Schweiz startet heimlich das Experiment mit Negativzinsen

Die Stärke des Franken macht den Schweizern so sehr zu schaffen, dass sie nun zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen – wenngleich ohne öffentlichen Aufhebens.

Von aktuellen Gerüchten über eine Anbindung des Franken an den Euro über Kontogebühren („Negativzinsen“) für ausländischen Anleger bis zur Flutung des Geldmarktes mit Franken: Die Schweizerische Nationalbank SNB unternimmt in den letzten Wochen so einiges, um Investoren abzuschrecken. Zu laut wird der Protest von Tourismusbranche, Einzelhandel und Exportwirtschaft, dass der teure Franken sich massiv geschäftsschädigend auswirkt und schließendlich auch Arbeitsplätze bedroht: Laut SP sind bereits 100.000 Jobs in Gefahr.

Im August hat die SNB bereits kräftig interveniert, in dem sie die Liquidität der Geschäftsbanken von 120 auf 200 Milliarden Franken erhöht hat. Außerdem hat sie den Leitzins auf ein neues Tief gesenkt: Der liegt für Drei-Monats-Geschäfte nun bei 0,0 bis 0,25%, also genau so niedrig wie in den USA. Auslöser ist der stetige Wertzuwachs des Franken seit Anfang 2010 um rund 30%, als er bei €0,67 lag. Vor 12 Monaten hatte er bereits €0,76 gekostet, Anfang August war erauf €0,97 gestiegen.

Einigen Schweizer Top-Banker zufolge ist eine Kursanbindung an den Euro nicht mehr völlig ausgeschlossen, um den Run auf den Franken auszubremsen. Falls die SNB eine Kursanbindung tatsächlich anstrebt, kann das allerdings teuer werden: Kündigt sie einen festen Wechselkurs mit dem Euro an, muss sie den auch unterstützen. Das könnte in die Milliarden gehen, wenn Anleger Dank Euro- und Dollarkrise trotzdem weiterkaufen. Allerdings war die Methode Ende der 1970er Jahre schon einmal erfolgreich: Damals stieg der Franken gegenüber der D-Mark um rund 40%. Mit der Ankündigung einer unbegrenzten Intervention zeigte sich die SNB entschlossen, dem ein Ende zu bereiten, erhöhte die Geldmenge und verkaufte über 10 Milliarden Franken. Das Experiment hatte Erfolg: Der Franken wurde billiger und blieb bis zur Einführung des Euro stabil.

Mit der Einführung von Negativzinsen für private oder staatliche Anleihen muss der Investor de facto eine Strafe dafür bezahlen, dass er Franken haben will: Satt Zinsen zu bekommen, zahlt er eine Gebühr – das heißt, er bekommt am Ende sogar weniger ausbezahlt, als er eingezahlt hat. Auch die UBS hat am vergangenen Feitag angekündigt, eventuell schon in den nächsten Tagen eine Gebühr auf die bei ihr geführten Cash-Clearing Konten andere Banken zu erheben, um weitere Zuflüsse in Franken-Konten zu verhindern.

Das soll abschrecken. Allerdings sind bereits in der vergangenen Woche rund neun Milliarden Franken für Staatsanleihen mit einem Negativzinssatz von einem Prozent über den Tisch gegangen: Beobachter glauben, dass den Anlegern kalkulierbare Verluste in der Schweiz anscheinend immer noch lieber sind, als nicht kalkulierbare Verluste in der Eurozone. Obwohl die SNB ihr eigentliches Ziel so also aktuell nicht zu erreichen scheint, hat zumindest der Staat etwas davon, dass er Schulden macht: Wenn er kurzfristige Anleihen ausgibt, verdient er an den Gebühren, anstatt Zinsen zu bezahlen.

Dank der Maßnahmen und Gerüchte hat der Franken seit seinem Spitzenwert von €0,97 am 10. August inzwischen wieder rund 13% verloren und lag am Freitag immerhin bei €0,85. Ob dieser Trend sich fortsetzt, ist allerdings offen: Zu sehr hängt die Schweiz sowohl als Investitionsplatz als auch als Exportland von Wohl und Weh im Krisenmanagement der EU und USA ab.

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Kommentare

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  1. Horst G Ludwig sagt:

    Vielen Dank. Ein guter Artikel der dicht an der Warheit arbeitet und deswegen kommentaros untergeht. Die Haltung der Schweiz ist jedoch wie der berühmte Kompass innerhalb einer verquirlten IMF Welt und deswegen sind es auch sehr beunruhigende Nachrichten, die die Schweizer dazu veranlasst vom geliebten goldgedeckten Franken Abschied zu nehmen und über einen Anschluss an den Euro zu meditieren. Hoffen wir das es soweit nicht kommen wird denn das wirkliche Problem der Schweiz ist lösbar, sowie man die fallenden Aussenhandelsbilanzen mit anderen Alternativen wieder auf Trab bringt.
    Es sind natürlich die Schweizer Topbanker, die die Sutuation verschärft haben indem sie die Kapitalflucht in den beliebten Franken erlaubt haben und soviel Gier kann ja nicht gutgehen. Verschärfend ihre massgebende Rolle im Gold, Silber, Edelstein Geschäft und eine extreme Vernachlässigung der Inlandsgeschäfte…die kleine Schweiz hat niemals den Rückhalt um solche Grössen innerhalb des globalen Weltnetzes auszuschwitzen noch hat sie jemals eine konjunkturfreie Devise mit ihrem Franken geschaffen (wie zB der Golden Eagle, als die USA noch frei war von Spekulationsbankern).
    Das Mass aller Dinge ist selbstverständlich nicht die Schweiz (eher die BIS in Basel), aber ich lade den Mittelstand dringend dazu ein Alternativen im Finanzmangment aufzustellen.

