Deutsche Umwelthilfe wird zum Berater für Pump-Speicherkraftwerk

Die Mainzer Stadtwerke wollen ein Pump-Speicherkraftwerk in Heimbach bauen. Um den möglichen Widerstand von Umweltschützern im Keim zu ersticken, wurde die Lobbyisten-Gruppe „Deutsche Umwelthilfe“ engagiert. Deren Kerngeschäft waren bisher die Erneuerbaren Energien.

Ein geplantes Pump-Speicherkraftwerk am Mittelrhein hätte eine Schwankung des Pegelstandes von bis zu 15 Zentimeter verursachen können. Das hätte selbst die Schifffahrt beeinträchtigt. Auch der Lebensraum auf Höhe des Franzosenkopfes, wo der neue Staudamm entstehen soll, würde beeinträchtigt werden. Diese Themen wurden bereits im Vorfeld von lokalen Bürgerinitiativen und Interessensverbänden adressiert. Um nicht in die Fall des breiten Bürger-Widerstandes zu laufen, möchte die Mainzer Stadtwerke AG einen „Dialogprozess“ anstoßen. Jeder soll seine Meinung sagen können. Wie verbindlich die Ergebnisse am Ende sind, ist unklar. Um jedoch gut Wetter für das Projekt zu machen, hatten die Betreiber eine originelle Idee: Sie engagierten die bisher Lobbyisten-Gruppe für Erneuerbare Energien auftretende „Deutsche Umwelt Hilfe“ (DUH) als Vermittler – mit dem Auftrag, den Dialogprozess zu moderieren, Bedenken zu sammeln – und wohl auch den Widerstand von allem Anfang an zu kanalisieren.

Keine Angst vor einem „Stuttgart 21“

Die frühe Einbindung verschiedener Interessengruppen werde keinesfalls aus Angst vor einer Entwicklungen wie beim Bahnprojekt Stuttgart 21 gewählt, sagt der Pressesprecher der Stadtwerke Mainz, Michael Theurer. Er lehnt den Vergleich mit anderen Großprojekten ab – auch mit dem eines früher geplanten und heiß umstrittenen Kohlekraftwerks einer Tochtergesellschaft der Mainzer Stadtwerke.

Jedes Projekt habe seinen eigenen Charakter. Theurer erwähnt die positiven Erfahrungen bei einem früheren Projekt, der Mainzlbahn: „Es macht Sinn, bei solch einer Idee alle Beteiligten und die Öffentlichkeit einzubeziehen. Wir wollen im Dialog Für und Wider sowie Chancen ermitteln, an die wir nicht gedacht haben“, sagt Theurer. Bei dem Pump-Speicherkraftwerk in Heimbach handle es sich lediglich um eine Projektidee, man wolle niemanden vor vollendete Tatsachen stellen. Für die Deutsche Umwelthilfe habe man sich wegen dem umfangreichen Know-How dieser Organisation entschieden.

Für Erneuerbare Energien, gegen Kernenergie

Für ihre Dienstleistung als Organisatorin des Dialogprozesses bekommt die DUH Geld von den Mainzer Stadtwerken. Wie viel sie dafür bezahlt bekommt, wollte man allerdings nicht mitteilen. Bei anderen Projekten versteht sich die DUH als Speerspitze für Transparenz – in eigener Sache scheint dies allerdings leider nicht zu gelten. Denn die DUH ist natürlich auf ihre Weise eine Lobbyisten-Organisation: Sie tritt als Anwalt jeglicher Formen der Erneuerbaren Energien auf, agiert als entschiedener Gegner der Kernenergie.

So verwundert es natürlich, dass die Deutsche Umwelthilfe auf einmal als Experte bei einem Pump-Speicherkraftwerk hinzugezogen wird. Die Projektleiterin der DUH, Cornelia Nicklas, sieht keine Unvereinbarkeit der beiden Interessen: „Wir haben den Auftrag der Mainzer Stadtwerke nur angenommen, weil ein offenes Ergebnis des Dialogprozesses vereinbart wurde. Wir bleiben unabhängig und neutral. Am Ende des Dialogprozesses könnte auch eine negative Stellungnahme unsererseits stehen.“, betont Nicklas im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Dialogprozess soll Vorbild sein

Bei dem erwähnten Kohlekraftwerk in Mainz trat die DUH als scharfe Kritikerin auf. „Durch die sachliche und fachkundige Kritik damals wurden die Stadtwerke auf uns aufmerksam und haben uns nun gefragt, ob wir den Dialog führen könnten.“, begründet Nicklas das Engagement der DUH. Sie wünscht sich, dass das Modell als Vorbild für andere Großprojekte dient. Damit würde sich für die DUH eine neue Erlösquelle auftun – freilich mit der Gefahr der Verwässerung ihrer ursprünglichen Idee.

Das Projekt Heimbach befindet sich, was die Moderation durch die DUH betrifft, in einem frühen Stadium: Bisher gab es lediglich ein Treffen, bei dem Vertreter von Umweltschutzvereinen, der Fischerei, aus dem Tourismus und anderen Interessengruppen anwesend waren. Es wurden verschiedene Aspekte diskutiert und Bedenken gesammelt. Nun sollen in einem nächsten Schritt die Stadtwerke die Begründung für ihre Standortwahl präsentieren. Danach soll der „Dialog“ beginnen, und erst danach das Genehmigungsverfahren eingeleitet werden.

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