Schuldenkrise: Fed „sehr besorgt“ über europäische Banken

Die amerikanische Notenbank hält offenbar rund um die Uhr Krisensitzungen mit großen europäischen Banken ab. Der Grund: Die Verflechtung der vom Strudel der Schuldenkrise erfassten europäischen Banken mit dem amerikanischen Finanzsystem.

Der Absturz der Börsen am Donnerstag wurde unter anderem von einer Meldung im Wall Street Journal ausgelöst. Demnach zeigen sich Vertreter der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) sehr besorgt, dass die europäischen Schuldenkrise auch das amerikanische Finanzsystem erfassen könnte. DAX, FTSE und CAC gingen in die Knie, und auch der Dow Jones kannte nur eine Richtung – nach unten.

Die für die europäischen Banken zuständige Fed in New York berät sich praktisch rund um die Uhr mit großen europäischen Banken, um herauszufinden, ob diese Banken genügend Liquidität hätten, um ihre Geschäfte in den USA zu betreiben. Die Fed erhöht demnach den Druck auf die europäischen Banken: Sie fordert Strukturreformen, die so weit gehen, dass die Notenbank vorschlägt, die Banken sollten ihre US-Aktivitäten von den europäischen Mutterhäusern abspalten und als unabhängige Geschäftsbereiche führen. Es sei das Ziel, dass die Finanzierung der US-Aktivitäten ausschließlich in den USA stattfinde – um sich von möglichen Finanzierungsproblemen in Europa abzukoppeln. Dem Bericht des Wall Street Journal zufolge sind die Notenbanker „sehr besorgt“, dass die europäischen Banken Liquiditätsprobleme bekommen könnten.

Die Sorge der Fed: Wenn sich die Schuldenkrise auf die europäischen Banken ausbreitet, könnten diese Probleme bekommen, ihren Verbindlichkeiten in den USA nachzukommen. Besonders die Société Générale, die Deutsche Bank und die UniCredit sind massiv in den USA engagiert. Die Fed gab allerdings keine Indikation, dass sie sich speziell Sorgen um diese Banken mache.

Als Zeichen für die zunehmend angespannte Lage der Banken wurde ein Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) gewertet, dass sich eine ungenannt bleibende Bank bei der EZB 500 Millionen Dollar zur Sicherung der kurzfristigen Liquidität geliehen habe – ein bemerkenswerter Schritt, der auf einige Dringlichkeit des Cash-Bedarfs hinweist, weil diese Bank bei der EZB höhere Zinsen zahlen muss. Offenbar war keine andere Bank bereit gewesen, dieser Bank Geld zu leihen.

Obwohl die meisten Banken in Europa am Mittwoch versicherten, dass sie bereits 90% ihres Cash-Bedarfs für 2011 gesichert hätten, bleibt immer noch ein Loch von ungefähr 115 Milliarden Dollar, wie Morgan Stanley ermittelt hat.

Beobachter sorgen sich, dass in einer Krise alle Kanäle austrocknen könnten, über die die Banken sich Geld beschaffen können. Dies würde innerhalb kurzer Zeit auf die Realwirtschaft durchschlagen, womit sich der Mittelstand vor akute Liquiditätsprobleme gestellt sähe.

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Kommentare

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  1. reiner tiroch sagt:

    Aber uns wurde doch 2x heilig versprochen, dass alle Banken den fürchterlichen Stresstest bestanden haben.

  2. reiner tiroch sagt:

    Aber uns wurde doch 2x heilig versprochen, dass alle Banken den fürchterlichen Stresstest bestanden haben.

  3. reiner tiroch sagt:

    Aber uns wurde doch 2x heilig versprochen, dass alle Banken den fürchterlichen Stresstest bestanden haben.

  4. reiner tiroch sagt:

    Aber uns wurde doch 2x heilig versprochen, dass alle Banken den fürchterlichen Stresstest bestanden haben.