  2. Horst G Ludwig sagt:

    Vielen Dank. Ein guter Artikel der dicht an der Warheit arbeitet und deswegen kommentaros untergeht. Die Haltung der Schweiz ist jedoch wie der berühmte Kompass innerhalb einer verquirlten IMF Welt und deswegen sind es auch sehr beunruhigende Nachrichten, die die Schweizer dazu veranlasst vom geliebten goldgedeckten Franken Abschied zu nehmen und über einen Anschluss an den Euro zu meditieren. Hoffen wir das es soweit nicht kommen wird denn das wirkliche Problem der Schweiz ist lösbar, sowie man die fallenden Aussenhandelsbilanzen mit anderen Alternativen wieder auf Trab bringt.
    Es sind natürlich die Schweizer Topbanker, die die Sutuation verschärft haben indem sie die Kapitalflucht in den beliebten Franken erlaubt haben und soviel Gier kann ja nicht gutgehen. Verschärfend ihre massgebende Rolle im Gold, Silber, Edelstein Geschäft und eine extreme Vernachlässigung der Inlandsgeschäfte…die kleine Schweiz hat niemals den Rückhalt um solche Grössen innerhalb des globalen Weltnetzes auszuschwitzen noch hat sie jemals eine konjunkturfreie Devise mit ihrem Franken geschaffen (wie zB der Golden Eagle, als die USA noch frei war von Spekulationsbankern).
    Das Mass aller Dinge ist selbstverständlich nicht die Schweiz (eher die BIS in Basel), aber ich lade den Mittelstand dringend dazu ein Alternativen im Finanzmangment aufzustellen.

  3. Horst G Ludwig sagt:

    Vielen Dank. Ein guter Artikel der dicht an der Warheit arbeitet und deswegen kommentaros untergeht. Die Haltung der Schweiz ist jedoch wie der berühmte Kompass innerhalb einer verquirlten IMF Welt und deswegen sind es auch sehr beunruhigende Nachrichten, die die Schweizer dazu veranlasst vom geliebten goldgedeckten Franken Abschied zu nehmen und über einen Anschluss an den Euro zu meditieren. Hoffen wir das es soweit nicht kommen wird denn das wirkliche Problem der Schweiz ist lösbar, sowie man die fallenden Aussenhandelsbilanzen mit anderen Alternativen wieder auf Trab bringt.
    Es sind natürlich die Schweizer Topbanker, die die Sutuation verschärft haben indem sie die Kapitalflucht in den beliebten Franken erlaubt haben und soviel Gier kann ja nicht gutgehen. Verschärfend ihre massgebende Rolle im Gold, Silber, Edelstein Geschäft und eine extreme Vernachlässigung der Inlandsgeschäfte…die kleine Schweiz hat niemals den Rückhalt um solche Grössen innerhalb des globalen Weltnetzes auszuschwitzen noch hat sie jemals eine konjunkturfreie Devise mit ihrem Franken geschaffen (wie zB der Golden Eagle, als die USA noch frei war von Spekulationsbankern).
    Das Mass aller Dinge ist selbstverständlich nicht die Schweiz (eher die BIS in Basel), aber ich lade den Mittelstand dringend dazu ein Alternativen im Finanzmangment aufzustellen.

  4. Horst G Ludwig sagt:

    Vielen Dank. Ein guter Artikel der dicht an der Warheit arbeitet und deswegen kommentaros untergeht. Die Haltung der Schweiz ist jedoch wie der berühmte Kompass innerhalb einer verquirlten IMF Welt und deswegen sind es auch sehr beunruhigende Nachrichten, die die Schweizer dazu veranlasst vom geliebten goldgedeckten Franken Abschied zu nehmen und über einen Anschluss an den Euro zu meditieren. Hoffen wir das es soweit nicht kommen wird denn das wirkliche Problem der Schweiz ist lösbar, sowie man die fallenden Aussenhandelsbilanzen mit anderen Alternativen wieder auf Trab bringt.
    Es sind natürlich die Schweizer Topbanker, die die Sutuation verschärft haben indem sie die Kapitalflucht in den beliebten Franken erlaubt haben und soviel Gier kann ja nicht gutgehen. Verschärfend ihre massgebende Rolle im Gold, Silber, Edelstein Geschäft und eine extreme Vernachlässigung der Inlandsgeschäfte…die kleine Schweiz hat niemals den Rückhalt um solche Grössen innerhalb des globalen Weltnetzes auszuschwitzen noch hat sie jemals eine konjunkturfreie Devise mit ihrem Franken geschaffen (wie zB der Golden Eagle, als die USA noch frei war von Spekulationsbankern).
    Das Mass aller Dinge ist selbstverständlich nicht die Schweiz (eher die BIS in Basel), aber ich lade den Mittelstand dringend dazu ein Alternativen im Finanzmangment aufzustellen.