US-Ökonom Lloyd Thomas: „Gold ist eine Blase“

Die Goldpreise haben inflationsbereinigt mittlerweile das Niveau von 1980 erreicht. Der U.S. Ökonomieprofessor Lloyd B. Thomas von der Kansas State University sieht im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten die derzeitige Goldpreisentwicklung als eine Blase, die auch platzen könnte.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Sie warnen als einer der ersten Ökonomen vor einer Gold-Blase. Warum?

Llyod B. Thomas: In den vergangenen 20 Jahren sind die Preise für Gold jährlich um durchschnittlich 8,6% angestiegen, der Verbraucherpreisindex in den USA um 2,5%. Im letzten Jahrzehnt ist der Wert von Gold dann über 20% pro Jahr gestiegen – der Verbraucherpreisindex nur um 2,4%. Die Goldpreise haben 1980 ein Blasen-Niveau erreicht um anschließend fünf Jahre lang um insgesamt 70% zu fallen. Der inflationsbereinigte Preis des Goldes ist heute sehr nahe dem Blasen-Level von 1980. Wenn wir in den kommenden Jahren nicht eine Inflation in der Höhe von mindestens 10% bekommen, dann ist Gold ganz klar eine Blase.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wird die Blase platzen?

Llyod B. Thomas: Ich weiß es nicht. Blasen können beträchtliche Zeit überstehen. Denken Sie an die zehnfache Wertsteigerung von Technologieaktien zwischen 1993 und 2000. Zwischen 2000 und 2003 sind diese Papiere dann um 75% eingebrochen. Wir hatten erst kürzlich eine Blase am Immobilienmarkt die von 1998 bis 2006 angedauert hat bevor sie geplatzt ist. Es ist unmöglich vorherzusehen, wann Gold oder auch irgendwelche anderen Blasen platzen könnten.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie sollen sich Anleger jetzt verhalten?

Llyod B. Thomas: Investoren sollten ihre Goldanlagen jetzt verkaufen. Nur Spekulanten mit ausreichendem finanziellem Spielraum können weiter auf Gold setzen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Sollten Anleger eher kurz- oder langfristig in Gold investieren?

Llyod B. Thomas: Kurzfristig ist der richtige Weg. Wie schon Keynes treffend formuliert hat: „Langfristig sind wir alle tot“.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Indien und China gemeinsam haben im 2. Quartal 2011 mehr als die Hälfte der weltweiten Goldnachfrage ausgemacht. Warum diese Entwicklung?

Llyod B. Thomas: 10-Jahres US-Schuldverschreibungen sind derzeit mit 2% verzinst. Außerdem scheint für die US-Regierung die Inflation der einzige gangbare Weg aus der Schuldenkrise zu sein. Indien und China haben sich also dazu entschlossen ihre Vermögenswerte zu diversifizieren und US-Anleihen spielen dabei in der nahen Zukunft eine eher bescheidene Rolle.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wird es die EU oder den Euro in ein paar Jahren noch geben?

Llyod B. Thomas: Ja. Ich denke die EU und der Euro werden aus einem einfachen Grund überleben: Die Kosten einer Auflösung übersteigen bei weitem die Kosten einer Fortführung. Es ist aber bedauerlich dass Länder wie Griechenland, Portugal und Irland gezwungen wurden sofort Sparpakete umzusetzen. Langfristigere, rationalere Lösungen wären besser gewesen.

Das Gespräch führte Christoph Hermann.

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Kommentare

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  1. John Knudsen sagt:

    John—-a prescient call, eh? Tom

  2. Christian Pregler sagt:

    Der Mann hat Recht. Die Neuer Markt-Propheten sind heute auch alle Geschichte.

    Die Herde sucht immer einen Guru und der heißt Eichelburg. Warum dieser Spekulant so übergroßes Vertrauen genießt, kann keiner so genau sagen. Er kam aus dem Nichts und wird meiner Ansicht nach auch wieder im Nichts verschwinden. Und eine enttäuschte Herde zurück lassen.

    Daß Gold ein Rettungsanker ist, konnte es noch nirgends beweisen. Ich denke, hier klingen die 70er Jahre nach. Damals überraschte der Ölpreisschock und Gold schoß in die Höhe, kam aber schnell wieder auf den Boden der tatsachen zurück.

    In den 50er Jahren, also gleich nach der Währungsreform 1948, bezahlte man für eine Unze 40 Dollar. Sicher, 40 Dollar waren viel Geld, aber so viel auch nicht. Und für Gold- und Silberschmuck war das Interesse eher gering.

    85% der Goldförderung gehen in die Schmuckindustrie. 12% werden industriell verarbeitet für z.B. besondere Optiken. 3% kaufen die Banken. Wenn sie denn jetzt überhaupt kaufen und nicht die Gunst der Stunde nutzen, um sich zu trennen von den Beständen.

    In China und Indien sind überall Goldautomaten aufgestellt wie hier Kaugummiautomaten. Da kann sich wer will Gold ziehen. Gut, darauf kann man wetten. Da gibt’s aber bestimmt lohnendere Einsätze.

    Als Krisenwährung haben sich Gold und Silber noch nie nicht bewährt. Und zur Zeit der großen Depression tauschten die Reichen ihr Gold gegen ein Kilo Kartoffeln ein. Mein Tipp: FInger weg! Aber der Mensch ist halt so gestrickt, daß er nur das hören will, was er gerade glaubt.

  3. Christian Pregler sagt:

    Der Mann hat Recht. Die Neuer Markt-Propheten sind heute auch alle Geschichte.

    Die Herde sucht immer einen Guru und der heißt Eichelburg. Warum dieser Spekulant so übergroßes Vertrauen genießt, kann keiner so genau sagen. Er kam aus dem Nichts und wird meiner Ansicht nach auch wieder im Nichts verschwinden. Und eine enttäuschte Herde zurück lassen.

    Daß Gold ein Rettungsanker ist, konnte es noch nirgends beweisen. Ich denke, hier klingen die 70er Jahre nach. Damals überraschte der Ölpreisschock und Gold schoß in die Höhe, kam aber schnell wieder auf den Boden der tatsachen zurück.

    In den 50er Jahren, also gleich nach der Währungsreform 1948, bezahlte man für eine Unze 40 Dollar. Sicher, 40 Dollar waren viel Geld, aber so viel auch nicht. Und für Gold- und Silberschmuck war das Interesse eher gering.

    85% der Goldförderung gehen in die Schmuckindustrie. 12% werden industriell verarbeitet für z.B. besondere Optiken. 3% kaufen die Banken. Wenn sie denn jetzt überhaupt kaufen und nicht die Gunst der Stunde nutzen, um sich zu trennen von den Beständen.

    In China und Indien sind überall Goldautomaten aufgestellt wie hier Kaugummiautomaten. Da kann sich wer will Gold ziehen. Gut, darauf kann man wetten. Da gibt’s aber bestimmt lohnendere Einsätze.

    Als Krisenwährung haben sich Gold und Silber noch nie nicht bewährt. Und zur Zeit der großen Depression tauschten die Reichen ihr Gold gegen ein Kilo Kartoffeln ein. Mein Tipp: FInger weg! Aber der Mensch ist halt so gestrickt, daß er nur das hören will, was er gerade glaubt.