Experten rechnen mit weiterem Ansteigen der Inflation

Im Juli sank die jährliche Inflationsrate in der EU. Angesichts der Eurokrise und wegen des unterschiedlichen Wirtschaftswachstums der EU-Länder mehren sich Stimmen, die vor einer Inflation warnen.

Im Vergleich zum Vormonat sank die Inflationsrate in der EU auf 2,9 Prozent. Im Juni 2011 lag sie noch bei 3,1 Prozent. Doch es kann nicht von einem generellen Trend in eine positive Richtung in der EU gesprochen werden. Ging die Inflation bei 16 Mitgliedsstaaten zurück, so blieb sie bei zwei Ländern unverändert und stieg bei neun sogar an. Die Länder mit der höchsten Inflationsrate sind derzeit Rumänien (7,6%), Estland (4,5%) und Griechenland (4,3%). Deutschland hingegen liegt aktuell bei 2,6 Prozent und Österreich deutlich höher mit 3,8 Prozent. Darüber hinaus sanken in den meisten Ländern auch die Verbraucherpreise wohingegen sie in Deutschland, Estland und Portugal kräftig angezogen haben.

Betrachtet man die möglichen Auslöser für eine Inflation, eine hohe Staatsverschuldung, wirtschaftliches Wachstum und massive Geldvermehrung, wird schnell deutlich: Der Euroraum steht vor einem Dilemma. Die hohe Verschuldung in Ländern wie Spanien, Griechenland und Portugal, das im ersten Quartal 2011 noch gute Wirtschaftswachstum in Deutschland, Estland und Litauen, welches sich erst im zweiten Quartal abschwächte, und die Geldmengenausweitung durch die EZB sowie der niedrige Leitzins zeigen: Es ist im Moment schwierig, Europa konsequent in eine Richtung zu lenken.

Um beispielsweise die Teuerungsrate weiter zu senken, müsste die EZB den Leitzins erhöhen, was eine Abschwächung der Erholung in den Krisenstaaten zur Folge hätte. Andererseits hat „die laufende Geldmengenausweitung vorübergehend zu einer tieferen Inflationsrate geführt, als sie vermutlich sonst zu beobachten wäre“, erläutert Martin Janssen, Professor für Finanzmarktökonomie vom Institute für Banking und Finance der Universität Zürich, den indirekten Zusammenhang zwischen der Eurokrise und der Inflationsrate. Einen Zusammenhang zwischen der derzeitigen Euro-Krise sieht auch Michael Bloss, Direktor des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivatenforschung (EIFD). Die Eurokrise habe ganz klar eine Flucht in Sachwerten ausgelöst und die Preise hoch getrieben. „Der dadurch in Gang gesetzte Mechanismuss hat sich schon etwas verselbstständigt, sodass man die beiden Faktoren nicht mehr voneinander trennen kann.”

Als mögliches Gegengewicht zu einer Inflation werden zwar gern sinkende Rohstoffpreise genannt, allerdings ist es damit nicht getan. Zwar haben die Rohstoffpreise einen Einfluss auf die Inflation und „wirken sich aller Erfahrung nach relativ rasch aus, allerdings beeinflussen sie nicht den hausgemachten Kern der Inflation“, erläutert Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWi). Ein Rückgang der Kapazitätsauslastung hätte laut Döhrn einerseits einen preisdämpfenden Effekt, aber eine gescheiterte Neutralisierung der hohen Liquiditätsversorgung könnte bei Anstößen von außen wieder zu einer kräftigen Beschleunigung im Preisanstieg führen. Hinzu kommt, dass einige Länder zur Haushaltskonsolidierung zu Steuererhöhungen gegriffen haben beziehungsweise noch dazu greifen werden.

Während Döhrn vom RWI jedoch bei einer nachlassenden Konjunktur und einer sinkenden Kapazitätsauslastung ein weiteres Sinken der Inflationsrate in den nächsten zwei Jahren für möglich hält, gibt Martin Janssen von der Universität Zürich zu bedenken, dass für die meisten Ökonomen wenig Zweifel daran bestehe, dass im Moment ein gewaltiges Inflationspotential aufgebaut wird. „Im Jahre 2012 wird die durchschnittliche Inflationsrate in der EU die Marke von 4 Prozent, im Jahre 2013 wohl auch die Marke von 5 Prozent überschreiten“, fügt er hinzu. Michael Bloss sieht es ähnlich:“ Ich rechne mit einer steigenden, nicht extrem steigenden, Inflation in den kommenden Jahren. Dies ist so auch politisch zum Abbau der Schuldenspitzen gewollt.“ Die geforderte Lohnerhöhung ist seiner Meinung nach als einer der Katalysatoren zu sehen.

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Kommentare

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  1. Albert Albern sagt:

    Tja, wir müssen langsam richtig rechnen lernen. Nicht jeder Taschenrechner schafft die großen Zahlen…

    Die Zahl der Millionäre wird rasant ansteigen!

    Die Inflation ist nur eine „Lösung“ – die unbeabsichtigte. Eine Lösung, die wir eigentlich nicht im Sinn hatten.

  2. Albert Albern sagt:

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  3. Albert Albern sagt:

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