„Wir müssen uns wieder auf das konzentrieren, was wir am besten können“

Max Müller ist seit April 2011 der neue Vorstandsvorsitzende der ALNO AG, einem der weltweit größten Küchenhersteller. Er spricht über die Konkurrenz zu IKEA, die Sanierung des Unternehmens und die Rückverlagerung der Unternehmenszentrale an den ehemaligen Stammsitz.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie sieht die Küche der Zukunft aus, in der wohl immer mehr alleinstehende Menschen – und verstärkt auch Männer – kochen werden?

Max Müller: Ich glaube nicht, dass eine Küche, in der Männer kochen – wenn sie denn tatsächlich kochen und nicht nur ein Käsebrot schmieren – anders aussieht als die Küche, in der Frauen gerne kochen. Sicherlich ist die Nachfrage nach preiswerteren und dabei vor allem funktionalen und modernen Küchen heute höher als früher.

Besonders junge Menschen werden immer mehr zu „Nomaden“, die kaum mehr als drei Jahre in einer Wohnung leben. Die Einrichtung muss daher nicht unbedingt 20 Jahre halten und wird bei Billig-Einrichtungshäusern wie IKEA von der Stange gekauft. Wieso sollen Menschen in eine ALNO-Küche investieren?

Max Müller: Es ist sicherlich wahr, dass die Küche als Wohnraum bei jüngeren Menschen nicht den gleichen Stellenwert hat wie beispielsweise bei Familien. Die Stärke der ALNO Gruppe ist es, dass wir in jedem Marktsegment ein Produkt zur Verfügung haben und so ca. 80% des Marktes abdecken können. Früher oder später möchte sich dann aber doch jeder eine hochwertige Küche leisten, wenn finanziell irgendwie möglich. Kochen ist doch ein Lebensgefühl. Das stirbt nicht aus, genauso wenig wie die Nachfrage nach Premium-Küchen. Mit unserer Produktpalette ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir die richtigen, passgenauen Antworten haben.

In Ihrer Unternehmenskommunikation wird von einem „Restrukturierungsprozess“ und den Bemühungen, die ALNO AG „auf einen gesunden Wachstumspfad zu führen“ gesprochen. Können Sie uns kurz erläutern, worin die Probleme liegen oder lagen und welche Schritte gesetzt werden, um diesen Wachstumspfad zu erreichen?

Max Müller: Die ALNO AG wird seit fast zehn Jahren saniert. Jetzt müssen wir uns wieder auf das konzentrieren, was wir am besten können: Nämlich Küchen produzieren und verkaufen. Wir werden alles daran setzen, das Potenzial, das in diesem traditionsreichen Unternehmen liegt, zu heben. Probleme lagen insbesondere in ineffizienten Ablaufprozessen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Unsere Produktionsabläufe müssen effizienter gestaltet werden, um die ALNO AG wieder auf den Wachstumspfad zu bringen. Eine weitere Aufgabe, die wir kurzfristig angehen wollen, ist die klare Positionierung unserer vier Marken in den entsprechenden Kundensegmenten. Meine Aufgabe sehe ich aber vor allem auch darin, wieder Ruhe ins Unternehmen zu bringen und die Mannschaft, die diese ganzen Veränderungen mitgetragen hat, zu motivieren. Dass wir Küchen bauen können, wissen wir.

Herr Müller, Sie wurden am 6. April 2011 zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Was konnten Sie in den vergangenen Monaten bereits umsetzen?

Max Müller: Ich werde Ihnen keine Liste mit Meilensteinen der letzten Monate nennen können. Wenn ich das könnte, dann wäre ich mir selbst suspekt. Man muss sich ja zunächst einmal mit den Prozessen vertraut machen, Probleme identifizieren und Lösungen erarbeiten. Das passiert nicht über Nacht. Wir kennen mittlerweile alle Schwachstellen in den Ablaufprozessen und arbeiten daran, diese zu beseitigen: Beispielsweise haben wir die Auslagerung der Platten-Zuschneidung an Vorlieferanten wieder zurück an den Standort Pfullendorf geholt, wo wir dies selbst übernehmen können und dabei Kosten sparen. Insbesondere in Enger gibt es großes Effizienzsteigerungspotenzial. Zudem konzentrieren wir uns jetzt darauf, das Profil der einzelnen Marken zu schärfen. Wir müssen unsere vier Marken klarer voneinander trennen, sonst kannibalisieren sie sich gegenseitig.

In Ihrer Hauptversammlung am 14. Juli 2011 haben Sie beschlossen, den Firmensitz wieder zurück nach Pfullendorf zu verlegen. Erst 2009 ist die Firmenzentrale nach Düsseldorf gezogen. Was waren die Gründe dieser Entscheidung? Was spricht für und was gegen Pfullendorf und Düsseldorf?

Max Müller: Die Entscheidung, den Firmensitz nach Düsseldorf zu verlegen, hat sich nicht bewährt. Die Führungsmannschaft hat zu viel Zeit beim Pendeln zwischen den einzelnen Produktionsstandorten und Düsseldorf verloren. Schon unsere vier Produktionsstandorte sind nicht unbedingt ein Wettbewerbsvorteil, einen fünften Standort als Firmensitz ohne Produktion können wir nicht gebrauchen und uns auch nicht leisten.

Mit knapp 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind Sie einer der größten Küchenhersteller der Welt. Kann man bei großen Strukturen noch eine Verbundenheit zwischen Management, Mitarbeitern und Unternehmen aufbauen?

Max Müller: Auch aus diesem Grund habe ich den Firmensitz wieder nach Pfullendorf zurückverlegen wollen. In Düsseldorf war das Management viel zu weit weg von den Mitarbeitern an den vier Produktionsstandorten. Nun haben wir zumindest in Pfullendorf einen engen Kontakt zur Belegschaft, die anderen Standorte besuche ich natürlich regelmäßig und spreche mit den Mitarbeitern. Hier vertraue ich aber auch auf die zweite Führungsebene, dass Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter entsprechend wahrgenommen und von den Mitarbeitern kommuniziert werden können.

Sie konnten mittlerweile auch über die Grenzen Europas hinaus expandieren und sind in China und Vereinigten Arabischen Emiraten präsent. Gibt es für ALNO Grenzen der Expansion und mussten Sie auf neuen Märkten auch Lehrgeld zahlen?

Max Müller: Wir hatten früher zehn Auslandsgesellschaften, heute sind es noch drei. Der Umbau der ehemaligen Tochtergesellschaften in reine Vertriebseinheiten war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Unser Produktionsstandort in Dubai bringt zur Zeit nicht die Leistung, die wir von ihm erwarten. Wir haben jetzt ein neues Management in Dubai installiert und arbeiten daran, den Markt wieder dahin zu bringen, wo wir vor 3-4 Jahren waren.

Das Gespräch mit Max Müller führte Christoph Hermann.

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