Georg Holzer zum Rücktritt von Steve Jobs: „Langfristig schwer zu ersetzen“

Steve Jobs hat alles, was ein guter Mittelständler hat: Detailversessenheit, Kontrollwut, cholerische Ausbrüche. Warum die Ikone aus Cupertino auch in Esslingen und Solingen bewundert wird.

Dass Technologiefans und Geeks Steve Jobs abgöttisch verehren erklärt sich von selbst. Aber der Rücktritt des Apple-Gründers als CEO macht auch viele solide deutsche Mittelständler nachdenklich. Denn in einem gar nicht weithergeholten Sinn war Steve Jobs einer von ihnen.

Georg Holzer, Technologie-Experte und Blogger, erklärt das Geheimnis von Steve Jobs: Er wurde zur Leitfigur der Technologieszene, weil er „hart an jedem Produkt gearbeitet hat, während andere Silicon-Valley-Millionäre von Party zu Party geeilt sind“. Besonders auffällig war dabei seine „Liebe zum Detail, seine Besessenheit, seine Akribie und sein Bestreben, nichts dem Zufall zu überlassen“.

Wie kein anderer veränderte er durch seine harte Arbeit die Art und Weise, wie wir heute Technologie verwenden. Wie kein anderer hat er erkannt, dass Technik und Emotion einander nicht ausschließen. Wir erinnern uns noch an die ersten Tage von IBM – als der Computer der natürliche Feind jedes denkenden Menschen war. Heute lieben selbst die Intellektuellen ihren Apple (wenn sie überhaupt etwas lieben). Und das Design der Apple Produkte ist so erfreulich, dass sogar der unduldsame Maschinenbauer aus dem deutschen Mittelstand dem iPhone verzeiht, dass es zum Telefonieren völlig ungeeignet ist.

Steve Jobs hat sich auch noch als Chef eines Milliarden-Konzerns um die Apple Produkte gekümmert. Sie waren ihm das Wichtigste. Vor den Produkten verstand er mehr als jeder andere. Er war erst zufrieden, wenn alles perfekt war. Dabei prägte er die Produkte, schob nie die Verantwortung an irgendwelche anonymen Entwicklungsabteilungen ab. Holzer: „Steve Jobs hasst zum Beispiel Knöpfe. Und genau aus diesem Grund hat das iPhone nur einen Knopf.“

Das Bemerkenswerte an Steve Jobs war, dass ihm die massive unmittelbare und persönliche Arbeit an den Produkten den Blick für das große Ganze nicht verstellte. Holzer: „Wie kein anderer hat Jobs die strategische Ausrichtung von Apple geprägt. Er hat immer die Vision, welcher Schritt in einem größeren Zusammenhang richtig ist.“ Dies betrifft den Schritt von Apple in die Gefilde der Musikindustrie ebenso wie die neuste Entwicklung mit der iCloud. Holzer: „Jobs kennt das Ökosystem, in dem seine Produkte eingesetzt werden. Er ist am Puls der Zeit und denkt immer an die Integration in das große Ganze.“

Zu dieser strategischen Ausrichtung zählt Holzer auch die Wahl des Zeitpunkts zum Rücktritt als CEO bei Apple. Apple besitze derzeit hervorragende Produkte, der neue CEO Tim Cook habe schon dreimal bewiesen, dass er Apple erfolgreich führen kann. Kurz- und mittelfristig sieht Holzer Apple gut gerüstet. Aber: „Das iPhone, wie Sie es heute in der Hand halten, ist sein persönliches Werk. Ob es nach Steve Jobs noch jemanden geben wird, der das kann, ist eine offene Frage. Langfristig ist Steve Jobs schwer zu ersetzen.“

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