Geschäftserwartungen im Mittelstand sinken rapide

Pessimismus hält auch im Mittelstand Einzug: Von der Konjunktur wird so wenig erwartet wie schon lange nicht. Nur in Bayern und Hessen scheinen die Uhren anders zu ticken.

Die Verunsicherung durch die Euro-Krise macht auch vor dem Mittelstand nicht Halt. Im August 2011 sanken die Geschäftserwartungen der kleinen und mittleren Unternehmen sowie der Großunternehmen stark.

Einen solchen Einbruch des Geschäftsklimas von 6,3 Zählern gab es bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zuletzt im November 2008 nach der Lehman-Pleite und zu Beginn der Wiedervereinigung im August 1992. Der ebenfalls exzessive Rückgang bei den Großunternehmen von 8,8 Zählern bestätigt die derzeitige Abkühlung des Wirtschaftswachstums, ganz gleich, ob es das verarbeitende Gewerbe, das Bauhauptgewerbe beziehungsweise den Einzel- oder Großhandel betrifft. Grund für das schlechte Geschäftsklima sind sowohl die sinkenden Geschäftserwartungen als auch die negativen Lageeinschätzungen der Unternehmen, wobei der Mittelstand die aktuelle Lage positiver beurteilt als im Boomjahr 2007. Entsprechend dieser Selbsteinschätzung des deutschen Mittelstands gaben auch die Beschäftigungs- und Absatzpreiserwartungen nach.

Expansive Beschäftigungspläne und eine anhaltende, wenn auch ruhigere Preisdynamik erwartet die KfW dennoch. Vor allem die starke Verunsicherung durch die Euro-Krise und die Sprünge am Aktienmarkt hätten zu diesem Rekordeinbruch der Geschäftserwartungen geführt. Wenn sich die Finanzmärkte stabilisieren und die europäische Politik ihre Pläne überzeugend umsetzen können, sei Rezession im Jahr 2012 nicht zu erwarten. Insgesamt wurden 7000 Unternehmen und unter ihnen rund 5600 Mittelständler für das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer befragt.
Betrachtet man die KMUs und Großunternehmen in Ost- und Westdeutschland, so wird deutlich, dass das Geschäftsklima der Großunternehmen sowohl in Westdeutschland (-8,7) als auch in Ostdeutschland (-12,7) stärker gesunken ist als das der KMUs. Jedoch sind nicht alle Bundesländer gleichermaßen mit negativen Aussichten in das nächste Quartal gestartet.

In Bayern beispielsweise zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Genossenschaftsverbandes Bayern unter ihren 300 Mitgliedsbanken deutlich freundlichere Zahlen. 27,9 Prozent der Banken verzeichneten in der letzten Zeit eine sehr hohe Nachfrage nach Krediten von mittelständischen Unternehmen und 62,8 Prozent eine durchschnittliche Nachfrage. Ähnliches zeigen auch die Halbjahreszahlen der Kreditausreichungen an Selbstständige und Unternehmen. Zwischen Januar und Juni 2011 sind die Kreditbestände bayerischer Kreditgenossenschaften um rund 1,14 Milliarden Euro gestiegen.

Ebenso positiv gestaltet sich die Situation in Hessen. Sogar noch im zweiten Drittel des Jahres hält sich das Geschäftsklima laut der IHK Frankfurt am Main auf dem Niveau des Jahresbeginns: 135,1 Zähler. 49 Prozent der Unternehmen schätzten die aktuelle Lage als „gut“ ein und sogar 38 Prozent gehen von besseren Geschäften in den nächsten Monaten aus, während die Mehrheit immerhin mit einer Stabilisierung rechnet. Etwas vorsichtiger ist man indes in Baden-Württemberg. Zwar prognostiziert die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, Dr. Carmina Brenner, für 2011 ein reales Wirtschaftswachstum von 4 Prozent. Das baldige Erreichen eines Wendepunktes schwächt sie jedoch ab: „In der zweiten Jahreshälfte wird sich das Wachstum verlangsamen. Hierbei handelt es sich jedoch um eine normale zyklische Abschwächung nach einem fulminanten Aufholprozess.“

Trotz der sich mehrenden negativen Geschäftserwartungen glaubt der deutsche Mittelstand noch immer an seine Absatzchancen und pegelt sich eher auf dem historischen Durchschnittsniveau des Geschäftsklimas ein, als Gefahr zu laufen, einzubrechen.

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Kommentare

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  1. Lynn sagt:

    Ach was… die „Geschäftserwartungen“ sinken rapide? Na, sowas aber auch…

    Ehrlich gesagt: ich gönne es jenen Firmen/Arbeitgebern, welche aus Geiz ihre Angestellten und Arbeiter so niedrig bezahlen (z.B. indem sie gern Leiharbeiter, also moderne Sklaven für Hungerlohn) einstellen!

    Damit sägen sie sich den Ast ab, auf dem sie sitzen – noch nicht gemerkt, werte Arbeitgeber?
    Na, dann wird’s aber Zeit, die Aufstockung durch Steuergelder endlich sein zu lassen und der Arbeiterschaft wieder anständige Gehälter zu zahlen!

    Denn nicht „sozial ist, was Arbeit schafft“, sondern sozial ist, was anständig bezahlte Arbeit schafft!

  2. Lynn sagt:

    Ach was… die „Geschäftserwartungen“ sinken rapide? Na, sowas aber auch…

    Ehrlich gesagt: ich gönne es jenen Firmen/Arbeitgebern, welche aus Geiz ihre Angestellten und Arbeiter so niedrig bezahlen (z.B. indem sie gern Leiharbeiter, also moderne Sklaven für Hungerlohn) einstellen!

    Damit sägen sie sich den Ast ab, auf dem sie sitzen – noch nicht gemerkt, werte Arbeitgeber?
    Na, dann wird’s aber Zeit, die Aufstockung durch Steuergelder endlich sein zu lassen und der Arbeiterschaft wieder anständige Gehälter zu zahlen!

    Denn nicht „sozial ist, was Arbeit schafft“, sondern sozial ist, was anständig bezahlte Arbeit schafft!