Massive Steuerflucht in Griechenland

Experten rechnen mit einer viel tieferen und längeren Rezession in Griechenland. Beschleunigt wird der Niedergang offenbar durch einen dramatischen Verfall der Steuermoral.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat am Freitag die Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung des Landes weiter nach unten korrigiert: Anstatt der bisherigen Schätzungen in der Höhe von minus 3,8% bis 3,9% spricht Venizelos nun von einer Rezession in Griechenland mit mindestens 4,5% Wirtschaftsrückgang. Das Finanzministerium widerspricht den von mehreren Analysten geäußerten Befürchtungen, wonach die griechische Wirtschaftsleistung dieses Jahr sogar um bis zu 5,2% schrumpfen und das Staatsdefizit zwischen 8% und 8,5% des BIP liegen könnte.

Die Einnahmen sind in den ersten sieben Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,9 Milliarden Euro zurückgegangen, die Ausgaben stigen um 2,7 Milliarden an. Venzelios forderte in einem Brief an EU-Währungskommissar Olli Rehn, den Vorsitzenden der Eurogruppe Jean-Claude Juncker und den EZB-Chef Trichet gerichteten Brief eine rasche Überweisung der nächsten Tranche von 109 Milliarden Euro. Dies solle eine „klare und positive Nachricht and die Märkte und an die Bürger der EU“ sein. Venzelios fordert, dass die Diskussion um Bedingungen an die Hilfen wie von Finnland und Österreich angestossen, beendet werde solle.

Die Entwicklung in Griechenland dürfte durch eine unerwartete Reaktion der griechischen Bevölkerung auf die dramatischen Sparpakete in der Schuldenkrise verschärft werden. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge beobachten die griechischen Finanzbehörden „Steuerhinterziehung im großen Stil“. Sowohl private Unternehmen wie auch individuelle Steuerpflichtige reagieren in Griechenland auf diese Weise offenbar unmittelbar auf ihre sinkenden Einkommen: Das Bezahlen der Steuern hat für viele, die um die nackte Existenz kämpfen, offenbar keine Priorität mehr. Die Einkommen in Griechenland sind teilweise erheblich zurückgegangen, und Kredite werden den Bürgern nicht mehr gewährt.

Bezeichnenderweise auch nicht von jenen Banken, die durch den Transfer der europäischen Rettungsmittel am meisten von der Schuldenkrise profitieren. Ihr Beitrag zum Aufbau der lokalen Wirtschaft in Griechenland hält sich also in Grenzen – und das, obwohl sie Geld von der EZB weiterhin praktisch zinsfrei erhalten können.

Durch die sich abzeichnende Liquiditätskrise und die schlagartige Zurückhaltung im Interbankengeschäft sind die Möglichkeit der Banken vor allem wegen der internationalen Verflechtungen und Abhängigkeiten begrenzt. Das Prinzip „too big to fail“ hat zieht als eine der Konsequenzen eine weitere Entkoppelung der Bankdienstleistungen von der Realwirtschaft nach sich.

In Griechenland zeigt sich nun, wohin diese Entwicklung im Zug der Schuldenkrise führt: Nach Einschätzung von griechischen Finanzfachleuten werde die laxe Steuerdisziplin noch Jahre den wirtschaftlichen Aufschwung verhindern. Je mehr der Staat spare, desto mehr versuchen die Bürger, ihr Geld vor dem Fiskus zu verstecken.

In Italien ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Experten schätzen die Summe, die dem italienischen Staat durch Steuerhinterziehung in allen Branchen entgeht, auf rund acht Prozent des BIP jedes Jahr. Besonders drastisch ist es in Italien beim Gastgewerbe. Die Steuermoral wird im Übrigen immer schlechter, je weiter man nach Süden kommt.

Möglicherwiese haben die Tendenzen in Griechenland mit einem grundlegenden Vertrauensverlust der Bürger in ihre Staat zu tun. Da sie gesehen haben, dass sie auch mit massiven Demonstrationen und gewalttätigen Ausschreitungen nicht verändern konnten, greifen die Bürger nun zum letzten Mittel: der Steuerverweigerung. Außerdem dürften viele bereits mit der Staatspleite rechnen. Und einem Staat, dessen Pleite man in Kürze erwartet, steckt man nicht auch noch sein Geld in den Rachen. Sollte diese Haltung jedoch flächendeckende Gewohnheit werden, können selbst die heute schon personell überforderten Steuereintreiber nichts mehr zu Rettung Griechenlands beitragen.

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Kommentare

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  1. Demokratix sagt:

    Wie in Stuttgart und in Esslingen/Neckar.
    Unter dem Deckmantel „Griechische Gemeinde“ verschleppen die Griechen wie von jeher, ihre Euros zu deutschen Imobieliengeiern und lassen alles aufkaufen.
    Hier explodieren jetzt die Mieten und dieselben, deutschen, armseligen Deppen dürfen auch noch das Griechenminus abbezahlen.
    So machen es halt die Mittleren-und TopSchmarotzer!

  2. Inselfreund sagt:

    “forderte in einem Brief an EU-Währungskommissar Olli Rehn, den Vorsitzenden der Eurogruppe Jean-Claude Juncker und den EZB-Chef Trichet gerichteten Brief eine rasche Überweisung der nächsten Tranche von 109 Milliarden Euro. Dies solle eine “klare und positive Nachricht and die Märkte und an die Bürger der EU” sein. Venzelios fordert, dass die Diskussion um Bedingungen an die Hilfen wie von Finnland und Österreich angestossen, beendet werde solle.“
    Was glaubt dieser Idiot eigentlich, wer er ist? Erst können sie nicht mit Geld umgehen und
    lassen sich von den Banken alimentieren, anstatt notwendige Steuern ordentlich einzuziehen. Wenn die Karre im Dreck steckt, fordert man 109 Mrd. an Steuergeldern der anderen Staaten und überhaupt ist diesem Typen jede Diskussion an Sicherheiten zu diesen Geldern nicht zuzumuten.
    Keinen Cent mehr! Und den Griechen sei gesagt: Ihr könnt nur das ausgeben, was ihr verdient und wenn ihr Steuerbetrug begeht, könnt ihr von Staat und besonders von uns nichts mehr erwarten.

