Bundesanleihen: Österreich profitiert von der Krise

Zwar hat sich Österreich Finnland angeschlossen und fordert Sicherheiten für weitere Kredite. Aber schon jetzt ist Österreich einer der Profiteure der Schuldenkrise.

In der Finanzkrise und Schuldenkrise gibt es einige Staaten, die vom Wegbrechen ganzer Staaten profitieren. Zu diesen Staaten gehört Österreich. In unruhigen Zeiten setzen immer mehr Anleger auf Sicherheit, wie man bereits bei dem über Wochen stark steigenden und nun nachgebenden Franken spürte. Laut Martha Oberndorfer, der Chefin der Bundesfinanzierungsagentur (ÖBfA) sind die österreichischen Bundesanleihen momentan vier bis fünf Mal höher als üblich. Dank der wachsenden Nachfrage sinken die Zinsen und somit die Rendite für die 10-jährige Bundesanleihe, die Österreich zu tragen hat. Lag sie im Jahr 2005 bei 5,41 Prozent und im April 2011 bei 3,8 Prozent, ist sie nun noch einmal um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Betrachtet man bei dem jetzigen Stand sämtliche seit Herbst 2009 emittierten österreichischen Bundesanleihen bis zu ihrer Fälligkeit, könnte die Republik bis zu 3,5 Milliarden Euro sparen. Verglichen mit den 1,3 Milliarden Euro, die das Land an Griechenland zahlte, scheint Österreich geradezu Vorteile aus der Krise zu schlagen.

Die Einordnung Österreichs zur Risikokategorie 1 des CEP-Default-Index bestätigt die gute Positionierung des Landes. Das Centrum für Europäische Politik (CEP) stuft so anhand der gesamtwirtschaftlichen Situation eines Landes dessen Kreditfähigkeit ein. So gehört Österreich zusammen mit Ländern wie Deutschland, Estland und Luxemburg zu den Volkswirtschaften in Europa, die einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaften und denen mittelfristig kein Verlust der Kreditfähigkeit droht. Ebenso sehen es die Ratingagenturen: AAA für Österreich. Stetiges Wachstum und die sehr niedrige Arbeitslosigkeit sind hierfür ausschlaggebend. Die Republik gehört zu den europäischen Ländern mit der geringsten Arbeitslosenquote: 4,3 Prozent in diesem Jahr.

Die Österreichische Nationalbank (OeNB) korrigierte in ihrer letzten Prognose für 2011 bis 2013 vom 17.6.2011 das Wirtschaftswachstum Österreichs sogar um einen Prozentpunkt auf 3,2 Prozent für das Jahr 2011. Für 2012 rechnet die OeNB mit einem Wachstum von 2,3 Prozent und im Jahr 2013 mit 2,4 Prozent. Hauptursachen seien die zügige Erholung von der Weltwirtschaftskrise und das ebenfalls noch immer starke Wachstum des Haupthandelspartners Deutschland. Dementsprechend geht die OeNB auch von einem Sinken der Staatsverschuldung bis 2013 auf 71,3 Prozent des BIP aus. „Die gute
Konjunktur hilft dem Budget. Das sollte aber keinesfalls dazu verleiten, bei der
Budgetdisziplin nachzulassen. Vielmehr müssen wir die Chance nutzen, die Konsolidierung
deutlich schneller als geplant voranzutreiben, um die gute Bonität Österreichs abzusichern
und einen Sicherheitspolster für schlechtere Zeiten zu schaffen“, urteilt Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur der OeNB und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank.

Wie die sinkende Arbeitslosigkeit zeigt, profitieren auch die österreichischen Unternehmen von der Bonität des eigenen Landes. Diese erlaubt auch ihnen, zu günstigen Konditionen über Anleihen Kapital am Markt aufzunehmen. Allerdings kann sich das Blatt auch für Österreich wenden. Wenn nämlich die internationale Konjunkturdynamik weiter stark nachlässt, kann es nicht ohne Folgen für die stark vom Export abhängige Republik bleiben.

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