US-Experte: „Eurobonds wären der Super-GAU für die EU“

Matthew Karnitschnig, European Economics Editor des Wall Street Journal meint im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten, dass die Krise in Europa nur überwunden wird, wenn es zu mehr Transparenz bei den Banken kommt. Und: Wenn die Politiker den Bürgern endlich einmal die Wahrheit sagen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Das Wall Street Journal berichtete kürzlich über die Sorge der amerikanischen Notenbank (Fed) betreffend der Liquidität der europäischen Banken für ihre US-Geschäfte. Müssen wir uns auf den Kollaps von einzelnen Banken einstellen?

Matthew Karnitschnig: Nicht unbedingt. Das Problem ist, dass das Bankenwesen ziemlich undurchsichtig ist, sowohl für Investoren als auch für die Kunden. Keiner weiß so genau welche Institute am meisten gefährdet sind. Das führt dazu, dass alle Banken über einen Kamm geschoren werden. Unsere Meldung, dass die Fed die Liquidität der U.S. Töchter europaeischer Banken prüft, sorgt in diesem Klima für weitere Nervosität, obwohl das an sich ein völlig normaler Vorgang für die Bankenaufsicht ist.

Warum sind die europäischen Banken so anfällig in globalen Krise – wurden aus de Ereignissen von vor drei Jahren nach dem Lehman-Zusammenbruch keine Lehren gezogen?

Die Europäer scheinen bei dieser Frage eine etwas andere Haltung als die Amerikaner zu haben. Europa sah sich 2008 als Opfer des amerikanischen Zockens. Wer sich als Kollateralschaden betrachtet, neigt nicht dazu große Reformen durchzusetzen. Deshalb war der Bankenreformprozess in Europa etwas halbherzig. Man braucht sich nur die sogenannten Banken „Stresstests“ anschauen. Viele Investoren haben das als eine reine Propaganda-Maßnahme gesehen. Man hätte die Banken auffordern können, transparenter zu sein und ihre Kapitalpölster wesentlich zu verbessern. Solche Schritte hätten aber den Aufschwung gefährdet, da die Banken höchstwahrscheinlich den Kredithahn noch fester zugedreht hätten. Mein Eindruck ist, dass die Europäer deswegen Angst davor hatten die Banken an die Zügel zu nehmen. Der Fokus der europäische Politik richtet sich zurzeit auf die Schuldenkrise in der Euro-Zone. Es ist allerdings naiv zu glauben, die Krise überwinden zu können ohne den Bankensektor gründlich zu reformieren.

Vor allem die Deutsche Bank ist stark in den USA engagiert. Wo liegt die größte Gefahr für die Deutsche Bank?

Die größte Gefahr für die Deutsche Bank besteht wie für alle Banken darin, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das ganze Geschäft basiert auf Vertrauen. Die Deutsche Bank brüstet sich seit Jahren damit, keine Staatshilfe während der Finanzkrise bekommen zu haben. Es wird hier aber mit zweierlei Maß gemessen. Wäre die Deutsche Bank ein amerikanisches Institut, wäre sie wahrscheinlich gezwungen gewesen, ihre Kapitalreserven zu erhöhen. Viele Analysten glauben, dass es der Deutschen Bank noch immer an Kapital mangelt. Die Bank ist allerdings hochprofitabel. Da lässt der Druck etwas nach.

Die europäische Politik schlingert durch die Krise – was müsste als Sofortmaßnahme politisch geschehen?

Dieses Schlittern von einem Krisentreffen zum nächsten muss endlich aufhören. Das verunsichert die Märkte und verwirrt die Menschen. Eine Mehrheit der Deutschen gibt zum Beispiel an, nicht mehr zu verstehen, worum es hier eigentlich geht. Es muss deswegen einen klaren Kurs geben. Wo führt diese Reise hin? Zu einer Fiskal- beziehungsweise Transferunion? Oder zu etwas anderem? Früher oder später müssen die Politiker den Bürgern die Wahrheit sagen.

Die Diskussion um Eurobonds hält immer noch an. Viele Länder fordern sie, auch viele Ökonomen. Am Mittwoch dieser Woche äußerte sich Bundespräsident Christian Wulff ablehnend. Wären Eurobonds eine Lösung?

Eurobonds wären keine Lösung. Deren Einführung würde die Märkte eine Zeitlang beruhigen, aber letztendlich eine viele schlimmere politische Krise herbeiführen. Die Europäer sind ganz einfach nicht soweit, dass sie die volle politische Union akzeptieren würden. Wenn man’s trotzdem versucht, könnte das den Super GAU für die EU bedeuten, also das Auseinanderbrechen. Bevor man diesen Schritt setzt, muss es einen politischen Konsens in den Mitgliedsländern geben. Es ist gut möglich, dass es ihn nie geben wird.

Die deutsche öffentliche Stimmung geht davon aus: Wir sind stark, die anderen schwach. Ein Trugschluss?

Unter den Blinden ist der Einäugige König. Es ist allerdings richtig, dass Deutschland und Nachbarländer wie die Niederlande, Österreich und andere viel besser aufgestellt sind als der Rest der Euro-Zone. Insofern könnte sich Deutschland von diesem Teil Europas abkoppeln. Es gibt so gut wie keinen Handel zwischen Deutschland und Griechenland, zum Beispiel. Es ist völlig klar, dass Deutschlands wirtschaftliche Zukunft in den Schwellenländern und nicht in Europa liegt. Je mehr Deutschland von diesen Ländern lebt, desto stärker wird der politische Druck, den Europäern den Rücken zu kehren.

Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement von Angela Merkel?

Die Kanzlerin sitzt zwischen zwei Sesseln. Ihre Partei müsste diese ganzen Rettungsmaßnahmen eigentlich ablehnen. Sie tut es aber nicht, weil sie Angst vor dem Zerfall des Euro hat. Das Problem besteht darin, dass sie in der Öffentlichkeit die Oberlehrerin spielen muss, um ihre Basis dazu zu bringen, ihr zu folgen. Ihr Zaudern und Drohen sorgt aber gleichzeitig für viel Unruhe auf den Märkten, verschlimmert die Krise und macht die Rettungen teurer. Das Zögern bei der zweiten Rettung Griechenlands, im Besonderen die Aufforderung Deutschlands, dass private Gläubiger Verluste hinnehmen, hat dazu geführt das Italien auch in den Strudel gezogen wurde. Hätte die Politik schneller reagiert, hätte man diese Folgen verhindern können. Politisch konnte die Kanzlerin diesen eigentlich richtigen Kurs jedoch nicht durchsetzen.

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Kommentare

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  1. reiner tiroch sagt:

    Die Lage ist so verworren, dass selbst Experten kaum noch durchblicken. Auf jeden Fall sollen alle Risiken der rettungsaktionen der EZB und dem EFSF aufgebürdet werden welche letztendlich beim Steuerzahler verbleiben. Natürlich bleiben alle Banken wieder aussen vor, und die Verursacher werden belohnt, indem sie ungeniert mit unbegrenzten geldern weitermachen können.
    Derweil werden die Probleme welche immer größer werden immer kleiner geredet, weggelächelt, mit neuen schönen Worten umschrieben, und den Bürgern wird suggeriert wie toll die politik doch alles im Griff hat.
    Es handelt sich insgesamt gesehen darum, wie den menschen ihr Erspartes elegant abgenommen werden kann, ohne dass der Bürger was merkt davon. Die Lügen der politiker sind nötig, damit das Volk ruhig gestellt wird.
    Wenn sie nach dem Knall brutal aufklären wollen ist geschissen drauf, ihr retter.

  2. reiner tiroch sagt:

    Die Lage ist so verworren, dass selbst Experten kaum noch durchblicken. Auf jeden Fall sollen alle Risiken der rettungsaktionen der EZB und dem EFSF aufgebürdet werden welche letztendlich beim Steuerzahler verbleiben. Natürlich bleiben alle Banken wieder aussen vor, und die Verursacher werden belohnt, indem sie ungeniert mit unbegrenzten geldern weitermachen können.
    Derweil werden die Probleme welche immer größer werden immer kleiner geredet, weggelächelt, mit neuen schönen Worten umschrieben, und den Bürgern wird suggeriert wie toll die politik doch alles im Griff hat.
    Es handelt sich insgesamt gesehen darum, wie den menschen ihr Erspartes elegant abgenommen werden kann, ohne dass der Bürger was merkt davon. Die Lügen der politiker sind nötig, damit das Volk ruhig gestellt wird.
    Wenn sie nach dem Knall brutal aufklären wollen ist geschissen drauf, ihr retter.

  3. reiner tiroch sagt:

    Die Lage ist so verworren, dass selbst Experten kaum noch durchblicken. Auf jeden Fall sollen alle Risiken der rettungsaktionen der EZB und dem EFSF aufgebürdet werden welche letztendlich beim Steuerzahler verbleiben. Natürlich bleiben alle Banken wieder aussen vor, und die Verursacher werden belohnt, indem sie ungeniert mit unbegrenzten geldern weitermachen können.
    Derweil werden die Probleme welche immer größer werden immer kleiner geredet, weggelächelt, mit neuen schönen Worten umschrieben, und den Bürgern wird suggeriert wie toll die politik doch alles im Griff hat.
    Es handelt sich insgesamt gesehen darum, wie den menschen ihr Erspartes elegant abgenommen werden kann, ohne dass der Bürger was merkt davon. Die Lügen der politiker sind nötig, damit das Volk ruhig gestellt wird.
    Wenn sie nach dem Knall brutal aufklären wollen ist geschissen drauf, ihr retter.

  4. reiner tiroch sagt:

    Die Lage ist so verworren, dass selbst Experten kaum noch durchblicken. Auf jeden Fall sollen alle Risiken der rettungsaktionen der EZB und dem EFSF aufgebürdet werden welche letztendlich beim Steuerzahler verbleiben. Natürlich bleiben alle Banken wieder aussen vor, und die Verursacher werden belohnt, indem sie ungeniert mit unbegrenzten geldern weitermachen können.
    Derweil werden die Probleme welche immer größer werden immer kleiner geredet, weggelächelt, mit neuen schönen Worten umschrieben, und den Bürgern wird suggeriert wie toll die politik doch alles im Griff hat.
    Es handelt sich insgesamt gesehen darum, wie den menschen ihr Erspartes elegant abgenommen werden kann, ohne dass der Bürger was merkt davon. Die Lügen der politiker sind nötig, damit das Volk ruhig gestellt wird.
    Wenn sie nach dem Knall brutal aufklären wollen ist geschissen drauf, ihr retter.