Europa: „Zweifel wie stabil die Banken wirklich sind“

Neben der Verflechtung mit der Politik sorgt auch die Verflechtung der europäischen Banken untereinander für Kopfzerbrechen. Der Mittelstand muss sich darauf einstellen: Es wird schwerer, an Kredite zu kommen.

Gerade hatte man in Deutschland wieder das Vorkrisenniveau erreicht, schon bahnt sich eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums an. Nur um 0,2 Prozentpunktewuchs das BIP in der EU im zweiten Quartal dieses Jahres und in Deutschland nur um 0,1 Prozent. Besonders Banken in Griechenland, Spanien, Irland, Italien und Portugal aber auch die deutsche Commerzbank leiden stark unter den Folgen der Eurokrise, die den begrüßten Konjunkturaufschwung nun wieder bremst.

Noch halten sich die Banken nach außen hin bedeckt. In den vergangenen Wochen ist ihre Bereitschaft einander Geld zu leihen, signifikant zurückgegangen. Stattdessen bunkern die Banken ihr Geld bei der EZB. Vor allem bei den Banken in Italien, Frankreich, Spanien und Portugal herrscht besondere Nervosität. In Deutschland ist auch die Commerzbank ein Problemfall. Aber auch andere deutsche Banken bleiben nicht unbeeindruckt: „Da diese Länder und deren Banken natürlich auch mit anderen Banken aus nordeuropäischen Ländern verflochten sind, bleiben für den Euroraum natürlich gewisse Risiken und Zweifel, wie stabil diese Banken wirklich sind“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Man müsse sich hinsichtlich dieser Tragweite fragen, welche Kreditvergabemöglichkeiten die betroffenen Banken noch haben, falls es größere Abschreibungen aus der Staatenkrise beziehungsweise der Krise der Staatsfinanzen heraus geben sollte. Die Deka Bank unternimmt regelmäßig Studien auf der Makroebene der Banken, um eine Einschätzung der Stabilität geben zu können.

„Offiziell und nach den verfügbaren Daten gibt es nach der Finanzkrise 2008/09 jedoch keinerlei Anzeichen für einen so genannten Kreditschock oder eine Kreditklemme“, sagt Kater. Der Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler Max Otte spricht zwar von einer „latenten, schwelenden Bankenkrise“, ergänzt jedoch: „Alle wissen heute, dass sie im Zweifelsfalle gerettet werden. Es wird andere Verhaltensmuster geben: Man wird auf Scheingeschäfte ausweichen, aber es wird aus meiner Sicht nicht mehr zu Einfrieren der Finanzmärkte kommen.“ (ausführliches Interview hier)

Welche Folgen letztlich die Herabstufung der USA vor zwei Wochen durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s, gegen die das US-Justizministerium laut der New York Times nun ermittelt, und die Spekulationen gegenüber Italien auf das Bankensystem haben werden, bleibt abzuwarten.

Viele Möglichkeiten haben die Banken nicht. Vermutlich müssen sie, wie George Soros vor einigen Tagen gefordert hat, ihre Eigenkapitalfinanzierung dramatisch erhöhen. Die bereits eingeführten und auch geplanten Restriktionen in der Kreditwirtschaft, wie die Anhebung der Eigenkapitalstandards, der Liquiditätsbestimmungen und etwa auch der Verbraucherschutzverordnungen, können nämlich die Situation weiter verschärfen. Möglicherweise so stark, dass die Kreditnachfrage der Unternehmen in naher Zukunft dominieren könnte. In diesem Zusammenhang zweifelt Deka Bank-Volkswirt Kater an den jüngst von Merkel und Sarkozy vorgelegten Vorschlägen zur Krisenbekämpfung. Sie seien möglicherweise „zu restriktiv“, vor allem die schon heftig angefeindete Transaktionssteuer könnte den Markt erneut unter Druck bringen.

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