    Der Euro führt Europa zusammen? Was hat dieses Politikerpack eigentlich geraucht?

    WIE KANN ES SEIN, DAS IN DER AKTUELLEN SITUATION immer noch griechische Staatsanleihen verkauft werden und die Käufer einen möglichen Default nicht zu tragen haben? Die kassieren bis zu 50% Zinsen und WIR haften, wenn es schief geht?
    Ich bin nicht gewalttätig, aber dieses Pack kann man für eine solche Frechheit nur erschlagen.

    • omega sagt:

      „Was glaubt dieser Idiot eigentlich, wer er ist?“

      In der Krise ist der Schuldner König. Nicht umsonst hat Griechenland den bisherigen Verteidigungsminister zum Finanzminister gemacht und dieser weiß genau welche Macht er hat, nämlich die Märkte auf Tauchstation zu schicken, oder vielleicht sogar die Welt in eine nie dagewesene Rezession zu schicken. Natürlich bin ich auch wütend auf die Griechen und auch auf die anderen Südländer, aber diese Wut darf nicht dazu verleiden unvernünftig zu werden. Man muß auch immer die Alternativen prüfen. Die Alternative heißt Griechenland kein Geld mehr zu überweisen. Griechenland geht pleite, die Schuldner müssen mit Griechenland verhandeln, wieviel sie evtl. noch einmal zurück bekommen, ich schätze einfach einmal 80 % müßten sie sofort abschreiben. Einige Banken würden pleite gehen, keine Bank weiß genau wieviel Griechenlandanleihen die andere Bank hält, keine Bank traut mehr der anderen Bank. Man wird sich sagen, wenn Griechenland pleite gehen kann, dann kann auch Spanien, Portugal und Italien pleite gehen. Diese Länder werden schlagartig entweder gar keine Staatsanleihen mehr herausgeben können, oder nur zu so hohen Zinssätzen, die sie ebenfalls nicht mehr tragfähig sind. Wir hätten eine Weltwirtschaftskrise. Die Angst davor ist die Macht des griechischen Finanzministers. Ich denke der jetzt beschrittene Weg, Griechenland langsam umzupolen ist der richtige Weg. Ein Drahtseilakt, ich möchte nicht in der Haut unserer Politiker stecken und ich bin sicher, dass alle Politiker !!! das beste für Deutschland, seine Bürger und seine Steuerzahlen wollen.

  3. Rudolph Rene sagt:

    Wie soll man die PIIGS innerhalb kürzester Zeit wettbewerbsfähig machen?
    Das ist nicht nachvollziehbar.
    Was mit Niedrigzins dank Euro nicht passiert ist, wird auch mit einem Marshall Plan nicht funktionieren.
    Wer haftet bei Ausfall… die Zahlungsunfähigkeit der PIIGS ( besonders Griechenland ) steht außer Frage.
    Selbiges mit Eurobonds… die Nordländer bleiben am Ende auf den Schulden sitzen !
    Eurobonds verschieben nur den Knall.
    Wir können diesen EUro Wahn nicht mehr finanzieren.
    Egal ob ESFS / ESF / Eurobonds / Target2 Verwerfung / EZB Pleite / am Ende alles der selbe Effekt.
    Wir versuchen was zu finanzieren was wir nicht können.
    Auch mit den zwangsläufig jetzt kommenden Kaufkraftverlusten ( Inflation, Steuererhöhungen, Sparmaßnahmen )
    reicht das Geld nicht. Der Knall ist unausweichlich.
    Die Leute werden ab einem gewissen Punkt auf die Straße gehen.
    Bis jetzt ahnen nur die wenigsten was hier eigentlich passiert.
    Diese EUro endet in der Versklavung ganz Europas.
    Wir müssen den Stecker ziehen.
    Wir fordern eine Volksabstimmung über die „EU-Verfassung“.
    Wir fordern den Ausstieg aus dem Euro.
    Wir lehnen die Haftung Deutschlands
    für die Schulden der anderen Länder ab.
    Die EU soll sich auf eine Zollunion beschränken.
    Freihandel benötigt keine gemeinsamen Institutionen.
    MfG – Rudolph Rene – ¡Echte Demokratie Jetzt!
    Partei der Vernunft

  4. Rudolph Rene sagt:

    Das Problem: Unsere Volkszertreter ziehen den Stecker aus
    dem ganzen EUro Mist nicht raus. Das endet in der Versklavung.
    Raus aus dem Euro.
    MfG – Rudolph Rene – ¡Echte Demokratie Jetzt!
    Partei der Vernunft

    http://forum.parteidervernunft.de

  5. Europaverweigerer sagt:

    Da haben die Griechen uns was voraus.

    Ich hoffe das die Deutschen bald auf die selbe Art dem Staatsapparat zeigen wer der Herr im Hause ist.

    Ist zwar die Ochsentour, einen anderen Weg gibt es aber nicht.

  6. No Tax sagt:

    Sollte die Steuergesetzgebung weiter verschärft werden, so kann man als Leistungsträger immer noch die Leistung verweigern!!

    Dann guckt Mister Taxman blöd in die Röhre …

  7. satcadir sagt:

    Vorbildliches und kluges Verhalten der griechischen Steuerzahler.
    Hoffentlich kommen deutsche Bürger bald auf die gleiche Idee.