unter 3 Prozent“, unterstreicht Matthes.

Die Realität könnte dennoch unerfreulicher werden, als es die Momentaufnahme nahelegt. Die neuen Ergebnisse der eurostat und des Statistischen Bundesamtes zeigen keine allzu hohen Konjunkturerwartungen. Das nur um 0,2 Prozent gestiegene BIP des Euroraums im Vergleich zum Vorquartal zeigt, dass die Konjunktur gebremst wird. In Deutschland etwa lag in diesem Quartal nur das Wirtschaftswachstum nur bei 0,1 Prozent und in Frankreich bei 0,0 Prozent.

Ausweichpfade finden sich nach Einschätzung der DIHK für exportorientierte Mittelständler auf anderen Märkten. Der Mittelstand ist im Schnitt auf 16 Auslandsmärkten aktiv. Auch sehr kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 50.000 Euro liefern rund mitunter in sieben verschiedene Märkte. „Es gibt also vielfältige Möglichkeiten, den Einbruch in einem Markt durch Aktivitäten auf anderen Märkten zu kompensieren“, hofft Evers.

Allerdings sieht selbst der Vertreter des IW mit Blick auf Frankreich einen erheblichen Vertrauensverlust in den Märkten: „Die Politik hat an Glaubwürdigkeit verloren und zu langsam agiert“, sagt Matthes. Es brauche ein glaubwürdiges Bekenntnis der Wirtschaftspolitik, dass die Konsolidierungsstrategien wirklich ernst gemeint seien, um noch größere Irritationen der Märkte zu vermeiden.

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