Gold: Zahl der Verkäufer steigt überraschend

In den vergangenen Wochen waren auf einen Goldverkäufer neun Käufer gekommen. Nun hat sich laut Aussage des größten deutschen Goldhändlers der Trend umgekehrt: Es gibt gleich viele Kauf- und Verkaufsanfragen.

Der Preis einer Feinunze Gold hat am Montag erstmals die 1900 US-Dollar-Marke überschritten. Wie der World Gold Council berichtet, wurden im zweiten Quartal 2011 919,8 Tonnen Gold mit einem Gesamtwert von rund 44,5 Milliarden US-Dollar nachgefragt. Der Ansturm auf Gold als sichere Geldanlage ist weiterhin ungebrochen, alleine im August dieses Jahres legte der Goldpreis um 17% zu.

Für einige deutsche Anleger scheint der richtige Moment für einen Verkauf aber gekommen zu sein: Wie der größte deutsche Goldhändler Pro Aurum aus München berichtet, kommt es seit gestern zu einer Marktumkehr. Bisher fielen 90% der Kunden auf die Käufer-Seite und 10% auf die Verkäufer-Seite, damit kam es auch zu Lieferschwierigkeiten. Jetzt ist der Goldmarkt in Deutschland aber wieder ausgeglichen und bei Pro Aurum treffen ungefähr gleich viele Kauf- wie Verkaufsanfragen ein: „Seit gestern sehen wir ein Verhältnis von 50 zu 50. Es verkaufen überwiegend solche Kunden, die relativ früh in den Goldmarkt eingestiegen sind und jetzt Gewinne realisieren. Kurzfristige Spekulationen sehen wir äußerst selten“, sagt Benjamin Summa, Unternehmenssprecher von Pro Aurum.

Auch die deutschen Edelmetallverarbeiter bestätigen diese Entwicklung: „Die Nachfrage hat in den vergangen Tagen trotz – oder gerade wegen – des hohen Preises nachgelassen. Die Lage hat sich damit deutlich entspannt“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Leiter Sales und Marketing bei der Heraeus Metallhandelsgesellschaft in Hanau. Engpässe gab es bisher bei kleineren Investmentbarren von einem Gramm bis zu einem Kilogramm. Heraeus hatte während dieser Zeit die Produktion auf einen Mehrschichtbetrieb ausgeweitet.

Pro Aurum beobachtet derzeit auch eine markante Erhöhung der Einzel-Kauf-Orders, so liegt die durchschnittliche Transaktionshöhe im Moment zwischen 7500 Euro und 12000 Euro. „Wir sehen jeden Tag aber auch siebenstellige Einzelorders – das ist neu“, so der Goldhändler.

Kenner der Goldszene sehen in dieser Entwicklung keinen Trend: Walter Eichelburg etwa sagte im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten, dass der Goldpreis erst seinen „Anlauf“ nehme. Er gehe von einer langfristiges Hausse aus, weil die Politik trotz der Schuldenkrise nicht auf das Geldausgeben und die Zentralbanken trotz der Euro-Krise nicht auf das Gelddrucken verzichten werden. (das vollständige Interview hier)

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